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Wenigstens etwas: Hans Müller, Bundesstützpunktleiter im Kunstturnen, freut sich über den neuen Sportboden in der Halle des Sportforums. Die Hoffnungen auf einen Hallen-Neubau haben sich vorerst zerschlagen.

Foto: Andreas Seidel Bild 1 / 3

Neuer Sportboden kann alte Probleme nicht überdecken

Die Chemnitzer Kunst- turner stehen vor einem schwierigen Jahr. Unter schlechten Bedingungen sollen sie gute Leistungen zeigen, um den Bundesstützpunkt zu erhalten.

Von Mario Schmidt
erschienen am 21.01.2015

Der Druck ist höher denn je. Auf die Chemnitzer Kunstturner kommen in diesem Jahr große Herausforderungen zu. "Im Herbst müssen wir den Status als Bundesstützpunkt neu beantragen und verteidigen. Dafür sind sowohl im Erwachsenen- als auch im Nachwuchsbereich sehr gute Ergebnisse vonnöten", sagt Hans Müller. Er ist Leiter des Stützpunktes im Sportforum und weiß, was auf dem Spiel steht. "Der Trend im deutschen Sport geht zur Zentralisierung. Nach den Olympischen Spielen in Rio 2016 wird man sich auch im Kunstturnen genau anschauen, welche Standorte erhalten bleiben", so Müller.

Der Kunstturnverein (KTV) Chemnitz müsse unbedingt bei Olympia vertreten sein. "Ein Teilnehmer wäre sehr gut, zwei wären bombastisch", sagt der 62-Jährige. Bringt man keinen Athleten in Rio an den Start, sei der Bundesstützpunkt in größter Gefahr. "Büßen wir den Status ein, rutschen wir in den sogenannten Förderstatus C ab. Damit würde eine Trainerstelle wegfallen. Und die derzeitige Förderung von 170.000 Euro pro Jahr durch das Land würde um etwa 100.000 Euro gekürzt", verweist Müller auf die harten Konsequenzen.

Ihre Ziele müssen die Chemnitzer unter widrigen Bedingungen in einer vier Jahrzehnte alten und viel zu kleinen Halle verfolgen. Ein gerade neu verlegter Sportboden, den die Kommune finanziert hat, kann alte Probleme nicht über- decken. "Was die Bundesstützpunkte betrifft, trainieren wir deutschlandweit in einer der schlechtesten Hallen", sagt Andreas Bretschneider. Er ist der heißeste Kandidat vom KTV für einen Olympiastart. Im Vorjahr hatte Bretschneider für Furore gesorgt, als ihm eine Weltneuheit gelang: Der von ihm kreierte "Flieger" am Reck - ein Doppelsalto gehockt (Kovacs) mit zwei integrierten Längsachsendrehungen. Das Element wurde nach ihm benannt und ist als "Bretschneider" ins Reglement eingegangen.

Auch der 25-Jährige hatte gehofft, dass in Chemnitz eine neue Kunstturnhalle gebaut wird. Mangels Fördergeldern von Bund und Land kommt das Projekt vorerst aber nicht zu Stande. "Wir bräuchten mehr Platz. Beim Sprung beträgt die Anlauflänge 25 Meter, wir haben hier höchstens 21, 22 Meter zur Verfügung", nennt Bretschneider ein Beispiel. Chemnitz zu verlassen, komme für ihn aber nicht infrage. "Ich wohne und studiere hier. Daran wird sich nichts ändern. Man muss versuchen, mit den Bedingungen so gut es geht zurechtzukommen", erklärt der Gerätekünstler. Er sei schon froh, dass der neue Sport- boden verlegt wurde. "Auch wenn wir der letzte Standort sind, der diesen Boden erhalten hat. An anderen Stützpunkten wird zum Teil schon seit anderthalb Jahren darauf trainiert", berichtet Bretschneider.

Laut Trainer Sven Kwiatkowski, Olympia-Teilnehmer von 2004 in Athen, können die Athleten auf dem neuen Sportboden höher springen, wodurch neue Schwierigkeitsgrade möglich seien - ein Muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Insgesamt stellt jedoch auch Kwiatkowski fest: "Kein anderer Stützpunkt ist so schlecht ausgestattet wie unserer." Die Trainingsmethodik im Kunstturnen habe sich enorm weiterentwickelt. "Dazu braucht man jedoch ausreichend Fläche, die wir nicht haben", fügt der Trainer hinzu.

 
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Neuer Sportboden kann alte Probleme nicht überdecken
Erweiterung der alten Halle als Alternative
 
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