Eduardo Paes (l.), Bürgermeister von Rio, sorgt sich um die Finanzen

Foto: SID/AFP/Max Nash

Öl-Gesetz gefährdet Olympia und WM in Rio

Im Kampf um Brasiliens neue Öl-Reichtümer drohen Olympia 2016 und die Fußball-WM 2014 in Rio de Janeiro zum Spielball der Politik zu werden. Der brasilianische Olympia-Chef Carlos Arthur Nuzman und Rios Gouverneur Sergio Cabral schlagen wegen einer Öl-Gesetzesreform Alarm und stellen die Austragung der beiden Großereignisse infrage, wenn die Milliarden aus der Ölförderung künftig nicht mehr wie bisher sprudeln sollten.

"Dann können die Menschen WM und Olympia vergessen"

"Wenn die Kürzungen in der vorgesehen Höhe vorgenommen werden, wird Rio daran zerbrechen. Dann können die Menschen WM und Olympia vergessen", sagte Cabral und bekam von Nuzman Unterstützung in seiner Einschätzung: "Die Reduzierung der Einnahmen in der geplanten Höhe würde es Rio unmöglich machen, die Arbeiten vor allem für die Olympischen Spiele fortzusetzen und abzuschließen."

Hintergrund des Streits um das "schwarze Gold", der nach den massiven Krawallen im Herbst 2009 erneut für Negativschlagzeilen um Rio sorgt, ist die Entdeckung eines gigantischen Ölfeldes an Rios Küste vor zwei Jahren. Experten stufen die Ölquelle in 5000 Metern Tiefe als das drittgrößte Ölfeld der Welt ein.

Minus wird auf vier Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt

Das Unterhaus des brasilianischen Kongresses billigte in der Vorwoche bereits einen Entwurf, nach dem Rios Anteil am Milliarden-Geschäft um gut 80 Prozent sinken und die Kontrolle des Staates über die Einnahmen erheblich steigen soll. Behörden in Rio schätzen das Minus für die Stadt und den Bundesstaat Rio de Janeiro auf jährlich vier Milliarden Dollar.

Angesichts der drohenden Kürzungen laufen die verantwortlichen Regierungsstellen Sturm. An der weltberühmten Christus-Statue ließen die Behörden ein riesiges Protest-Transparent entrollen. Für Mittwoch erhielt der öffentliche Dienst zur Teilnahme an einer offiziell organisierten Demonstration komplett frei.

Budget für die Sommerspiele beträgt fast 14 Milliarden Dollar

Rios Finanzbedarf alleine für Olympia und WM ist enorm. Offiziellen Angaben zufolge beläuft sich das Budget für die Sommerspiele 2016 auf 13,92 Milliarden Dollar. Für die WM 2014 verschlingt schon der Umbau des weltberühmten Maracana-Stadions, wo das Finale stattfinden soll, über 210 Millionen Dollar. Notwendige Investitionen in die Infrastruktur schlagen auch im mindestens dreistelligen Millionenbereich zu Buche.

Rio hofft deshalb noch auf eine Änderung des Entwurfes durch den Senat. Als letzte Instanz könnte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva noch ein Veto einlegen. Doch der Staatschef steckt in einer Klemme: Einerseits war Lula da Silva einer der engagiertesten Kämpfer für den Olympia-Zuschlag, andererseits hat der Präsident der Bevölkerung die Verwendung der neuen Öl-Milliarden zur Beendigung von sozialer Ungerechtigkeit und zur Anhebung des allgemeinen Lebensstandards im Land versprochen.

 
erschienen am 01.04.2010
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