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Trainerin Anett Pötzsch betreut in Dresden mit Lea Johanna Dastich die aktuell beste deutsche Juniorin.

Foto: Christian Juppe

Olympiasiegerin schwärmt von den Auftritten der Spitzenläufer

Eiskunstlauf: Chemnitzerin Anett Pötzsch als Trainerin und Technische Spezialistin weiterhin im Metier mittendrin

erschienen am 31.03.2017

Chemnitz. Die Entscheidungen bei der aktuellen Eiskunstlauf-WM in Helsinki verfolgt Anett Pötzsch gespannt aus der Heimat. Die Olympiasiegerin (1980) sowie zweifache Welt- und vierfache Europameisterin, die aus Chemnitz stammt, lebt und arbeitet heute in Dresden. Über die aktuelle Situation im Eiskunstlaufen sprach mit der 56-Jährigen Thomas Croy.

Freie Presse: Bei den Herren ist derzeit eine regelrechte Explosion an Vierfachsprüngen zu erleben. Wird es bald auch den Vierfach-Axel geben?

Anett Pötzsch: Das hat sich ja schon in den letzten Jahren angedeutet. Flip und Lutz wurden bereits vor zwei Jahren vereinzelt gesprungen. Es ist wirklich hammermäßig, was die Männer da abliefern. Die Vierfach-Toeloops sind so sicher, dass man es kaum noch merkt, dass es Vierfachsprünge sind. Ich denke aber, dass man eher Vierfach-Vierfach-Kombinationen mit Toeloops sieht als den vierfachen Axel. Aber wer weiß, was der eine oder andere schon im Trainingsprogramm hat.

Besteht die Gefahr, dass unter der Jagd nach technischen Höchstleistungen das künstlerische Element ein bisschen leidet?

Der Meinung bin ich nicht. Es gibt sicher Unterschiede zwischen den etwas jüngeren und den älteren Läufern. Aber das ist normal, denn das entwickelt sich mit den Erfahrungen. Besonders Olympiasieger Yuzuru Hanyu aus Japan, der fast alles vierfach springt, ist künstlerisch eine Augenweide. Er lebt in seiner Musik. Das macht eben die Besten aus. Tolle Programme sah ich aber auch schon während der Junioren-WM. Bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften in Gangneung fungierte ich in dieser Saison als Technische Spezialistin. Besonders die Spitzengruppe war einfach nur fantastisch. Da muss man aufpassen, dass man nicht anfängt zu träumen, weil es einen so begeistert. Deshalb freue ich mich auch bei der WM besonders auf diese Entscheidung. Die Männer sorgen immer für das Highlight.

Werden die Frauen bei den Schwierigkeiten nachziehen?

Die besten Frauen zeigen gleichfalls super Leistungen, springen bis auf den Axel, der noch selten versucht wird, alles dreifach. Vierfache sind bisher nur ganz vereinzelt zu sehen. Irgendwie setzt sich das bei den Mädchen nicht so durch. Ich denke, das Feld rückt noch enger zusammen als bei den Männern. Die Unterschiede werden stärker in der Ausführung der Elemente liegen.

Die deutschen Einzelläufer haben international den Anschluss verloren. Sehen Sie Möglichkeiten, dass sich da in naher Zukunft etwas ändert?

Die Situation ist sicher schwierig. Ich habe trotzdem immer noch große Hoffnung, dass wir den Anschluss hinbekommen. Mitentscheidend ist für mich die Herangehensweise. Wer die Sportart liebt und sieht, was andere leisten, muss für sich die Entscheidung treffen: Ich will dort mitmischen oder nicht. Grundsätzlich sollte jeder, der was erreichen will, erst einmal erkennen, was er dafür in Angriff nehmen muss. Ob er es dann schafft, ist eine andere Sache. Aber man muss erstmal daran arbeiten.

Wie versuchen Sie selbst, Ihren Schützlingen das zu vermitteln?

Sehr hilfreich ist es, bei Spitzenläufern Erfahrungen zu sammeln. Deshalb fahren wir im Sommer für drei bis vier Wochen wieder in das Trainingscamp von Brian Orser nach Kanada. Schon im Vorjahr konnten wir beobachten, wie zum Beispiel Han yu trainiert. Er lag da auch oft auf dem Eis, weil vieles natürlich noch nicht klappte. Aber das ist eben ein Bereich, wo man einfach bereit sein muss, sich richtig zu quälen, um etwas zu schaffen. Dazu gehören viel Biss, Mut, Disziplin und der unbedingte Wille. Man muss den inneren Schweinehund überwinden.

Ihre aktuelle Meisterschülerin Lea Johanna Dastich konnte sich enorm entwickeln. Die 16-Jährige hat diese Dinge wohl schon gut verinnerlicht?

Auf alle Fälle ist Lea sehr ehrgeizig und arbeitet hart. Sie konnte sich jedes Jahr steigern und mit dem achten Platz jetzt bei der Junioren-WM ihren bisher größten Erfolg erreichen. Wir beide waren nach dem Ergebnis total glücklich, zumal sie zum Saisonhöhepunkt ihre besten Leistungen sowohl im Kurzprogramm als auch in der Kür zeigte. Bei den Schwierigkeiten kann sie schon bei den Damen mithalten, um eine immer bessere Darstellung bemüht sie sich intensiv.

Welche Wünsche möchten Sie sich als Trainerin persönlich noch erfüllen?

Ich war als Sportlerin und als Technische Spezialistin je zweimal bei Olympischen Spielen dabei. Mein Traum ist nun, einmal als Trainerin Olympia zu erleben. (mit mm)

 
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