London 2012: 16 Tage lang PartystimmungFoto: ADRIAN DENNIS (AFP)
Partystimmung pur: Olympia rockt London
Die Spiele der XXX Olympiade in London gehen als Erfolg in die Sportgeschichte ein. Befürchtete Horrorszenarien blieben aus, die Zuschauer strömten in Massen.
London (SID) Olympia hat London gerockt: Kein Verkehrschaos, kein Terror, kein großer Skandal - und selten Regen: 8,7 Millionen Zuschauer verbreiteten 16 Tage lang Partystimmung bei den Sommerspielen in Britanniens weltoffener Metropole. "Ich bin glücklich und dankbar", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge nach dem letzten Olympia seiner im September 2013 endenden Amtszeit. "Wir haben ein unglaubliches Schauspiel erlebt. Auch ich bin glücklich und dankbar" formulierte Olympia-Chef Sebastian Coe.
Die Spiele der 30. Olympiade mit rund 10.500 Teilnehmern aus 204 Nationen gingen ähnlich wie 2008 in Peking als das Olympia von Michael Phelps und Usain Bolt in die Annalen ein. US-Schwimmer Phelps fischte binnen acht Jahren 18 Goldmedaillen und 22 Medaillen aus dem Wasser - ein Rekord, vielleicht für die Ewigkeit. Jamaikas Sprintstar Bolt wurde mit der Wiederholung seines Dreifach-Triumphes von 2008 am Ende mit dem achten Weltrekord der Karriere (36,84 Sekunden über 4x100 m) zur Legende.
Auch Phelps trug dazu bei, dass die USA die 2008 in Peking verlorene gegangene Dominanz zurückgewannen von den Chinesen, die wie damals in Hürden-Star Liu Xiang die tragische Figur der Spiele in ihren Reihen hatten. Die Briten, die 1996 in Atlanta nur ein einziges Mal Gold gewannen, glänzten als Dritte im Medaillenspiegel vor Russland, das 2014 bei den Winterspielen in Sotchi nächster Gastgeber von Olympia sein wird. Die Deutschen gewannen erstmals seit der Vereinigung 1992 mehr Medaillen als bei den unmittelbar vorausgegangenen Spielen, doch am Ende war es etwas wenig Gold, was da glänzte.
"Die Tränen des Chris Hoy" waren nach der sechsten Medaille des britischen Radsport-Idols für Jacques Rogge der bewegendste Moment der Spiele, und bei seinem 800-m-Weltrekordlauf war der Kenianer David Rudisha "in reiner Schönheit" erstrahlt. Sebastian Coe, der zu acht Weltrekorden sowie 1980 und 1984 zu Olympia-Gold gelaufen war, verbeugte sich nach dem zweiten Langstrecken-Triumph von Mohamed Farah vor der neuen britischen Ikone: "Er ist der größte Läufer, den dieses Land jemals gesehen hat."
Der Dank von Coe, dessen Olympia-Etat von rund 11,5 Milliarden Euro wohl keine roten Zahlen schreibt, galt seinem Team: "So leidenschaftlich werden Menschen vielleicht nie mehr zusammenarbeiten." Auch der Armee, die nach dem Ausfall privater Sicherheitskräfte einsprang, den 50.000 freiwilligen Helfern, den Millionen, die beim Fackellauf und im ganzen Land das olympische Fieber verbreiteten, zollte Coe seinen Respekt. Überzeugt von der Richtigkeit seiner Worte sagte er: "Diese zwei Wochen waren ein erhebendes Gefühl. Diese Spiele haben Großbritannien verändert.
Die Tatsache, dass bis zum Schlusstag nur zwei Dopingsünder ins Netz gingen, war für Rogge "Beweis dafür, dass das System funktioniert". Doch der IOC-Präsident machte nicht nur auf heile Welt. Mit einem Seitenhieb auf London erklärte er: "Für den Verkauf der Eintrittskarten müssen wir 2016 in Rio de Janeiro eine andere Lösung finden." Vielleicht auch für das Kampfrichter-Wesen, denn wo menschliches Ermessen in London über Sieg und Niederlage entschied, wurde es gelegentlich fragwürdig.
In Südamerika wird Rogge drei Jahre vor Rio aus dem Amt scheiden. Vielleicht wird dann Thomas Bach als IOC-Chef die Spiele am Zuckerhut eröffnen. Rogge hat dem Deutschen, der seine Kandidatur noch nicht erklärt hat, schon bestätigt: "Er hat alles, was ein Präsident braucht."
In der ARD erklärte am Sonntag dann auch Coe: "Thomas wäre ein sehr guter Präsident. Er hat die Fähigkeiten, das intelektuelle Potential und das nötige Herzblut."