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Zurzeit ist der 27 Meter hohe, baufällige Turm mit einem grünen Sicherheitsnetz überspannt.

Foto: Andreas Seidel Bild 1 / 2

Wie ein Stadion umgebaut werden soll

In die marode Anlage im Sportforum werden in den nächsten Jahren fast neun Millionen Euro investiert. Es soll eine moderne Trainingsstätte entstehen - und nicht nur das.

Von Mario Schmidt
erschienen am 29.03.2017

In dieser Arena haben denk- würdige Veranstaltungen stattgefunden. Eine davon war der Leichtathletik-Länderkampf DDR gegen USA im Juli 1982, als an beiden Wettkampftagen zusammengenommen rund 85.000 Zuschauer ins damalige Ernst-Thälmann-Stadion kamen. Lang ist's her. Im Haupt- stadion des Sportforums, wie die Anlage heute heißt, sind längst keine Wettkämpfe mit großer Kulisse mehr möglich. Die maroden Traversen dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr betreten werden, die 1926 als Südkampfbahn errichtete Sportstätte gleicht einer Ruine.

Das soll sich bald ändern. Der Anfang Februar vom Stadtrat beschlossene Doppelhaushalt der Kommune für 2017/18 sieht umfangreiche Investitionen im Sportbereich vor. Dazu zählt auch der Umbau des Hauptstadions im Sportforum. "Wir werden dort knapp neun Millionen Euro investieren. Ziel ist es, insbesondere für die Leichtathleten eine moderne Trainingsstätte zu schaffen - aber auch eine Wettkampf- stätte", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig im Gespräch mit der "Freien Presse".

Mithilfe mobiler Tribünen könne eine Kapazität von rund 5000 Zuschauerplätzen erreicht werden. Das sei für Leichtathletik-Veranstaltungen vollkommen ausreichend. Die Stadt habe für die Instandsetzung der Anlage mehrfach Fördermittel beim Bund beantragt, schließlich sei der Leichtathletik-Standort Chemnitz ein Bundesstützpunkt. "Unsere Anträge wurden jedoch immer wieder abgelehnt, was ich beschämend finde", betonte Ludwig. So finanziere die Stadt das Projekt allein, was auch einen Vorteil habe: "Wir können selbst entscheiden, was wir bauen, müssen keine Rücksicht auf einen Fördermittelgeber nehmen."

Die über 80-jährige Sportstätte wird nach der Rekonstruktion kaum wiederzuerkennen sein, auch wenn der Stadion-Charakter erhalten bleibt, wie die OB ankündigt. Zuschauerplätze soll es künftig nur noch auf den beiden Längsseiten geben: also auf der jetzigen Haupt- tribüne und auf der gegenüberliegenden Seite. "Geplant wird so, dass sich die Besucherkapazität temporär vergrößern lässt", kündigte Ludwig an. In den geplanten knapp neun Millionen Euro für die Anlage sei die rund 2,1 Millionen Euro teure Sanierung des Marathonturmes inbegriffen.

Das denkmalgeschützte Bauwerk sollte weg - es werde nicht gebraucht und stamme zudem aus der NS-Zeit. Diese Meinung vertrat die Oberbürgermeisterin bis vor kurzem. "Dass wir den Turm jetzt erhalten, liegt am Nutzungskonzept", erklärte die 55-Jährige. Die Planer hätten weitergedacht und eine sportfachliche Nutzung für den Bau gefunden: In Zukunft soll dort der Olympiastützpunkt Chemnitz-Dresden beheimatet sein. "In spektakulär schönen Räumen", wie Ludwig betonte. Olympiastützpunkt-Leiter Thomas Weise war völlig überrascht von diesen Plänen. "Bis vor kurzem waren wir davon aus- gegangen, mit ins Sportinternat zu ziehen, das gegenwärtig saniert wird", so Weise.

Neben dem Marathonturm sollen Funktionsgebäude errichtet werden. Und auf der gegenüberliegenden Seite, wo keine Besucherplätze vorgesehen sind, soll ein Wall entstehen. "Die Flutlichtmasten können aus bautechnischen sowie statischen Gründen nicht erhalten bleiben, müssen zurückgebaut und versetzt werden", ergänzt Rathaus-Pressechef Robert Gruner. Der grobe Zeitplan des Projektes sehe folgendermaßen aus: Dieses Jahr Abschluss der Planungen, 2018 Bauantrag und Baubeginn, 2020 oder spätestens 2021 Abschluss der Arbeiten.

Thomas Schönlebe, Geschäftsführer des Leichtathletik-Clubs (LAC) Erdgas, kann den Baustart kaum erwarten. "Wir freuen uns, dass die Stadt den Umbau jetzt selbst in die Hand nimmt und sind mit der Lösung für das Stadion zufrieden. Wichtig ist, dass es bald losgeht", betonte Schönlebe. Sowohl der Sächsische Leichtathletik-Verband als auch der LAC seien in das Projekt einbezogen worden. Dringend notwendig sei zudem die geplante Sanierung der 400-Meter-Bahn, die laut Schönlebe völlig verschlissen ist und nur noch wenige Jahre durchhalten würde. "Wir erwarten einfach, dass die Bahn erneuert wird", sagte der 51-Jährige. Internationale Wettkämpfe seien auf der Anlage künftig zwar nicht möglich. "Doch wir werden unser internationales LAC-Erdgas-Meeting von der Halle ins Stadion verlegen. Leichtathletik ist schließlich eine Freiluft-Sportart", gab der 400-Meter-Weltmeister von 1987 zu bedenken.

 
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