Erst vorige Woche sind die Tribünen aufgebaut worden. Die Abdeckbleche zwischen den Laufflächen waren mit Flügelmuttern befestigt. Rund 20 davon sind vermutlich in der Nacht zu Samstag gelöst worden. 
Erst vorige Woche sind die Tribünen aufgebaut worden. Die Abdeckbleche zwischen den Laufflächen waren mit Flügelmuttern befestigt. Rund 20 davon sind vermutlich in der Nacht zu Samstag gelöst worden.

Foto: Ralph Köhler

Schlamperei oder Sabotage? Schraubenrätsel von Zwickau bleibt ungelöst

Nach der Spielabsage vom Samstag ist noch kein Schuldiger gefunden

Zwickau. Die Polizei ermittelt, die Fans diskutieren sich die Köpfe heiß, und der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) erwartet eine Stellungnahme: Zwei Tage nach dem verpatzten Saisonstart für den frisch aufgestiegenen Fußballregionalligisten FSV Zwickau hatten sich die Gemüter am Montag nicht beruhigt. Neben der Suche nach den Übeltätern ging es vor allem um die Frage: Was tun?

Vor dem Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena im Sportforum Sojus waren aus den jüngst montierten und vom Bauordnungsamt abgenommenen Gästetribünen rund 20 Schrauben gelöst worden. Als Jenaer Fans Abdeckbleche hochhielten, habe man erkannt, dass etwas nicht stimmt, sagte Gerhard Neef vom FSV-Vorstand am Montag. Zwar glaubt er nicht, dass die Konstruktion zusammengebrochen wäre, doch niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wie viele Schrauben locker waren. Und wie viele Stahlteile als Wurfgeschoss hätten dienen können. Das Spiel wurde deswegen abgesagt.


Fast zur gleichen Zeit: Ordner und Polizei hatten ihre Mühe, nach der Absage des Regionalligaspieles die Fans zu beruhigen und davon abzuhalten, das Spielfeld zu stürmen. 
Fast zur gleichen Zeit: Ordner und Polizei hatten ihre Mühe, nach der Absage des Regionalligaspieles die Fans zu beruhigen und davon abzuhalten, das Spielfeld zu stürmen.

Foto: Daniel Weber/propicture

Das zieht ein Sportgerichts-Verfahren nach sich, bestätigt NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs. Fünf Tage hat der Verein Zeit, eine Stellungnahme abzugeben, sagt Neef. Der erhofft sich eine Neuansetzung der Begegnung. "Weder die Stadt noch unser Verein trägt die Schuld daran", begründet er seinen Optimismus. Wer für den Ärger verantwortlich ist, darüber spekuliert er nicht. Die Fans jedoch schon. Unter anderem auf der Internetplattform Facebook gibt es heftige Diskussionen über die Schuldfrage und darüber, ob das Westsachsenstadion die sicherere Adresse wäre.

Im gleichen sozialen Netzwerk hat sich eine Gruppe namens "Regressforderungen gegenüber FSV Zwickau" gebildet. Zu ihr gehört Andreas Trautmann, Pressesprecher des FC Carl Zeiss. Er sagte dem Sportinformationsdienst, man prüfe, was möglich ist, damit die Jenaer Fans ihr Eintrittsgeld nicht in Zwickau zurückfordern müssen, sondern auch in Jena ausgezahlt werden. Zur Debatte stünden auch Fahrtkosten und ähnliche Ausgaben.

Derweil ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung, sagt Behördensprecher Jan Meinel. "Allerdings ist noch nicht bewiesen, ob jemand geschraubt hat oder ob sich die Muttern allein gelöst haben." Zumindest Joachim Norr schließt das aus. Er hatte vergangene Woche ehrenamtlich geholfen, die Tribünen aufzubauen.


Wenige Hundert Meter vom Sportforum Sojus entfernt hat Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zum Wohngebietsfest am Samstag gegrillt. Rechts: SPD-Landtagsabgeordneter Mario Pecher. 
Wenige Hundert Meter vom Sportforum Sojus entfernt hat Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zum Wohngebietsfest am Samstag gegrillt. Rechts: SPD-Landtagsabgeordneter Mario Pecher.

Foto: Andreas Wohland

"Da war alles fest", sagt er und glaubt nicht, dass sich die Flügelmuttern selbstständig gemacht haben. "Zumal die nur an den ersten drei Reihen fehlten - wo man von unten gut rankommt." Selbst wann es passiert sein könnte, dazu gibt es Anhaltspunkte, denn Neef hatte in der Nacht zu Samstag im Sojus bis 2 Uhr Wache gehalten, bestätigt der 71-Jährige. Denn dass im unbeleuchteten und nur mäßig gesicherten Gelände schnell jemand eindringen kann, zeigten etwa die zwei Fälle von Schmierereien an der Turnhalle in den vergangenen Tagen. Wie dem beizukommen ist, sollen Gespräche mit der Stadt in den kommenden Tagen zeigen, sagt Neef. Am Montag wurde zunächst einmal beschlossen, die Tribünen so zu sichern, dass man selbst mit Werkzeug keine Schrauben lösen kann. Wie das geschehen soll, will Neef aus Angst vor weiteren Sabotageakten nicht verraten.

Die Absage des Spiels wurde begleitet von Ausfällen einiger frustrierter Jenaer Gäste. Im Gerangel ist Jan Meinel zufolge ein Polizist verletzt worden. "Aber eigentlich ging es glimpflich ab", sagt er. Neef schätzt dagegen das Verhalten der Zwickauer Fans als zurückhaltend und korrekt ein. Dennoch hatten sich die Geschehnisse im Sojus am Samstag rasend schnell herumgesprochen. Beim SPD-Sommerfest wenige hundert Meter vom Sportforum entfernt waren sie Gesprächsthema unter den Gästen, aber offenbar nicht am Grill. Dort hielt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) die Stellung und gab Würstchen aus. Im Sojus war sie an diesem Tag nicht. "Frau Dr. Findeiß war nicht über den Vorfall und die Spielabsage informiert worden", hieß es gestern auf Anfrage aus dem Rathaus.

 
erschienen am 14.08.2012 ( Von Sara Thiel )
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