Was auf dem Spielfeld passiert, hat Friedhelm Hüttel (rechts) und Klaus Hering nicht zu interessieren. Die Strafräume sehen sie von ihrem Standort am Eingang sowieso nicht. Beide haben sich in erste Linie darum zu kümmern, dass der Innenraum des Vogtlandstadions nur von sogenannten Zugangsberechtigten betreten wird. Was auf dem Spielfeld passiert, hat Friedhelm Hüttel (rechts) und Klaus Hering nicht zu interessieren. Die Strafräume sehen sie von ihrem Standort am Eingang sowieso nicht. Beide haben sich in erste Linie darum zu kümmern, dass der Innenraum des Vogtlandstadions nur von sogenannten Zugangsberechtigten betreten wird.

Foto: Karsten Repert

Friedhelm Hüttel beendet fast 20-jährige Tätigkeit als Ordner des VFC Plauen

In der Zeit erlebte er hautnah den Aufstieg und Krisen des Vereins mit

Plauen. Der 69-jährige Friedhelm Hüttel gehört zu den dienstältesten Ordnern des VFC Plauen. Seit 1993 sorgen sie zusammen mit vielen weiteren Helfern für die Sicherheit der Spieler und Zuschauer. Nachdem der VFC 1994 in die Oberliga aufgestiegen war und immer mehr Fans die Heimspiele besuchten, baute Hüttel gemeinsam mit Siegfried Heumann und Klaus Heider eine Ordnungsgruppe, so lautete damals die offizielle Bezeichnung, im Vogtlandstadion auf.

Der VFC-Frieder, wie er von vielen genannt wird, ist seit 1954 Fußballfan. Als Jugendlicher kickte er zunächst für Plauener Vereine, später im Männer- und Alte-Herren-Team von Traktor Thoßfell. Zudem bestritt er für Wismut Plauen von 1958 bis 1961 elf Boxkämpfe. Hüttel erlebte als Zuschauer die glorreichen Zeiten, als die Wema-Elf in der DDR-Liga in vielen mitreißenden Spielen 6000 bis 12.000 Zuschauer im Vogtlandstadion begeisterte.

Den Ordner Hüttel haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die VFC-Fans als korrekt arbeitenden Menschen kennen und schätzen gelernt. "Häufig werden meine Kollegen und ich von den Leuten mit Handschlag begrüßt. Wir haben für jeden ein offenes Ohr und werden oft nach einer Prognose zum bevorstehenden Spiel befragt. Im Laufe der Jahre prägen sich die Gesichter ein. Ich kenne fast jeden Stammgast und merke auch, wenn einer mal fehlt", sagt Hüttel. Auffällig sei gewesen, dass sich in der Rückrunde der jüngsten Saison viele VFC-Stammgäste nicht mehr im Stadion blicken ließen.

Gerne erinnert er sich an die Gespräche mit solchen Fußball-Promis wie Ex-Bundestrainer Michael Skibbe, Winfried Schäfer, Jürgen Croy, Reinhard Häfner und Eberhard Vogel, die in Plauen ohne eine kleine Fachsimpelei zum Thema Fußball an Frieder nicht vorbeikamen. Einst stand Hüttel am Eingangstor auf der Jößnitzer Seite, wurde aber auch in allen anderen Arbeitsbereichen, unter anderem auf dem Parkplatz, eingesetzt. In den vergangenen sechs Jahren wachte er mit Klaus Hering darüber, dass nur sogenannte Zugangsberechtige, also beispielsweise Spieler, Trainer, Journalisten, Kameraleute und Sanitäter, den Innenraum des Stadions betreten. "Beim VFC habe ich schon viele Spieler, Trainer und Ordner kommen und gehen gesehen. Ich bin geblieben und verrichtete bei den Heimspielen meinen fünfstündigen Dienst bei 30 Grad im Schatten genauso wie bei klirrender Kälte", sagt der 69-Jährige. Aus gesundheitlichen Gründen - er hat Probleme mit der Wirbelsäule - musste Hüttel nun seine Ordnertätigkeit beenden.

Die meisten Treffer hat er nicht gesehen, sondern sich nur hinterher erzählen lassen, wie sie gefallen sind. "Als für den SpielerzugangsBereich zuständige Ordner dürfen wir nicht so weit nach vorn und können deshalb nicht die ganze Spielfläche sehen", erklärt Hüttel.

An seinem letzten Arbeitstag am 12. Mai hat ihm die Vereinsführung vor dem Heimspiel gegen Wilhelmshaven für seine Arbeit gedankt. Nachdem er verabschiedet wurde, nahm er in der zweiten Halbzeit zum ersten Mal auf der neuen Tribüne Platz. Dort wird er künftig häufiger sitzen. Hüttel ist seit 2003 VFC-Mitglied. Er will dem Verein, nachdem er sich jetzt im Ruhestand befindet, die Treue halten, aber nicht jedes Heimspiel besuchen.

Nach seiner Auffassung hat es früher ein engeres Verhältnis zwischen Spielern, Trainern, Ordnern und Fans gegeben. "In der bis Herbst 1999 währenden Regionalliga-Ära von Coach Frank Papritz und auch in den drei Jahren bis zum Frühjahr 2003, in denen René Müller als Cheftrainer fungierte, war die zwischenmenschlichen Kontakte besser, weil persönlicher. Ab der Tino-Vogel-Zeit und besonders in der vergangenen Saison verhielten sich Trainer und auch einige Spieler nicht nur mir gegenüber mitunter arrogant." Dem VFC steht nach seiner Auffassung ab August eine ganz schwere Regionalliga-Saison bevor, zumal noch keiner wisse, mit welcher Formation der neue Trainer die Punktspiele bestreiten werde.

 
erschienen am 29.06.2012 ( Von Bernd Wunderlich )
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