FIFA-Boss Sepp Blatter steht in der Kritik

Foto: FABRICE COFFRINI (AFP)

Reformer Pieth rät Blatter zu mehr Bescheidenheit

Der Schweizer Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth rät FIFA-Präsident Joseph S. Blatter zu mehr Zurückhaltung bei dessen öffentlichen Auftritten. "Seine Selbstdarstellung bringt die Leute auf die Palme. Er betreibt ein Risikospiel und ist damit eine mediale Hypothek", sagte der Schweizer Kriminologe im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): "Herr Blatter sollte einfach mehr Bescheidenheit an den Tag legen."

Allerdings sei der 76-jährige Blatter im derzeitigen Reformprozess der FIFA unersetzbar. "Unsere Ziele sind nicht an Herrn Blatter gebunden. Aber wir brauchen ihn im Moment nach innen. Nur er kann die Gegenkräfte überzeugen, dass Veränderungen hermüssen - ich könnte das nicht. Mir traut keiner von denen", betonte Pieth. Entscheidend sei jetzt, dass man mit dem neuen Ethikkodex und der Installierung der beiden neuen Kammern der Ethikkommission mit zwei starken Vorsitzenden "schon mal einen großen Schritt nach vorne" gekommen sei.

Ob der bis 2015 gewählte FIFA-Chef seine komplette vierte Amtszeit bestreitet, ließ Pieth offen: "Ich bin nicht sein Anwalt und auch nicht sein Ankläger. Ich kann es nicht sagen. Aber weil ich will, dass unbedingt die nächste Reformrunde bis zum nächsten FIFA-Kongress 2013 erreicht wird, wäre es gut, wenn Blatter dann noch dazugehörte."

Pieth machte auch kein Geheimnis aus seiner persönlichen Meinung zu gewissen Mitgliedern in der FIFA-Exekutive, der "Regierung des Weltfußballs": "Da gibt es eine eingeschworene Bande. Nicht alle im Exekutivkomitee setzen auf Reformen. Einen Grondona (Julio Grondona, FIFA-Vize-Präsident aus Argentinien, d.Red.) werde ich nie überzeugen können. Er hat mir auch ganz offen gesagt, dass er von mir nichts hält. Eben um solche Leute mitzunehmen auf dem Weg zu den angestrebten Veränderungen brauche ich Herrn Blatter. Das ist ein Zweckbündnis. Wichtig ist am Ende, dass der Laden aufgeräumt wird."

Der Anti-Korruptionskämpfer will auch mit Hilfe von Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, der die Statuten der FIFA auf Vordermann bringen soll, die Erneuerung vorantreiben. "Es muss die Nominierungskommission her, die alle neu gewählten Funktionäre auf ihre Integrität hin durchleuchtet. Wir brauchen die Amtszeitbegrenzung, damit sich Seilschaften nicht so leicht bilden können. Wichtig ist mir auch, dass im Exekutivkomitee einige unabhängige Personen sitzen, damit dort nicht gekungelt wird", sagte Pieth.

 
erschienen am 19.07.2012
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