Marcel Kittel erhält UnterstützungFoto: JOSE JORDAN (AFP)
Rennstall verteidigt Kittel in Dopingaffäre
Der deutsche Radprofi Marcel Kittel ist in der Dopingaffäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke von seinem Rennstall Project-1t4i gestützt worden. Der Arnstädter war am Sonntag in einem Bericht der ARD-Sportschau in Zusammenhang mit den Ermittlungen gebracht worden. "Marcel Kittel steht nicht unter Verdacht, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Er ist ebenfalls kein Verdächtiger in den Untersuchungen", teilte das Team in einer ausführlichen Erklärung mit.
Kittel habe den Arzt in 2007 und 2008 bei Krankheit aufgesucht, da er als Sportler aus der Region unter Obhut dieses Olympiastützpunktes gefallen sei, an dem Franke tätig war. Weil Kittel "an einer Infektionskrankheit" litt, habe er damals die UV-Behandlung an Eigenblut erhalten. Seit 2008 sei die Behandlung nicht mehr erfolgt. Der Arzt sei der "offizielle Ansprechpartner" gewesen.
Das niederländische Team hat unterdessen bereits Kontakt zum Radsportweltverband UCI und der niederländischen Dopingautorität aufgenommen. Kittel darf demnach bei den kommenden Wettkämpfen an den Start gehen. Der 23-Jährige plant sein Saisondebüt ab 1. Februar beim französischen Etappenrennen Etoile de Bessèges. Kittel werde seine Zusammenarbeit mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Justiz "ohne Einschränkung gewähren", wenn er darum gebeten werde, hieß es weiter.
Gleichzeitig erklärte Project-1t4i, dass auch seine deutschen Profis Patrick Gretsch (Erfurt) und John Degenkolb (Gera) den Arzt bei Erkrankung aufgesucht hätten, da sie dem Stützpunkt Erfurt ebenso angehörten. Gretsch habe sich wie Kittel wegen einer "Infektionskrankheit" der UV-Behandlung unterzogen. Das sei 2010 geschehen. Degenkolb dagegen habe die Behandlung "nie erhalten". Explizit im WADA-Code verboten ist Abnahme, Bestrahlung und Rückführung von Eigenblut erst seit dem 1. Januar 2011.
Im Gespräch mit dem Internetportal cyclingnews.com sprach Kittel, der als eines der größten Radsporttalente in Deutschland gilt, vom "härtesten Tag in seinem Leben", als er seinen Namen in dem ARD-Beitrag gesehen habe. "Ich war sehr traurig und sehr enttäuscht. Das war wie ein Alptraum. Es ist nicht leicht, damit jetzt umzugehen", sagte er. Die Reaktion des Teams habe ihm eine Menge Selbstvertrauen gegeben, aber es sei unglaublich hart für ihn. "Mein Name wurde genannt und wird deswegen immer in Verbindung damit stehen".
Kittel sei damals 18 gewesen und habe nie geglaubt, etwas Falsches zu tun. "Ich habe dort trainiert und ich war auch bei dem Arzt. Mir wurde gesagt, wenn ich krank bin, soll ich zu ihm gehen. Das habe ich gemacht", sagte Kittel. Franke habe ihm dann die UV-Behandlung vorgeschlagen. "Ich habe ihm vertraut. Ich habe das ein paarmal gemacht und ihn auch gefragt, ob das Doping ist und er hat geantwortet: Nein, ist es nicht. Seit 2008 habe ich es nicht mehr gemacht", erklärte Kittel. Nach SID-Informationen ist die Behandlungsmethode auch in den betreffenden Krankenakten aufgeführt.