Ringer bieten Sachsenverband die Stirn

In den Vereinen zwischen Pausa und Thalheim brodelt es. Es geht dabei um den Erhalt des Schulstandorts Chemnitz

Chemnitz/Leipzig. Selten hat es im Ringer-Verband Sachsen (RVS) so geknistert. Und noch nie hat eine Bezirksorganisation dem Gesamtverband in der Art die Stirn geboten wie es jetzt der Chemnitzer tut. Dies hat einen Grund: Er sorgt sich um den Erhalt des Ringens an der Sportschule. "Das Konzept, das der Verband vorlegt, gleicht einem Abschied auf Raten", sagt Holger Hähnel. Der Vorsitzende des Erstligisten RV Thalheim glaubt, die Meinung vieler zu vertreten. Deshalb hat Vorsitzender Detlef Kolditz im Namen des Chemnitzer Bezirks eine Vorlage für die Verbandsversammlung eingereicht, die den Erhalt der drei Landesstützpunkte in Markneukirchen, Leipzig und Chemnitz festschreiben soll. Zudem plädiert der Antrag dafür, die Ausbildung in den beiden Stilarten zu trennen: Freistil in Leipzig, Klassisch in Chemnitz. Dies deshalb, weil an den Orten jeweils eine Sportschule mit Internat zur Verfügung steht. Der Trainerrat hingegen favorisiert, dass in Chemnitz früh eingeschult wird, "der leistungssportliche Aufbau der Talente aller Stilarten und Jahrgänge ab Klasse 7/8" aber in Leipzig erfolgt. Vom Vogtland-Stützpunkt ist in dem Papier keine Rede.

Die Argumentation der Befürworter ist klar. "Wir betreuen derzeit an der Sportschule in Chemnitz 20 Sportler aus 9 Vereinen, alle Internatsplätze sind belegt, die Fahrwege sind teils deutlich kürzer, alle Athleten kommen aus unserem Bezirk. Sie sind aus Auerbach, Lugau, Thalheim, Werdau, Pausa, Plauen, Chemnitz, Zschopau und Gelenau", so Kolditz zum aktuellen Stand. Solche Fakten bleiben auch im deutschen Maßstab nicht unbeachtet. "Es wäre töricht, den Chemnitzer Stützpunkt - mit den starken Vereinen des Erzgebirges, Vogtlandes und Westsachsens im Rücken - zu gefährden. Meiner Ansicht nach kommt der sächsische Verband an ihm gar nicht vorbei", sagte Nachwuchs-Bundestrainer Jannis Zamanduridis. Er selbst hatte in Karl-Marx-Stadt seine ersten Schritte auf der Matte gemacht und reifte später zum Vizeweltmeister. Von ähnlichen Erfolgen träumt der Verband des Freistaats derzeit allenfalls.

Selbst Deutschlands Ringer-Präsident Manfred Werner konterte beim Junioren-Weltcup in Plauen harsch, als Sachsens Präsident Benedict Rehbein die Frage nach den Chancen als Bundesnachwuchsstützpunkt für ein "Ringerzentrum Sachsen in Leipzig" klären wollte. "Dazu braucht es Kader. Muskelkater hilft nicht", sagte Werner ziemlich schroff. Erbaulich klang dies für den RVS jedenfalls nicht.

Brüskiert sehen sich Chemnitzer, die ihre perfekten Bedingungen im Sportforum loben, zudem, weil ihr Antrag zunächst nicht als Tagesordnungspunkt für die Mitgliederversammlung am kommenden Samstag erschien, sondern nachgereicht wurde. Rehbein: "Er sollte zurückgezogen werden." Kolditz: "Davon war nie die Rede."

"Wir sind mit Chemnitz zufrieden", betont der Werdauer Henning Tröger. Auch andere sehen keinen Grund, an dem Stützpunkt zu zweifeln: "Wir sind in Sachsen die stärkste Nachwuchsregion, brauchen das Zentrum und wollen es möglichst ausbauen", betont Sören Ullrich aus Aue, der Chef des Erzgebirgsverbandes. Und der Landessportbund kann sich wohl solch eine Variante ebenso gut vorstellen: "Wir unterstützen alles, was der Spezialisierung dient und Leistung erzeugt. International waren Sachsens Ringer in den vergangenen Jahren im Männerbereich ja nicht gerade erfolgreich", betonte der Vizechef Leistungssport und Leiter des Olympiastützpunkts Chemnitz/ Dresden, Thomas Weise.

 
erschienen am 27.07.2011 ( Von Thomas Schmidt )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)
Das könnte Sie auch interessieren
 

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
Shop-Tipp

Das Auge des Panthers

Auch wenn die sächsische Wirtschaft im Jahre 1928 boomt, bestimmen für viele Menschen Wohnungsknappheit und harte, lange Arbeitstage das Leben. Wer es...
 
Shop-Tipp

Erlebnistour: Spreewald - eine kulinarische Reise

Diese Erlebnistour wird Ihnen schmecken: Im Juli geht es auf knackig, genussvolle Tour in den Spreewald. Ziel ist eines der ersten Gurkenfelder....
 
Shop-Tipp

Amigos

Das neue Album! Die Brüder Bernd und Karl-Heinz zählen mittlerweile zu den ?Fixsternen? am Volksmusik- und Schlagerhimmel. Die neue Produktion...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Webtipps