Gerhard Schulze, Holger Korschelt und Klaus Markardt (von links) wurde die Ehre zuteil, am Samstag zum Abschluss ihrer Karriere als Fußball-Schiedsrichter auf dem Wacker-Platz das Spiel der Uwe-Seeler-Traditionself (rechts Uwe Bein)) gegen das Old-Boys-Team Plauen leiten zu dürfen. Foto : Oliver Orgs
Seelers Altstars fordern häufig Elfmeter
Das Fußballspiel der Uwe-Seeler-Traditionself gegen die Old Boys Plauen (7:3) auf dem Wacker-Platz ist bei den Fußballfans noch in aller Munde. "Freie Presse" lässt anhand von Stimmen, Impressionen und Episoden dieses Spektakel noch einmal Revue passieren.
PlauenEin denkwürdiges Spiel war es für Holger Korschelt (SG Unterlosa) sowie seine Assistenten Gerhard Schulze (SG Traktor Lauterbach) und Klaus Markardt (FSV Bau Weischlitz). Sie wurden als Referees verabschiedet, brachten es auf insgesamt mehr als 6000 Einsätze. Korschelt sagte gestern: "Am Samstag ging mir zum Abschied viel durch den Kopf. Ich erinnerte mich beispielsweise an mein erstes Spiel in Kürbitz. Als 17-Jähriger pfiff ich dort am 25. November 1973 gleich zwei Nachwuchspartien. Unvergessen bleiben mir auch meine zahlreichen Regionalliga-Einsätze als Linienrichter in den 1990er Jahren vor bis zu 10.000 Zuschauern."
Ex-Profi Schulz beleidigt Referee
Und wie bewertet Korschelt das von Wacker deklarierte Spiel des Jahres? "Die Old-Boys-Auswahl hat lange gut mitgehalten und damit zum Unterhaltungswert beigetragen. Die Altstars der Seeler-Elf forderten von mir mehrfach Elfmeter, doch nach meiner Auffassung wurden sie nicht strafstoßreif attackiert. Unverschämt war hingegen das Verhalten von Michael Schulz von Werder Bremen. Er wurde gefoult und ging verletzt vom Platz. Doch mich zuvor grob zu beleidigen und aus Wut einen Stutzen nach mir zu werfen, fand ich eines ehemaligen Bundes- liga-Profis, der mehr als 200 Spiele bestritt, unwürdig." Genervt sagte Schulz nach dem Abpfiff: "Es war ein völlig unnötiges Foul. Wahrscheinlich muss ich jetzt einige Zeit pausieren."
Buchwald lobt Organisatoren
Guido Buchwald, einer der überragenden Kicker bei Deutschlands WM-Titelgewinn 1990, war da wesentlich netter zu den Referees und den vielen Autogrammjägern. Der Stuttgarter bestreitet jährlich noch etwa 25 Repräsentativspiele: "Ich war schon öfters im Vogtland und komme immer wieder gern hierher. Die Organisation und das ganze Drumherum begeisterten mich. Die Old Boys haben uns vor allem in der ersten Halbzeit gefordert."
Rasant und zugleich spaßig verliefen vor allem die Zweikämpfe zwischen Frank Mill und Frank Buschner. Die ersten Duelle entschied Buschner für sich. Der 47-Jährige ist der neue Trainer des FSV Treuen. Er kam vorigen Monat von Wacker Plauen und spielte zuvor 37 Jahre für Oelsnitz. Mill, Mitglied des 1990er WM-Teams, wartete einige Male am Boden liegend vergeblich auf den Schiedsrichterpfiff. Einmal wurde der Stürmer - er spielte unter anderem bei den Borussen in Mönchengladbach und Dortmund - von Buschner heftig am Trikot gezerrt. Es gab Freistoß. Beide Spieler umarmten sich. "Frank Mill gab mir unter dem Gelächter der Zuschauer sogar einen Schmatz auf die Stirn", freute sich Buschner über diese nette Geste.
"Frank Mill gab mir einen Schmatz auf die Stirn."
Frank Buschner Old-Boys-Team Plauen
Mit seinen drei Treffern war Andriy Zapyshnyi der Held des Old-Boys- Teams. Einige Zeit musste er überlegen, wann er zum letzten Mal drei Tore in einen Spiel geschossen hat, dann fiel es ihm ein: "Im Mai 2008 für den VFC im Spiel bei Borea Dresden. Wir gewannen 5:0 und stiegen in die Regionalliga auf."
Stars vor Gegentoren nicht gefeit
Detlef Zimmer, der Torwart der Seeler-Elf - von 1993 bis 1995 war er Keeper und Geschäftsführer beim VFC - , nahm es gelassen, dass er von Zapyshnyi dreimal überlistet wurde: "Unsere Mannschaft ist seit vielen Jahren unbesiegt, doch vor Gegentoren nicht gefeit. Anfang Juli musste ich in Landsberg bei Halle sogar viermal den Ball aus dem Netz holen. Wir gewannen dort 7:4." Zimmer ist seit drei Jahren Trainer bei Stahl Brandenburg. Er erinnert sich gern an die Zeit in Plauen. In der Traditionself wird er übrigens als Torwart nur bei Spielen in den neuen Bundesländern eingesetzt.
Michael Fendler, Mittelfeldstratege im Old-Boy-Team, sagte: "Ein Kompliment gilt dem 1. FC Wacker für den Mut, so ein Spiel zu organisieren. Es war für uns Fußballer und die Zuschauer gleichermaßen ein besonderes Erlebnis. Wir haben gut mitgehalten und nicht enttäuscht."
Axel Schröder, einer der Co-Trainer des Regionalligisten VFC, war traurig: "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht mit antreten kann. Da freut man sich seit Monaten auf dieses Spiel und muss nun wegen einer Verletzung passen. Im Trainingslager erlitt ich vorige Woche in Bad Brambach einen Muskelfaserriss."
Keinen Muskelfaserriss, aber dennoch eine Verletzung hatte sich am Samstag auch ein Zuschauer zuzogen. "Auf dem Weg zum Fußballplatz bin ich gestürzt. Ich habe eine Loch in der Hose, eine Hand blutete. Man hat mich aber sofort mit Pflaster verarztet", sagte Wolfgang Liebner. Und der Schmerz war bereits mit dem Anpfiff vergessen. Der 73-jährige Plauener hatte als einziger Zuschauer eine Trompete mitgebracht und blies bei jedem Tor, egal auf welcher Seite es fiel, in seine Vuvuzela. "Ich gehe manchmal zu den Wacker-Spielen oder ins Vogtlandstadion zum VFC. Sport getrieben habe ich in meinem Leben nie, bin aber dennoch ganz schön alt geworden", schmunzelte der Rentner.