Christian Seifert will eine enge Zusammenarbeit

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Seifert: "Liga und DFB müssen Hand in Hand gehen"

DFL-Chef Christian Seifert fordert bei der Aufarbeitung der Folgen des EM-Halbfinalausscheidens der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien eine konzertierte Aktion von Liga und Deutscher Fußball-Bund (DFB). "Liga und DFB müssen Hand in Hand gehen, angefangen bei der A-Nationalmannschaft hin zu den Nachwuchsteams und den Leistungszentren. Denn weder ein Nationaltrainer noch die Trainer der U-Mannschaften können in den wenigen Tagen, in denen sie die Nationalspieler um sich haben, aus technisch und taktisch limitierten Spielern einen Iniesta machen. Die Kärrnerarbeit kann nur in der Bundesliga und ihren Leistungszentren stattfinden", sagte der Vorsitzende der Geschäfsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Interview mit der Bild-Zeitung (Samstag-Ausgabe).

Auf die Frage, ob den Spielern in den Klubs oder dem Nationalteam das Sieger-Gen fehle, meinte Seifert: "Mit dem Begriff Sieger-Gen kann ich nichts anfangen. Ich kann Joachim Löw deshalb bei der Leitwolf-Diskussion verstehen. Nicht jeder, der mal im Trainingslager einen Fernseher aus dem dritten Stock geschmissen hat, ist ein Typ mit Ecken und Kanten, der Titel gewinnt. Natürlich besteht nach dem EM-Aus eine Unzufriedenheit. Deshalb müssen wir alle relevanten Themen umfassend und ehrlich diskutieren. Und das am besten hinter verschlossenen Türen."

Seifert warnt davor, sich zu sehr auf den WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien zu fokussieren. "Man sollte mit Blick auf 2014 nicht schon jetzt vom Titel reden. Mir wäre viel lieber, wenn DFB und Liga innehalten und überprüfen, was man besser machen kann", betonte der 43-Jährige: "Es ist wichtig, sich nun intensiv um die nächsten sechs Jahre Gedanken zu machen, nicht nur über die nächsten zwei. Alles auf 2014 auszurichten, wäre fahrlässig mit Blick auf die Zeit danach."

Seifert sieht die Bundesliga gegenüber der spanischen Primera Division mittelfristig im Vorteil. "In Wirklichkeit haben wir die spanische Liga in vielerlei Hinsicht überholt", sagte Seifert, "im Financial Fairplay allemal, einige Klubs stehen dort vor der Insolvenz. Auch wenn es um die Anstoßzeiten und die Androhungen von Streiks geht, will ich mit der Primera Division nicht auf Augenhöhe sein."

Für Seifert "wäre es schön", wenn Topstars wie Messi und Ronaldo in Deutschland spielen würden. Den Klubs der Bundesliga fehle aber "die Bereitschaft, 100 Millionen zu zahlen und sich zu verschulden. Und das ist gut so. Spanien ist für uns definitiv kein Vorbild. Die Nationalmannschaft und die Klubs sollten Spanien nicht zu einer Übermannschaft oder Überliga machen. Andere zu kopieren, ist immer gefährlich. Wir müssen unseren eigenen Weg finden und gehen."

Beim Kampf gegen die Gewalt in den Fußballstadien verlangt der DFL-Boss die stringente Umsetzung von Konzepten. Dies sei wichtiger als größere finanzielle Investionen - wie von der Politik gefordert - vonseiten der Profi-Klubs. Seifert: "Geld ist bei diesem Thema nicht alles. Viel entscheidender ist, dass alle Beteiligten klare Konzepte entwickeln und umsetzen. Leider fehlt von einigen sogenannten Fan-Vertretern bis heute ein eindeutiges Bekenntnis gegen Gewalt."

 
erschienen am 18.08.2012
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