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Das Team des Chemnitzer AC jubelt über die Silbermedaille.

Foto: Kristin Schmidt (3) Bild 1 / 4

Silber als Krönung einer starken Saison

Der Chemnitzer AC musste sich in der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft nur dem großen Favoriten und Titelverteidiger AV Speyer geschlagen geben. Das junge Team gewann die 13. Medaille in Folge.

Von Martina Martin
erschienen am 20.03.2016

Chemnitz. Als nach der Siegerehrung am Sonntag die Pfälzer auf der Bühne in gelben Meisterschaftstrikots ihren Triumph mit ordentlichen Sektduschen feierten, stießen die Gewichtheber vom Chemnitzer AC (CAC) im hinteren Teil derweil mit einem Bierchen an. Dabei wirkten auch sie aufgekratzt, scherzten, schauten keineswegs traurig drein - und wurden von den Zuschauern in der proppenvollen Halle ebenso gefeiert. Wie erwartet hatten sie das hochkarätige Finale (807,0:898,0-Punkte) gegen den AV Speyer, der vier Olympiakandidaten an den Start brachte, verloren. Doch die Silbermedaille nach einer bis dahin ungeschlagenen Saison ist für die junge Truppe, die ohne einen Ausländer antrat, aller Ehren wert. "Wir sind Vizemeister - das ist wieder eine super Sache und erneut eine Steigerung zum Vorjahr", meinte Trainer Andreas Rehwagen in der Runde und gratulierte jedem seiner Schützlinge ganz persönlich.

Nachdem auch das obligatorische Foto mit dem treuen Fanclub, perfekt war, resümierte der Coach: "Speyer hat sich keine Blöße gegeben. Deshalb waren wir wie erwartet ohne Siegchance. Aber ich bin stolz auf die Mannschaft, wie sie diese nicht einfache Saison gemeistert hat und überhaupt bis ins Finale gekommen ist."

Ein Akteur strahlte dabei mit der Medaille um den Hals besonders: Josef Hesse, der er erst seit dieser Serie zum Aufgebot gehört und somit seine Finalpremiere erlebte. Nach einer persönlichen Bestleistung im Reißen vollführte er Freudensprünge, auch nach dem dritten Versuch im Stoßen schrie der Schwarzschopf seine ganze Freude heraus. Denn auch 128 Relativpunkte hatte er in der Bundesliga noch nie erzielt. "Ich war vorher schon sehr aufgeregt, aber allein die super Stimmung in der Halle hat mich noch voll gepusht. Diese Bestleistungen wollte ich unbedingt, habe mich auf dieses Finale als Höhepunkt gezielt vorbereitet", berichtete der 21-Jährige aufgekratzt, ehe er zur Blut- und Dopingkontrolle gebeten wurde.

Josef Hesse stammt aus Meißen und trainierte von 2008 bis 2012 als erfolgreicher Nachwuchs-Akteur am Chemnitzer Bundesstützpunkt. Wegen der Ausbildung wechselte er nach St. Ilgen, arbeitet inzwischen als Immobilienkaufmann und widmet sich so dem Eisen viermal pro Woche in der Freizeit. Umso bemerkenswerter sind unter diesen Bedingungen die Steigerungen. Sein Kumpel Max Lang indes, der im Auswahlzentrum von Leimen trainiert und mit dem er eine WG teilt, konzentriert sich als Mitglied der Bundeswehrsportförderguppe aktuell voll auf das Gewichtheben, gehört inzwischen zu den absoluten Leistungsträgern in Deutschland. Gestern avancierte er zum überragenden Akteur des Finals, schaffte mit 180 Relativpunkten das beste Ergebnis aller Teilnehmer. Zudem überbot er mit 336 kg erneut die Olympianorm in seiner Kategorie.

Für den CAC-Kapitän war das Finale zudem der letzte Wettkampftest vor der EM - seinem Höhepunkt im Frühjahr, bei dem die Tickets für Rio vergeben werden. So ließ er im Reißen erstmals überhaupt 155 kg an die Hantel stecken (Bestleistung: 153 kg). Er schaffte sie zwar noch nicht, war darüber aber kaum traurig. "Ich wollte einfach mal wissen, wie sich diese hohe Last anfühlt, technisch war ich aber dabei nicht gut. Zur EM, um die sich derzeit alles bei mir dreht, will ich sie aber packen", blickte der 23-Jährige voraus. Auch Teamkollege Robby Behm wird das kontinentale Championat Mitte April in Norwegen bestreiten, konnte aber gestern sein Leistungsvermögen nicht wie geplant abrufen. Ein Magen-Darm-Infekt hatte den 29-Jährigen in der Vorbereitung behindert. Indes erreichten Philip Kudzik und Toni Weber ihre besten Punktwerte der Saison, stellte Youngster Kurt Perthel seinen Rekord im Stoßen ein.

Der Chemnitzer AC gewann seine 13. Meisterschaftsmedaille in Folge, auf solch eine Bilanz kann kein anderes Team hierzulande verweisen. Alle Akteure haben zudem bereits den Vertrag für eine weiteres Jahr in der Tasche. Und geht die Entwicklung so weiter - vielleicht versprühen sie 2017 den Sekt.



Foto: Kristin Schmidt

Erinnerungen an die Rekordhalter

Ingo Steinhöfel (Foto), einer der ehemaligen Weltklasseheber des Chemnitzer AC, war einer der prominenten Ehrengäste des Endkampfes. Der Olympiazweite von 1988 sowie einstige Welt- und Europameister gehörte unter anderem zu dem Team, das 1996 in der Bundesliga den immer noch gültigen deutschen Rekord von 1132,3 Punkten markierte. Der 48-Jährige, der fünfmal bei Olympia startete und dessen Sohn Marlon für den KSV Durlach hebt, wohnt heute mit seiner Familie in der Welmerskirchen in der Nähe von Köln. Er arbeitet als Versicherungsmakler und nebenher als Trainer Gewichtheben für Crossfit-Spezialisten in Wuppertal.

Als deutsche Gewichtheber des Jahres 2015 wurden Julia Schwarzbach und Almir Velagic im Rahmen des Finales geehrt. Die 26-Jährige gewann u. a. bei der EM Silber, der 34-Jährige EM-Bronze und WM-Platz sechs.

Einzelergebnisse: Chemnitzer AC: Max Lang 180 Relativpunkte (Reißen: 151 kg; Stoßen: 185), Robby Behm 143 (157; 193), Philip Kudzik 135 (150; 180); Josef Hesse 128 (137; 163); Toni Weber 112 (141; 165); Kurt Perthel 109 (123; 160).

AV Speyer: Almir Velagic 168 (180; 230); Jürgen Spieß 163 (165; 200); Tom Goegebauer 148 (111; 133); Julia Schwarzbach 144 (80; 103); Tom Schwarzbach 143 (147; 170); Max Platzer 132 (126; 145).

Um Platz 3: Germania Obrigheim - Berliner TSC 850,2:800,9. (mm)

 
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