Jörg Röder (Mitte) bei einer seiner zahlreichen Führungen - hier im einstigen Wohnzimmer der Familie Siems. 
Jörg Röder (Mitte) bei einer seiner zahlreichen Führungen - hier im einstigen Wohnzimmer der Familie Siems.

Foto: Harald Sulski

1. Tour: Schilbach erlebt eine Völkerwanderung

1800 neugierige Besucher pilgerten in das kleine Dorf im Vogtland

Schilbach. Bis in das einst herrschaftliche Schlaf- und Badezimmer führte am Sonntag (29. Juli) Franziska Czermak die Besucher von Schloss Schilbach, und das stilecht in einem historischen Kleid, das sie wie eine Prinzessin erscheinen ließ. Die junge Frau kennt sich nicht nur in der Geschichte aus. Mit einem Zensurendurchschnitt 1,6 hat sie die 10. Klasse beendet und beginnt in wenigen Wochen in Reichenbach eine Ausbildung zur Ergo-Therapeutin. Nur die steilen Stufen hinauf auf den Turm kam die junge Frau mit ihrem Gewand nicht. Die Besucher stiegen allein hinauf und sahen bei einem Blick aus den Fenstern, dass unzählige Gäste noch im Kommen waren.

Erste Gäste kurz nach 9 Uhr

Die Heimatzeitung "Freie Presse" und der Obervogtländische Verein für Innere Mission Marienstift Oelsnitz (OVV) hatten am 29. Juli zum Auftakt der Schlösser-Tour in Schloss Schilbach eingeladen. Kurz vor 10 Uhr begannen Jörg Röder von der Evangelischen Mittelschule Schöneck sowie Natalie und Franziska Czermak die erste Führung. Bereits kurz nach 9 Uhr waren mit Margita Georgi, Maria Brückner und Paul-Wilhelm Kuhnert aus Chemnitz die ersten Besucher eingetroffen. "Das Schloss wollen wir uns gerne einmal ansehen. Die Ankündigung klang sehr interessant", so Kuhnert.

 


Franziska (links) und Natalie Czermak führten in historischen Kostümen Besucher durch das Gebäude.
Franziska (links) und Natalie Czermak führten in historischen Kostümen Besucher durch das Gebäude.

Foto: Harald Sulski

Carl Siems, Gründer der Tüllfabrik Flöha AG, hatte 1912 das Schilbacher Rittergut gekauft, und nach den Plänen der Leipziger Architekten Händel & Franke ein Schloss errichten lassen, das die Familie nur an Wochenenden oder zu besonderen Anlässen nutzte.

Regelrechter Besucheransturm

Der ursprüngliche Plan, zu jeder halben Stunde eine Führung mit etwa 20 Gästen zu veranstalten, war schnell Makulatur. Während Franziska Czermak die erste Gruppe durch das Haus führte, übernahm Jörg Röder wenige Minuten später gleich die zweite Führung. Am Eingang bildete sich rasch eine Warteschlange, dann übernahm auch Vera Opitz vom OVV noch Führungen.

Der Besucherstrom wollte nicht mehr abreißen. Autos mit Kennzeichen aus Chemnitz, Zwickau, dem Erzgebirgskreis, Plauen, dem Vogtland, aber auch Leipzig, Greiz und Gera parkten auf den Zufahrtsstraßen, und das fast bis hinauf nach Schöneck.


Carmen Meinel und Guido Grönitz aus Leipzig ließen sich als König und Prinzessin fotografieren.
Carmen Meinel und Guido Grönitz aus Leipzig ließen sich als König und Prinzessin fotografieren.

Foto: Harald Sulski

Etliche Gäste nutzen die Wartezeit bis zur nächsten Führung für einen Spaziergang durch den knapp zwei Hektar großen Park, den der königlich-sächsische Gartenbaudirektor Max Bertram aus Dresden für den Schlossherren anlegte. "Ich war schon mehrfach hier, wenn der Rhododendron blüht. Das ist immer eine wahre Pracht", erzählte Maria Simon aus Plauen. Im Saal der Ritterguts-Gaststätte hielt der Dresdener Kunsthistoriker und Schlosskenner Matthias Donath insgesamt drei Vorträge vor einem stets großen und wissbegierigem Publikum.

Einkehr im Rittergutshof

Im Hof des Schilbacher Ritterguts konnten sich Besucher am Stand des OVV stärken. Der Heimatverein Zwota hatte kurzfristig die notwendigen Biertisch-Garnituren zur Verfügung gestellt. Für die Kinder boten "Freie Presse" und die Wochenzeitung "Blick" Möglichkeit zum Malen und Basteln. Gäste konnten sich königlich verkleiden und fotografieren lassen oder am Glücksrad ihr sprichwörtliches Glück versuchen. Selbst Regenschauer konnten die Stimmung nicht trüben.

Nicht alle, die am 29. Juli das Schloss anschauen wollten, kamen letztlich auch hinein. Zu groß war der Besucheransturm bis in den Nachmittag noch. Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September öffnet das Schloss wieder seine Türen. Von den Besuchern bereits erworbene Eintrittskarten bleiben gültig.

 
erschienen am 29.07.2012 ( Von Thorald Meisel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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