Besonders ans Herz gewachsen ist Jürgen Sebald seine BMW R2, Baujahr 1932. Schon zu DDR-Zeiten hat er seinen zweirädrigen Oldtimer liebevoll wieder instand gesetzt.Foto: Jens Kraus
Alte Technik vor dem Vergessen bewahren
Jürgen Sebald (69) aus Elterlein hat ein Faible für alte Motorräder von BMW und Tankstellenzubehör
Chemnitz. Die BMW R2 von Jürgen Sebald ist immer noch ein Schmuckstück. Restauriert hat er die Maschine bereits zu DDR-Zeiten. Auch damals war sie schon ein Oldtimer - das Motorrad wurde schon 1932 gebaut. Die Instandsetzung war eine Herausforderung; anders als heute waren Teile für solch eine Maschine kaum aufzutreiben.
Sein Beruf kam ihm bei diesem Hobby zugute: Als Metalldrücker fertigte er selbst die verschlissenen Blechteile wie Kotflügel und auch die Pressstahlschwinge originalgetreu nach. Da er mit Sohn Mario auch schon manche Awo - ein von den russischen Besatzern Ende der 1940er-Jahre in Auftrag gegebenes Motorrad aus Suhl - "wiederbelebt" hatte, stellten auch die übrigen Restaurierungsarbeiten kein unüberwindliches Problem dar. Es blieb nicht bei der einen BMW, doch die R2 ist ihm besonders ans Herz gewachsen: Es ist die erste Serien-Einzylindermaschine von BMW und mit ihrer überschaubaren Technik ist sie ein dankbares Restaurierungsobjekt.
Mit Doppelschleifen-Pressstahlrahmen, Viertaktmotor, Kardan- antrieb und Starrheck war die Maschine einfach und zugleich robust konstruiert. Lichtmaschine, Batterie, Hupe und Werkzeugkasten gehörten zur BMW-typischen großzügigen Grundausstattung. Der Motor der von 1931 bis 1936 gebauten Maschine leistete 4 kW/6 PS bei 3500 Umdrehungen in der Minute. Mittels des Dreiganggetriebes mit Kugelhandschaltung war eine Höchstgeschwindigkeit von 95 Kilometer je Stunde zu erreichen. Weil der Hubraum des Motors lediglich 200 Kubikzentimeter groß ist, konnte das Motorrad seinerzeit steuerfrei gefahren werden. Entsprechend gefragt war die Maschine: Mehr als 15.000 Mal wurde die BMW R2 produziert.
Eine Besonderheit an Sebalds R 2 besteht darin, dass die Ventile bei dieser Ausführung noch offen liegen. Bei den späteren Modellen verwendete BMW dann einen geschlossenen Ventildeckel. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der R2 ist die mittig zwischen den Stoßstangen-Hüllrohren angebrachte Ölrückführung - der Motor wirkt damit so, als besäße er drei Ventile.
Gefragt, was ihn an solch alter Technik reizt, sagt Jürgen Sebald: "Ich bin dafür, die alte Technik wieder zum Laufen zu bringen, sie, wenn man so will, wieder zum Leben zu erwecken. Das ist es, was mich bis heute fasziniert." Aus- drücklich betont der 69-Jährige dabei "alte Technik".
Jürgen Sebald verweist in diesem Zusammenhang gern auch auf sein zweites Hobby, die Restaurierung alten Tankstellenzubehörs, das er, der auch eine Zeit lang für Minol fuhr, gleichfalls vorm Vergessen bewahrt.