Werner Rudolph hält seinen BMW 315 gut in Schuss. Insgesamt 9765 Exemplare verließen vor dem Krieg die Montagehallen.

Foto: Jens Kraus Foto: BMW 315

BMW 315 - ein standfester Bayer thüringischer Herkunft

Seit Rentenbeginn geht es für Werner Rudolph aus Oederan nicht mehr um die Wurst - Der Fleischermeister widmet sich nun seinem Oldtimer

Oederan. Die Kupplung vom Wartburg 311 passt. Die Schwungscheibe auch. Sogar die Rahmenform ähnelt der des Eisenachers, wie Werner Rudolph feststellte, als er Motor und Getriebe seines BMW ausbaute. Seit der heute 70-Jährige Oederaner seine Fleischerei an die Kinder übergeben hat, findet er Zeit für sein Hob- by. Er sagt: "Ich habe mich schon zu DDR-Zeiten mit Autos beschäftigt und damals einen Skoda Felicia aus Schrott wieder aufgebaut." Mit seinem vor sechs Jahren gekauften BMW 315 erfüllte er sich den Traum von einem "richtig" alten und zugleich besonderen Oldtimer.

Der Wagen verließ 1934 die BMW-Fabrik in Eisenach. Sechs Jahre zuvor hatten die Bayern die Eisenacher Dixi-Werke gekauft und damit das Feld der Automobilproduktion betreten. Den bewährten, aber in die Jahre gekommenen Dixi lösten sie wenig später mit eigenkons-truierten Vier- und Sechszylindermodellen ab. In welcher Liga BMW schon bald spielte, zeigten Autos wie der schnittige Roadster 319/1, der exklusive 328 Mille Miglia und der Verkaufsschlager 326, den das Eisenacher Werk EMW nach dem Krieg abgewandelt weiterbaute.

Auch im 315er steckt kein Langweiler, wie Rudolph bestätigt: "Die angegebene Höchstgeschwindigkeit liegt bei zirka 100 km/h. Die schafft er, wenn's drauf ankommt, heute noch." Der Fahrspaß war mit einem Preis von 3750 Reichsmark nicht billig, dafür währt er schon 75 Jahre. Der 315er BMW erzielt aus 1490 Kubikzentimeter Hubraum eine Leistung von 34 PS.

Die recht passable Leistung setzt entsprechende Drehzahlen voraus. Diese wiederum verlangen einen standfesten Motor. Die Konstrukteure verteilten deshalb die Antriebsarbeit auf sechs in Reihe stehende Zylinder. Zwei Steigstromvergaser garantieren im Verbund mit nur 830 Kilogramm Fahrzeuggewicht einen zügigen Antritt des Bayerns thüringischer Herkunft.

Um bei 100 Sachen noch verkehrssicher unterwegs zu sein, ließ Rudolph den Motor überholen, dem Getriebe fühlte er selbst auf die Zähne. Er rüstete die alten Seilzugbremsen auf Öldruck um, erneuerte die Elektrik und baute eine Warnblinkanlage ein. Vier Stoßdämpfer, zwei Querblattfedern vorn und eine hinten helfen über die meisten Fahrbahnunebenheiten hinweg, den Rest schlucken weiche Sitzpolster. Zu weiche, wie Werner Rudolph einräumt. Seine Frau sage, man sitze darauf wie auf einem Schaukelbrett. Die Teilnahme an Veteranenveranstaltungen absolviert er deshalb lieber im Solobetrieb.

 
erschienen am 04.12.2009 ( Von Jens Kraus )
 
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