Wie in der Entwurfsskizze könnte die Theaterstraße aussehen, wenn einst die Bahnen des Chemnitzer Modells darauf rollen. Eine andere Variante wäre die sogenannte französische Lösung. Dabei fährt die Bahn an einer Straßenseite, Fahrgäste steigen direkt in die Fußgängerzone aus.
Foto: Stephan Besier/Büro StadtBahnGestaltung im Auftrag der Stadt Chemnitz/Baudezernat
Chemnitz: "Breite Straßen als große Chance"
Oberbürgermeisterin Ludwig und Tiefbauamtsleiter Gregorzyk über Verkehrsräume der Zukunft
Der Ausbau des Chemnitzer Modells gilt als Riesenchance für die Stadt: Durch die umsteigefreie Fahrt bis zur Zentralhaltestelle oder zum Hauptbahnhof soll die Bahnfahrt wieder für Tausende Pendler vor allem aus dem Umland attraktiv werden. Die Universität bekommt einen eigenen Anschluss, und mit Umbau und Umgestaltung großer Straßen wie der Theaterstraße können städtebauliche Probleme gelöst werden. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen, die vor einem Verkehrskollaps in der Innenstadt warnen, da der Außen- und der Innenstadtring als Entlastungsstrecken noch lange nicht geschlossen werden. Darüber sprach Grit Baldauf mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk.
Freie Presse: Aus den 60-er und 70-er Jahren gibt es Entwürfe, die ein Netz von Hochstraßen über die Stadt ziehen. Heute gelten die Innenstadt-Straßen, die breit sind wie Autobahnen, als Auto dominiert und hinderlich für ein belebtes Zentrum. Nun diskutiert man über den Wegfall von je einer Fahrspur je Richtung für die Brückenstraße zwischen Bahnhofstraße und Straße der Nationen ab Ende 2012 und für die Theaterstraße nach 2015. Wird die Autostadt Chemnitz irgendwann Geschichte sein?
Barbara Ludwig: Chemnitz ist aus Tradition Autostadt. Heute geht es uns aber nicht mehr vordergründig um die quantitative Entwicklung, also um den Ausbau von Straßennetzen, sondern um die Qualität der Straßen und Straßenräume. Es geht um Aufenthaltsqualität und Stadtgefühl für alle: Autofahrer, Bus- und Bahnfahrer, Fußgänger, Radfahrer. Hochstraßen sind sinnvollerweise aus der Mode gekommen, bevor sie hier gebaut wurden. Das Gute ist, dass wir in Chemnitz breite Straßen haben und daher Verkehrsentwicklung betreiben können, die alle Verkehrsteilnehmer einschließt. Die breiten Straßen sind also eine große Chance.
Bernd Gregorzyk: Die Entwicklungen der einzelnen Verkehrsnetze relativieren sich wieder, Funktion und Bedarf kommen in ein vernünftiges Verhältnis. Unsere Partnerstadt Düsseldorf hat Hochstraßen gebaut und wieder weggerissen. Und während in den 70-er Jahren in unserer Stadt ohne jede Rücksicht auf fremdes Eigentum oder darauf, dass es gar nicht so viele Autos gab, große Pläne für die Bebauung gemacht wurden, gibt es heute völlig neue Rahmenbedingungen und die Möglichkeit, neue Konzepte zu entwickeln, wenn es an der Zeit ist.
Freie Presse: Ist es an der Zeit, auch über eine Reduzierung der Fahrspuren auf der Bahnhofstraße zu diskutieren?
Gregorzyk: Die Bahnhofstraße ist und bleibt in dieser Gestalt ein Fremdkörper, eine Durchgangsstraße durch die Innenstadt. Dennoch gibt es keine konkreten Planungen für eine Reduzierung des Verkehrs auf der Strecke, weil derzeit der Ansatz dafür fehlt. Das ist auf der Theaterstraße anders, wo die gesamte Straße für die Gleise des Chemnitzer Modells ohnehin umgestaltet wird. Und an der Brückenstraße steht der Umbau des Schocken-Vorplatzes für das Landesarchäologiemuseum an.