Etwa 170 Chemnitzer haben die Podiumsdiskussion zum Thema Verkehrsplanung in der Straßenbahn-Werkstatt der CVAG verfolgt. Etwa 170 Chemnitzer haben die Podiumsdiskussion zum Thema Verkehrsplanung in der Straßenbahn-Werkstatt der CVAG verfolgt.

Foto: Ronny Rozum

Chemnitzer Modell soll City beleben helfen

"Freie Presse"-Forum zum Thema Verkehrsplanung - Auf dem Podium gehen Meinungen weit auseinander

Chemnitz. Die Fortführung des Chemnitzer Modells mit weiteren Straßenbahnlinien ins Umland ist eine Chance, um mehr Menschen ohne Auto in die Innenstadt zu bringen. Darüber waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter dem Titel "Wie viel Straße verträgt die Stadt?" am Mittwochabend weitestgehend einig. Zu der Veranstaltung der Reihe "Chemnitzer Perspektiven" hatten die "Freie Presse" und der städtische Nahverkehrsbetrieb CVAG ins Straßenbahndepot an der Carl-von-Ossietzky-Straße eingeladen. Etwa 170 Chemnitzer verfolgten die Diskussion, in der die Meinungen zur Reduzierung des Autoverkehrs teilweise weit auseinandergingen.

Besonders die beiden auswärtigen Experten in der Runde, der Kunsthistoriker und Architekturkritiker Dr. Arnold Bartetzky aus Leipzig und der Berater für Verkehrs- und Städtebau Stephan Besier aus Zürich, beklagten, dass die Chemnitzer Innenstadt derzeit für Fußgänger schlecht erreichbar sei, und es ihr an Urbanität fehle. Bar- tetzky ist Mitglied des Kuratoriums Stadtgestaltung, das die Stadtverwaltung beim Stadtumbau berät. Besier entwickelt im Auftrag der Stadtverwaltung Vorschläge für die Verkehrsplanung.

Die Straßen rund um das Zentrum seien überdimensioniert, sagte Bartetzky. Allerdings könnten auch zu breite Fußwege langweilig sein, schränkte er ein. Wünschenswert sei es daher, "bauliche Räume zu verengen". Besier sprach von "vereinzelten Qualitätsinseln" als "Oasen der Menschlichkeit" in Chemnitz. Man brauche ein Auto, um von einer zur anderen zu gelangen. Er bescheinigte der Chemnitzer Innenstadt aber eine "Wahnsinns"-Entwicklung in den letzten zehn Jahren. Jetzt seien weitere Impulse nötig, um eine neue Qualität zu erreichen. Ein solcher Impuls könnte das Chemnitzer Modell sein.

Vor Beschränkungen des Autoverkehrs in die Innenstadt warnte Ilona Roth, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer für Handel und Dienstleistungen. Es sei für die Innenstadt-Händler gerade in Fußgängerzonen ohnehin schon schwer, sich gegen die Konkurrenz am Stadtrand zu behaupten. Der Schlüssel für die Belebung der Innenstadt sei deren Erreichbarkeit, sagte sie, und: "Der Kofferraum ist der beste Einkaufskorb."

CVAG-Vorstand Jens Meiwald erwartet dennoch, dass vor allem Pendler ins und aus dem Umland vom Auto auf das Chemnitzer Modell umsteigen werden. Dass solche Angebote zu steigenden Fahrgastzahlen führen, sei an vielen Beispielen nachgewiesen, darunter auf der Pilotstrecke nach Stollberg.

Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk kündigte an, dass die Stadtverwaltung die Fortführung des Chemnitzer Modells nutzen wolle, um an der Theaterstraße einen fußgängerfreundlicheren Übergang vom Zentrum zum Kaßberg zu schaffen. Ohne die Fördermittel für das Modell könnte die Stadt das gar nicht finanzieren, sagte er. Für die Brückenstraße würden noch Ideen gesucht, was mit den Flächen geschehen soll, die durch eine Fahrspur-Reduzierung frei werden.

Die Stadtverwaltung plant, ab Frühjahr nächsten Jahres den Schocken-Vorplatz neu zu gestalten. Dabei sollen sämtliche Absperrungen abgebaut werden, damit sich Straßenbahn und Passanten die Fläche des Museums-Vorplatzes teilen. Noch im Herbst will die Bauverwaltung die Arbeiten beginnen, damit der Umbau im Frühjahr 2012 starten und vor der Eröffnung des Museums voraussichtlich 2013 abgeschlossen werden kann.

Gleichzeitig soll die Brückenstraße zunächst um eine Fahrspur von der Bahnhofstraße in Richtung Straße der Nationen eingeengt werden. Auf dem frei werdenden Raum sind unter anderem Parkplätze vorgesehen. Für die Gegenrichtung laufen noch Untersuchungen, sagte Gregorzyk. Voraussichtlich ab 2016/17 soll dann der Verkehr auf der Theaterstraße nur noch zweispurig rollen. Dort ist vorgesehen, bis dahin eine Straßenbahntrasse des Chemnitzer Modells in Richtung Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna zu verlegen. (mib/grit)

 
erschienen am 01.09.2011
 
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