"Da tut's auch nochmal das Kleid vom letzten Jahr"

Modegeschäfte, Friseure, Taxifahrer: Chemnitzer Geschäftsleute spüren Auswirkungen des Opernballs unterschiedlich stark

Chemnitz. Nicht zeitgemäß und unnötig, sagen die Gegner. Gewünscht und sogar anziehend für Auswärtige, halten die Befürworter dagegen: Die achte Auflage des Chemnitzer Opernballs war in den vergangenen Tagen Gegenstand heftiger Diskussionen. "Freie Presse" hat Chemnitzer Geschäftsleute gefragt, ob sie Auswirkungen dieses Festes in ihren Bilanzen spüren.

"Natürlich macht sich der Opernball bemerkbar", sagt Hella Erler, Inhaberin des gleichnamigen Modesalons. Die ersten Kundinnen kämen schon vor Weihnachten. Viele aber erst nach den Feiertagen, "weil sie merken, dass sie nicht mehr ins Kleid passen", meint Erler schmunzelnd. Und wenn 14 Tage vor dem Opernball die Restkarten verteilt würden, gehe es in ihrem Geschäft schon hektischer zu. Sie gesteht jedoch, 2009 doppelt so viele Kleider verkauft zu haben wie in diesem Jahr. Vielleicht auch, weil die Leute erst so spät wüssten, ob sie Karten bekommen, vermutet sie.

Um die bei der Damenwelt so gefürchteten Dopplungen zu vermeiden, schreibe sie sich auf, wer was anzieht, erklärt die Geschäftsfrau. Bei Basis-Stücken falle das ja weniger auf, aber markante Kleider gebe es bei ihr nur einmal. "Wenn jemand nun nach Berlin oder Nürnberg fährt, um seine Ballgarderobe zu kaufen, steigt hingegen die Gefahr der Dopplung", wirbt Erler dafür, sich vor Ort einzukleiden.

Auch das Modegeschäft "Schreyer-exclusiv" werde vor dem Opernball von den Chemnitzerinnen angesteuert, sagt Inhaberin Christa-Maria Schreyer. Aber dieser Zulauf sei nicht mit dem vergleichbar, den sie beispielsweise vor dem Semperopernball in ihrer Dresdner Niederlassung spüre. Außerdem scheint sich die Wirtschaftskrise bemerkbar zu machen. "Da tut's auch nochmal das Kleid vom letzten Jahr, denkt sich wohl manche Frau", vermutet die Mode-Expertin.

Friseure sind vor dem Ball im Opernhaus offenbar ebenfalls gefragt: "Am Freitag und Samstag sind wir ausgebucht", sagt Marcel Bauer, Inhaber des Salons Marcel B. Vor allem Damen wollen sich für den Abend frisieren lassen. Wer am Samstagnachmittag komme, wünsche zudem häufig ein Abend-Make-up speziell für den Opernball.

"Sogar schon in der Vorwoche kommen Kundinnen, um sich ihre Friseur noch einmal auffrischen zu lassen", hat Ute Brockmann-Leipnitz festgestellt, die zwei Geschäfte in Chemnitz und jeweils eins in Mittweida und Diethensdorf betreibt. Ein neuer Schnitt sei dann hingegen kaum gefragt: "Vor so einem Ereignis sind die Frauen weniger bereit für Experimente", sagt die Friseurin mit einem Zwinkern.

Steffi Schmiedel, Inhaberin des Friseursalons "Haar Scharf", spüre hingegen "eher nichts" vom Opernball. Auch Wolfgang Oertel vom Vorstand der Chemnitzer Taxigenossenschaft kann einen besonderen Ansturm an diesem Tag nicht feststellen. Ob Leute Taxi fahren, hänge unter anderem vom Wetter ab. Und: "Samstagnacht ist immer viel los. Da ist der Opernball nur ein Segment von vielen."

 
erschienen am 07.02.2010 ( Von Sandra Czabania )
 
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