Italienisch gestylt: der Ssangyong Korando.
Foto: Ssangyong
Ein Exot, der kein Exot mehr sein will
Südkoreanischer Autobauer Ssangyong versucht Neustart in Europa
Chemnitz. Was hat die ausgebüxte Sommerloch-Kuh Yvonne mit diesem Autotestbericht zu tun? Nun, das Tier wurde nach seiner 98-tägigen Flucht mit einem SUV von Ssangyong zurück zu seiner Weide gebracht. In diesem Falle handelte es sich um den Rexton II, einen Oberklasse-SUV. Wir waren mit einer Nummer kleiner zufrieden und nahmen den Korando unter unsere Hufe, sprich den Gas- und Kupplungsfuß.
Sicher, der Hersteller braucht solche aufsehenerregenden Geschichten, um in Deutschland bekannt zu werden beziehungsweise wieder Fuß zu fassen. Der viertgrößte südkoreanische Autobauer wurde 1954 als Jeep-Hersteller gegründet und kam nach einer bewegenden Firmengeschichte, an der auch Mercedes mit einer Technologiepartnerschaft, Daewoo als Käufer und ein chinesischer Anteilseigner beteiligt waren, vor zwei Jahren in Turbulenzen. Seit dem vorigem Jahr wagt man einen Neustart in Deutschland. Inzwischen gehört der Allrad-Spezialist zum indischen Autoproduzenten Mahindra & Mahindra.
Wer mit einem Ssangyong unterwegs ist, hat vor allem eins: Exklusivität. Ganze 6044 Fahrzeuge waren zu Jahresbeginn in Deutschland zugelassen. Das liegt sicher daran, dass die Autos bisher am europäischen Geschmack vorbeigingen, um es einmal vornehm zu formulieren. Für den neuen Korando, der unter anderen gegen VWs Tiguan, Nissans Qashqai und Hyundais ix35 antritt, hat das renommierte italienische Designstudio Italdesign-Giugario das Äußere entworfen, was sich durchaus sehen lassen kann und manchem ein "Oho" entlockte. Eher ein leichtes Knurren entlockte uns der Kofferraum, den wir für die Größe des Autos als zu klein empfanden. Da hatten wir schon Probleme, unsere zwei etwas größeren Gepäckstücke fürs verlängerte Wochenende vernünftig unterzubringen. Mit dem Umklappen der Rücksitze aber hätte man dieses Problem lösen können. Aber das wollten wir nicht.
Im sehr geräumigen Innenraum darf man keine Wunderdinge erwarten, aber wer auf Navigationssystem und übermäßigen Schnickschnack verzichten kann, freundet sich schnell an. Da gibt's keine überflüssigen oder rätselhaften Knöpfe. Unser Allrader - zurzeit ist lediglich ein Zweiliter-Diesel mit 129 kW/ 175PS auf dem Markt - machte kräftig Betrieb. Fahrtechnisch gab es nichts zu deuteln. Klar ist er nicht gerade leise, aber auch da hatten wir schon weit Schlimmeres erlebt, wo man ab 130 kein Gespräch mehr führen konnte. Das Fahrwerk ist komfortabel, aber nicht zu weich ausgelegt, die Lenkung recht direkt und das Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich gut bedienen. Man kann also das Auto recht flott bewegen.
Das Absatzziel für dieses Jahr von 1000 hierzulande verkauften Fahrzeugen werden die Südkoreaner wohl nicht erreichen. Rund 400 Autos wurden bisher an Händler, 200 an Endkunden verkauft. Ulrich Mehling, der Geschäftsführer von Ssangyong Deutschland, hofft nun auf 800 Autos. 2000 sollen es nächstes Jahr sein. Das hänge auch vom Vertriebsnetz ab, das von gegenwärtig 60 bis Jahresende auf 100 Händler wachsen soll.
Typenblatt: Ssangyong Korando: Länge/Breite/Höhe (in Metern): 4,41/1,83/1,71; Kofferraum: 486 Liter bis 1312 Liter; Motorisierung: 2,0-Liter-Turbodiesel mit 129 kW/175 PS, Frontantrieb (Allrad optional), Höchstgeschwindigkeit: 179 Kilometer je Stunde (Automatik: 186 Kilometer je Stunde), Normverbrauch: 6,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer (7,3 Liter), CO2-Ausstoß: 159 Gramm pro Kilometer (194 g/km), Preis ab 22.990 Euro.