Holzbildhauer Günther Schmied an seiner Drechselbank.  Holzbildhauer Günther Schmied an seiner Drechselbank.

Foto: Udo Lindner

Ein Hase, der helfen will

Verein "Leser helfen", Kunststube Schmied und Künstler starten Versteigerungsaktion zugunsten lokaler Hilfsprojekte

Chemnitz/Wolkenstein. So stellt man sich einen echten Erzgebirger vor: Geschickt, emsig, bescheiden und immer einen Holzspan im Bart. Günther Schmied aus Wolkenstein ist so einer. Jeden Tag steht er in seiner kleinen Werkstatt an seiner Drechselbank. Unter dieser stapeln sich die Holzklötze. Überall im Raum - akribisch sortiert - liegen vorgefertigte Holzteile, aus denen später das Wolkensteiner Löffelohr zum Leben erweckt werden soll. Dass es diese "Rasse" überhaupt gibt, ist einem Zufall geschuldet - denn mit Hasen hatte der Holzbildhauer nie etwas am Hut. Unter seinen geschickten Händen entstanden früher eher Räuchermänner- und frauen, Lichterengel oder Bergmänner.

Eines Tages aber kam eine Kundin ins kleine, gemütliche Geschäft in der Marienberger Straße. Sie wollte einen großen Holzhasen kaufen. Den gab es aber nicht. Also bat sie den Holzbildhauer, doch einfach einen zu entwerfen. Tagelang tüftelte Günther Schmied. Immer wieder verwarf er seine Entwürfe und Muster, um der Kundin schließlich stolz fünf unterschiedliche Hasen zu präsentieren. Sie allerdings verzog nur das Gesicht, machte auf dem Absatz kehrt und wart nie wieder in seinem Laden gesehen. Das hatte der Künstler in seinen mehr als 30 Berufsjahren noch nicht erlebt. Kurzerhand stellte er die Hasen in seiner Filiale im Kurzentrum Warmbad auf - und verkaufte sie an nur einem Nachmittag. Das war die Geburtsstunde der Wolkensteiner Löffelohren.

Von diesen soll es nun in einer Sonderedition einige wenige exklusive Exemplare geben, die von Künstlern der Region gestaltet und über den "Freie Presse"-Hilfsverein "Leser helfen" zugunsten von lokalen Hilfsprojekten versteigert werden. Die Idee dazu hatte Günther Schmied - und er fand auch ganz schnell Unterstützer. Zum Beispiel den Airbrush-Künstler Mario Schumann (früher Seifert) aus dem Chemnitzer Stadtteil Klaffenbach. Er profitierte im vergangenen Jahr selbst von der Hilfsbereitschaft der "Freie Presse"-Leser. Das August-Hochwasser hatte nicht nur sein Grundstück samt Werkstatt überflutet, sondern auch zwei für Kunden fertig gestellte Autos schrottreif werden lassen. Insgesamt summierte sich der Schaden auf rund 30.000 Euro, die ihm keine Versicherung ersetzte. Hinzu kam, dass seine Freundin und heutige Frau aufgrund einer Krebserkrankung arbeitsunfähig war. Mit dem Spendengeld konnte er zumindest die gröbsten Verluste ausgleichen.

Für die aktuelle Spendenaktion hat er sich daher besonders ins Zeug gelegt. Dass das Wolkensteiner Löffelohr jetzt einem Hundertwasser-Hasen ähnelt, ist kein Wunder, denn Mario Schumann ist bekennender Fan des österreichischen Künstlers. Das farbenprächtige Kleid des Hasen wird sogar von echten Gold-Linien getrennt. Dieses Unikat versteigert der Verein "Leser helfen" zugunsten des Vereins "Kinderland Sachsen". Der Verein betreut in Chemnitz eine Wohngruppe sozialbenachteiligter Jugendlicher.

Service:

Der Original-Hase von Mario Schumann ist bis zum 31. Oktober auch in der Kunststube in Wolkenstein, Marienberger Str. 27, anzuschauen.

► www.Kunststube.de

 

Das 35 Zentimeter große "Hundertwasser"-Löffelohr.

Foto: Stephan Schmied

Die Versteigerung

Den aktuelle Angebot zum Künstlerhasen finden Sie unter www.ebay.de . Dort können Sie auch Ihr Gebot abgeben. Das Mindestgebot für den Hasen beträgt 250 Euro. Den Zuschlag erhält , wer bis zum 17. Oktober, 18 Uhr, im Internet das höchste Gebot hinterlassen hat.

► Zur Versteigerung

► Bildstrecke: Der Künstlerhase des Monats Oktober

 

Der Künstler

Dass Mario Schumann einmal kreativ und künstlerisch arbeiten will, das stand für ihn früh fest. Schon als Jugendlicher war er fasziniert von der Airbrush-Technik, machte aber dann erst einmal eine Ausbildung als Maler und Lackierer. Später allerdings machte er seine frühe Leidenschaft zu Beruf und gründete 1999 sein eigenes Atelier. 2006 zog der gebürtige Wolkensteiner von Marienberg nach Chemnitz/Klaffenbach. Seither hat er sich vor allem dafür einen Namen gemacht, dass er seine Motive und Gemälde auf so ziemlich jeden Untergrund sprühen kann. Zahlreiche Autos, Motorräder oder  Lederjacken aber auch Wohnzimmerwände zieren seine Arbeiten. Mittlerweile ist er international unterwegs.

► www.future-air.de

 

Der Verein "Leser helfen"

Der Verein "Leser helfen" engagiert sich seit mehr als 15 Jahren in der Region Südwestsachsen. Unterstützt werden vor allem Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und so dringend auf Hilfe angewiesen sind. Zudem unterstützt der Verein soziale Projekte, für die es aus anderen Töpfen keine Förderung gibt. Vielen Lesern der"Freien Presse" dürfte noch in Erinnerung sein, wie schnell und unbürokratisch der Verein zum Beispiel nach den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2010 Spendenaktionen zugunsten der Hochwasseropfer initiierte. Allein im vergangenen Jahr erhielt der Verein in der Region mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern, die allesamt an Hilfsbedürftige in Südwestsachsen verteilt wurden.

 
erschienen am 06.10.2011 (Von Udo Lindner)
 
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