Gregor Clemens. Gregor Clemens.

Foto: Franz Schepers/GC

Ein Leipziger erobert London

Gregor Clemens hat eine Passion: Er möchte Frauen schick anziehen, Mode für sie kreieren

Chemnitz. Berlin gilt als die einzige wirkliche deutsche Modestadt. Hier hat sich im Stadtteil Mitte eine junge Designerszene etabliert, bringen täglich die Touristen aus aller Welt die Trends nach Deutschland, hier trifft sich zweimal jährlich die Modewelt zur Mercedes-Benz-Fashion-Week. In der Vita von Gregor Clemens wird Berlin aber nur eine Episode bleiben. Nach nur einem Jahr stand für den gebürtigen Leipziger fest: Hier zu leben und zu arbeiten, erfüllt seine Ansprüche nicht. Er hat sich mehr erhofft an Inspirationen und auch von der Fashion Week. Clemens ist Autodidakt, hat keine Designerausbildung oder Hochschule besucht. "Ich hab mir einfach alles irgendwie abgeschaut und dann selbst beigebracht." Seine Kreationen sind ausgesprochen weiblich und machen Lust auf Inszenierung.

Er liebt die große Show und hat sie zur Fashion Week zelebriert. Für ihn lief die erste Gewinnerin von Heidi-Klums-Castingshow "Germany next Topmodel", Lena Gercke, in einem mit 2000 Diamanten besetzten langen Kleid. Auch die Siegerin der vierten "Topmodel"-Staffel, Sara Nuru, führte die Kreationen seiner Marke Lac et Mel öffentlich vor. Im feinen Quartier 206 auf der Friedrichstraße mietete er ein leer stehendes Geschäft für die Präsentation seiner Kollektion. Trotz der ausgefeilten Shows war er unzufrieden. "Die Berliner Fashion Week ist eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung", sagt er mit bitterem Unterton. "Nur die wenigsten Labels sind international, die wirklichen Promis rar. Die hohen Kosten für die Shows waren in den Wind geschossen."

Clemens ist realistisch: "Mode ist ein hartes Business." Damit meint er nicht nur die öffentliche Präsentation, sondern auch den Vertrieb. Die deutschen Einzelhändler seien gegenüber Neuem wenig aufgeschlossen. Wer wirklich in diesem Business erfolgreich sein will, der braucht internationale Kundschaft. Clemens sieht in Berlin und insgesamt in Deutschland keine Zukunft für sein Geschäft, macht an seinen Ansprüchen keine Abstriche und geht gemeinsam mit seinem Ehemann 2010 nach London, fängt hier noch einmal ganz von unten an mit seinem Label "GC": "London ist meine Traum-Stadt, hier wollte ich schon immer leben."

Doch gerade beim Design ist die Konkurrenz in London sehr groß. Jährlich gründen hier etwa 3000 junge Designer ihr eigenes Label. Anders als in Deutschland erhalten Nachwuchstalente aber Unterstützung. Der wichtigste Förderer der Modeindustrie in Großbritannien ist der British Fashion Council.

Der gebürtige Leipziger ist fasziniert von der Weltstadt- und Mode-Trend-Stadt. Für einen Neuankömmling ist es zunächst eine andere Umgangssprache, eine andere Mentalität, auch in der Geschäftswelt. "Die ersten beiden Monate waren der Horror", sagt der Designer. Doch bald findet er, wofür er gewechselt hat: gute Arbeitsbedingungen und vor allem Mode. "Die Leute hier sind anders angezogen als etwa in Deutschland. Es ist eine andere Herangehensweise an die Mode."

Die Londoner beherrschen offenbar das Spiel mit Farben, Formen und der eigenen Kreativität exzellent. Das fasziniert Clemens. Getragen werde nicht nur allein High Fashion, sondern es würden hochwertige Designerteile mit Teilen etwa von der Modekette H&M gemixt. Männer seien häufig in Anzügen anzutreffen, Frauen sehr weiblich, mit hochwertigen Accessoires wie Taschen von Louis Vuitton. "Das ist sehr angenehm und hat Stil."

Und bringt ihm das Publikum in Cafés und Pubs auch Inspirationen für die eigene Kollektion? "Ich sitze nicht im Straßencafé und warte, was passiert", meint der Wahl-Londoner. Er sammle täglich Eindrücke, unter anderem bei Besuchen im Victoria and Albert Museum. Die größte Sammlung von Kunstgewerbe und Design der Welt wird jährlich von über zwei Millionen Menschen besucht. Beim Fernsehen werde er inspiriert und vor allem durch Bücher.

Clemens liest von "Doktor Faustus" von Thomas Mann bis "Die Wanderhure". "Ich denke mich total in die Handlung hinein." Diese Eindrücke verarbeitet er in den Kollektionen. Neben der Bekleidung entwirft Clemens auch Schmuck. Das neueste Projekt sind Taschen - "es war der nächste logische Schritt, sie gehören einfach zur Mode". Nun will sich das Label einen internationalen Kundenstamm aufbauen.

Es scheint, als sei Gregor Clemens in London angekommen. Die erste Show im Savoy-Hotel hat ihn bestätigt. Ab und an ist er auch noch in seiner Heimatstadt, besucht Freunde und Familie. Und im September wird er zum Designsymposium einen Vortrag halten. "Die bürokratischen Hürden machen es aber nicht einfach, mit einem Hund in England aus- und wieder einzureisen", erklärt er die wenigen Besuche. Dabei mag er seine Geburtsstadt. "Leipzig hatte schon immer Klasse."


Kollektion Gregor Clemens: Kleider für Tag und Abend sind seine Spezialität. 
Kollektion Gregor Clemens: Kleider für Tag und Abend sind seine Spezialität.

Foto: Marc Huth/GC
 
erschienen am 13.08.2011 ( Von Ramona Nagel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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