30 Jahre hat Lothar Krauß bei der Wismut untertage gearbeitet - die meiste Zeit als Hauer. Er ist Arbeit gewohnt. 30 Jahre hat Lothar Krauß bei der Wismut untertage gearbeitet - die meiste Zeit als Hauer. Er ist Arbeit gewohnt.

Foto: Jens Kraus

Ein Wismut-Kumpel und seine Sport-Awos

Alte Awo 425 S aus dem Jahr 1957 blitzt wieder wie neu

Bockau. Den Tag des Bergmanns 1957 wird Lothar Krauß aus dem erzgebirgischen Bockau nicht vergessen. "Ich hab' so einen Zettel bekommen, dass ich mir ein Motorrad holen könnte. Bezahlen musste ich es selbst, aber es war trotzdem wie ein Fünfer im Lotto. Es gab ja nichts."

Die Maschine, eine Awo 425 S, im Volksmund nur Sport-Awo genannt, "ging ab wie die Post." Mit 250 Kubikzentimeter Hubraum und 14 PS mischte der kernige Suhler Eintopf den Straßenverkehr der 1950er-Jahre auf. Und der Krauß-Loth, wie er nur genannt wird, war immer für einen Spaß zu haben.

"Wir waren acht Kumpels mit Motorrädern. Ich war immer der Schnellste. Wenn wir in Thierfeld auf die Autobahn sind, musste ich in Chemnitz-Süd auf die anderen warten. Junge, Junge, die ,Sport' ist gelaufen", schwärmt der heute 73-Jährige. Einmal fuhr er mit der Awo allein nach Berlin, eine Lederjacke kaufen. "Früh um Vier bin ich in Lauter los, abends Schlag halb neun war ich wieder zu Hause. Dabei bin ich vorher noch nie in Berlin gewesen." Das Motorrad stellte er auf dem Alexanderplatz ab, dann ging es mit der S-Bahn in den Westen. Vor der Rückkehr rieb er seine neue "Ladergack" mit Staub ein, damit sie nicht so auffiel. "Vom Alex heim habe ich genau drei Stunden gebraucht."

Die Liebe führte ihn schließlich von Lauter nach Bockau, wo er sich und seiner Familie mit seiner eigenen Hände Arbeit ein Heim schuf. Rührig wie er war, brachten ihm die Kollegen nach Feierabend bald auch so manches Auto zur Reparatur. So kam er zum Schrauben. Eines Tages stand dann ein eigener Wartburg in der Garage und er beschloss, die Awo in gute Hände zu verkaufen. Ein vorschneller Entschluss. Als er nach der Wende in den Vorruhestand ging, dachte er sehnsüchtig an seine Awo zurück. Die Maschine existiert noch, doch der zweite Besitzer hat sie nach 30 Jahren längst selbst ins Herz geschlossen. Der Krauß-Loth sah sich nach einem Ersatz um und wurde fündig. "Als ich die Maschine sah, ist mir erstmal himmelangst geworden. Die musste komplett neu aufgebaut werden." Wer 36 Jahre bei der Wismut war, davon 30 Jahre untertage gearbeitet hat, die meiste Zeit als Hauer, ist Arbeit gewohnt. "Manchmal hatten wir 42 Grad und 98 Prozent Luftfeuchtigkeit, wenn wir im Überhau den Schnellvortrieb gefahren sind." So etwas prägt. Die "Neue" war ebenfalls Baujahr 1957 und somit identisch mit seiner ersten Maschine. Das gab den Ausschlag. Inzwischen ist die Restaurierung Geschichte. Die Awo läuft und glänzt wieder, dass es eine Freude ist. Und weil Lothar Krauß zwei Enkel hat, wartet in der Garage noch eine zweite Awo auf die Wiederbelebung.

 
erschienen am 17.06.2011 ( Von Jens Kraus )
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