Auto Bernd Meyer schätzt die überschaubare Technik seines Velorex. Das tschechische Dreirad vereint Jawa-Teile mit Škoda-Zubehör, ist aber ein eigenständiges Erzeugnis.

Foto: Jens Kraus

Ein ganz besonderes Dreirad: Der Jawa-Motor läuft auch rückwärts

Überschaubare Technik schließt pfiffige Details nicht aus: Genau das schätzt Bernd Meyer aus Schönbrunn an seinem Velorex - 85 km/h sind damit keine Hürde

Vorn Auto, hinten Motorrad - das Velorex widersetzt sich den gängigen Fahrzeugentwürfen. Es hat Türen, Lenkrad und Sitzbank, Windschutzscheibe und Verdeck wie ein Cabrio aber einen Motor und Fahrwerksteile wie ein Motorrad. Der Motor ist hinten, Tank und Batterie sind vorn. Ein umlaufender Rohrrahmen stabilisiert die Karosserie, die vorn aus Blech und hinten aus Stoff besteht.

Hersteller war die Firma Velorex in Rychnov bei Hradec Kralove in der damaligen Tschechoslowakei. "Ursprünglich war es als Behindertenfahrzeug gedacht. Ein- und Aussteigen erwiesen sich aber als schwierig. Neben Privatleuten nutzten es die ÈSSR-Behörden unter anderem im Forst", erläutert Bernd Meyer. Der 55-jährige Elektroingenieur aus dem Wolkensteiner Ortsteil Schönbrunn hat den kleinen Kurvenschreck vor einigen Jahren gekauft und fährt damit zu Veranstaltungen wie dem Pöhlberglauf und dem Oldtimer-Herbsttreffen auf der Augustusburg.

Die tschechischen Dreiräder sind hierzulande selten. Meyer schätzt die Zahl der in Deutschland existierenden Exemplare auf lediglich 20. Sein Velorex, Baujahr 1967, besitzt einen gebläsegekühlten 350-ccm-Jawa-Zweizylindermotor mit 16 PS bei 4750 U/min. Der Zweitakter beschleunigt das lediglich 310 Kilogramm schwere Dreirad auf die Höchstgeschwindigkeit von immerhin 85 km/h. "Die normale Reisegeschwindigkeit liegt bei 65 km/h. Es soll aber auch Besitzer geben, die damit 135 schaffen", weiß Meyer.

Technischer Glanzpunkt sind vier Rückwärtsgänge. Sie resultieren aus der Dynastartanlage. Für Vorwärtsfahrt startet diese den Motor in Fahrtrichtung, und es stehen die regulären vier Vorwärtsgänge zur Verfügung. Für die Rückwärtsfahrt schaltet man den Motor aus, betätigt den Starthebel in die entgegengesetzte Richtung und der Motor läuft rückwärts. Jetzt hat man vier Rückwärtsgänge. Zündzeitpunkt und Steuerzeiten stimmen zwar nicht mehr, trotzdem geht's, wenn auch nicht mit der vollen Leistung. "Das funktioniert auch bei der Jawa", sagt Bernd Meyer. "Das Velorex ist schon genial gemacht. Die Technik ist einfach, überschaubar und sie funktioniert. Und es neigt auch nicht zum Kippen - bei normaler Fahrweise ..."

 
erschienen am 17.07.2009 ( Von Jens Kraus )
 
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