Enrico Scheibner von einer Stollberger Firma am neuen Firmensitz der Chemnitzer Firma Fasa.
Foto: Andreas Seidel
Firmensitz wird nur von der Sonne beheizt
Die Baufirma Fasa und ihr Ganzjahres-Solar-Geschäftshaus
Chemnitz. Mit ihrem künftigen eigenen Firmensitz hat sich die Chemnitzer Baufirma Fasa um den Sächsischen Innovationspreis 2011 beworben. Denn das Gebäude an der Marianne-Brandt-Straße unweit der Zwickauer Straße ist nach Firmenangaben bundesweit der erste gewerbliche Altbau, der zu einem Ganzjahres-Solar-Geschäftshaus umgebaut wurde. Mitte Mai will die Fasa AG von der Frankenberger Straße in Hilbersdorf in ihr neues Vorzeigeobjekt auf dem Kaßberg umziehen.
Das vor dem Umbau abrissreife Gebäude war 1972 als damals hochmodernes Rechenzentrum des Bau- und Montagekombinats errichtet worden und stand seit fast 20 Jahren leer. Weil es über eine massive Stahlbetondeckenstützen- und eine nahezu frei schwebende Dach-Konstruktion in Form eines Industrie-Stabwerkes verfügt, eignete es sich für die innovativen Pläne der Baufirma.
2009 entwickelte die Fasa ein Konzept für ein Bestandsgebäude, das sich ohne Öl, Gas oder Wärmepumpe selbst mit Wärme und Warmwasser versorgt. Dabei konnte das Unternehmen auf Erfahrungen aus dem Einfamilienhaus-Neubau zurückgreifen. Unter anderem auf dem Schloßberg und am ehemaligen Rittergut in Rabenstein hat die Fasa bereits mehrere Eigenheime errichtet, deren Wärme- und Warmwasserbedarf bis zu 100 Prozent aus Sonnenwärme gedeckt werden.
Auf Grundlage des selbst entwickelten neuen Konzeptes mit dem geschützten Markennamen Energetikhaus-100 baute die Firma das ehemalige Rechenzentrum zum ersten Energetikhaus-100-Office, also Ganzjahres-Solar-Bürogebäude um. Seit Dezember 2009 ist aus dem leer stehenden Rechenzentrum ein modernes, solarthermisch beheiztes Bürogebäude mit rund 1200 Quadratmetern Fläche entstanden, dessen Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser ohne Gas, Öl oder Wärmepumpe zu mehr als 90 Prozent mit solarthermischer Energie gedeckt wird.
Die Sonnenwärme wird von einer 280 Quadratmeter großen Kollektoranlage auf dem Dach aufgefangen, dessen Südseite dafür eine exakt berechnete optimale Neigung von 70 Grad erhalten hat. Dabei sind nach Fasa-Angaben erstmals flächenbündige Dachfenster in eine solche großformatige Solarthermieanlage integriert worden. Bei einer Heizlast von etwa 50 Kilowatt zum Warmhalten des Gebäudes würden auf diese Weise jährlich 312.000 Kilowattstunden Wärme-Zufuhr von außen eingespart und der Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß gehe gegen Null, erklären die Fasa-Experten.
Herzstück der Heizung des Hauses ist ein Langzeit-Solarspeicher mit 110 Kubikmetern Volumen, in dem das von der Sonne erhitzte Wasser auch im Winter lange warm gehalten wird. Zu sparsamem Verbrauch trägt die laut Fasa gute Wärmedämmung mit Dämmstoff aus Seegras bei, für den die Firma das Patent besitzt. Überhaupt seien an den Außen- und Innenwänden ausschließlich ökologische Bau- und Dämmstoffe verwendet worden, sodass sich das Haus durch einen sehr niedrigen Aufwand an so genannter graue Energie im Herstellungsprozess auszeichne.
Zum von der Fasa entwickelten Konzept der Solararchitektur gehört neben der Ausrichtung des Gebäudes nach Süden und dem Winkel der dominanten Solarfläche auch, dass der Solarspeicher als energetisches Herz im Empfangsbereich und den Besprechungsräumen des Gebäudes erlebbar werden soll. Baustoffe und Konstruktionselemente wie Stahl- und Sichtbeton, Kreuzlagen-Holz und das Raumfachwerk bleiben im Innern des Objektes sichtbar und sollen an die ehemalige industrielle Nutzung erinnern. Den neuen Firmensitz will die Fasa zum Sammeln von Erfahrungen für die Weiterentwicklung des Energetikhaus-Prinzips, zu Marketingzwecken sowie als Kommunikationsplattform nach außen nutzen.
Die Fasa wurde 1990 gegründet. Die Firma ist im Hoch-, Tief- und Ingenieurbau aktiv und beschäftigt gegenwärtig nach eigenen Angaben etwa 60 Mitarbeiter. Nach der Rezession in der Bauwirtschaft zum Jahrtausendwechsel wurde das Unternehmen neu strukturiert und mit einer klaren Ausrichtung versehen. Heute stehen der Ingenieurbau und das so genannte solare Bauen im Mittelpunkt der Aktivitäten.