Einer von 113 Mitarbeitern bei der Fit GmbH: Timo Schindler bei der Abfüllung von WC-Fit.
Foto: Wolfgang Schmidt
Huckepack in die Ladenregale
Traditionsmarke Fit hat bundesweit Marktanteil von zehn Prozent
Hirschfelde. Fitikus ist ein grünes Tröpfchen, das lustig auf der Internetseite der Fit GmbH in Hirschfelde umherhüpft. Auch der Boss des Maskottchens, Wolfgang Groß, hat gut lachen. Der Geschäftsführer hat Fit nicht nur fit gemacht für die Marktwirtschaft. Dem promovierten Chemiker aus Baden, dem seit 1993 der Betrieb unweit Zittau gehört, ist es auch gelungen, der Traditionsmarke eine glänzende Karriere zu verschaffen. Zwischen Ostsee und Erzgebirge ist das Geschirrspülmittel derzeit mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent unangefochtener Marktführer.
Groß schrieb eine Aufschwunggeschichte: Schließlich sah es Anfang der 1990er Jahre nicht besonders gut aus für die Zukunft. Zwar hatte Fit Jahrzehnte lang in keinem DDR-Haushalt gefehlt und mit seiner Hilfe wurden nicht nur Töpfe, Teller oder Scheiben blitzblank, sondern auch Autos poliert und Pflanzen gereinigt. 1991 hatten sich jedoch die Ostdeutschen in die Konkurrenzprodukte aus dem Westen verliebt. Das 1954 von Chemikern des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt erfundene Fit - zuerst gab es das Reinigungsmittel als Pulver - schäumte nur noch selten. Der Fit-Absatz fiel ins Bodenlose. Wurden 1989 noch 55.000 Tonnen pro Jahr bilanziert, so waren es 1991 nur noch 9000 Tonnen.
In dieser Zeit entschloss sich Groß, der lange als Entwickler in großen Chemiebetrieben tätig war, selbst etwas zu unternehmen. Er ging im Osten auf die Suche nach einer passenden Firma, suchte in Treuhandlisten nach kaufbaren Betrieben. Dass er dabei auf das Fit-Werk in Hirschfelde stieß, bezeichnet er als Zufall, denn Fit gehörte seinerzeit zum Chemieriesen Leuna. An den ersten Besuch in Hirschfelde am Karfreitag 1992 erinnert er sich genau. "Ich war sofort begeistert von der schönen Fabrik", sagt er und schwärmt von der intelligent aufgebauten Produktion. 1993 kaufte er den Betrieb von der Treuhand: "Das schwierigste war, das Geld zu beschaffen." Starthilfe kam von der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen mbH, für die Fit das erste Projekt überhaupt war.
Unter Groß' Regie wurde das Marken-Image wieder aufpoliert. "Wir wurden von einer ostdeutschen Sympathiewelle getragen", berichtet er über Kundenbriefe, die nicht selten mit der Aufforderung "Weiter so!" endeten. Mitte der 1990er Jahre gelang der Durchbruch. "Im Osten wurden immer mehr Geschirrspülmaschinen angeschafft und wir haben eine Anlage für die Tabs-Fertigung gekauft", berichtet er. Die Fit-Tablette für den Spülautomaten habe einen "Umsatzsprung" beschert. Aufgepeppt wurden zudem die Verpackungen. Die angestammt-handliche Fit-Flasche, die dem Roten Turm in Chemnitz nachempfunden ist, wurde nicht nur farbiger, sondern erhielt auch einen modernen Verschluss. Das Abschnippeln der oberen Ecke entfiel. Zudem wurde das Sortiment erweitert. 40 Produkte - vom Spülmittel über Automaten-Tabs bis zum Haushaltsreiniger - sind jetzt unter dem Markennamen zu bekommen.
Seit 15 Jahren greifen auch zunehmend Westdeutsche zu der Ostmarke. "Geholfen auf dem Weg in die alten Länder hat uns der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl mit seiner Aktion ,Ostprodukte in Westregale'", so Groß. Seit 2000 öffnen zudem Westmarken die Supermarkttüren zwischen Nordsee und Alpen. Fit hatte vor acht Jahren Rei, Rei in der Tube und Sanso erworben und sich deren Beliebtheit zunutze gemacht. Fit reist inzwischen quasi huckepack mit dem Trio in die westdeutschen Ladenregale. Groß: "Wir haben so den gesamtdeutschen Marktanteil von Fit auf zehn Prozent gesteigert und es geht weiter nach oben."
"Und unsere Kapazitäten sind noch lange nicht erschöpft", sagt er. Erst im Vorjahr leisteten sich die Hirschfelder neue Produktsautomaten. Die Investitionssumme stieg um 16 Millionen Euro auf 60 Millionen Euro. 113 Mitarbeiter stehen auf der Lohn- und Gehaltsliste der GmbH, die zuletzt 33 Millionen Euro umsetzte. Groß: "Binnen der nächsten fünf Jahren wollen wir den Umsatz verdoppeln". Einen starken Schub erhofft sich Groß unter anderem von neuen, umweltfreundlichen Produkten.