Audi A8L Lang, länger - Audi A8L. Er misst 5,27 Meter.

Foto: Audi

Im Boom des Luxus-Marktes ist genügend Platz für zwei Flaggschiffe

Audi kommt mit der Langversion des neuen A8 zur rechten Zeit - Der aufgefrischte Phaeton findet vor allem in China reißenden Absatz - Gegen Aufpreis können viele Extras geordert werden

Chemnitz. Nun stehen sie am Start, zwei Flaggschiffe aus einem Haus. Brandneu das eine, aufgefrischt das andere. Längst verstummt ist die Kritik an schädlichem internen Wettbewerb, an überflüssigem Luxus. Mit der gleichen Beharrlichkeit, mit der VW-Patriarch Ferdinand Piëch den A8 zum Erfolgsmodell für Audi geführt hatte, setzte er den Phaeton als Leitstern für Volkswagen durch.

Der Boom-Markt China diktiert derzeit das Autogeschäft. Was groß und teuer ist, findet reißenden Absatz. So auch der Audi A8 und demnächst dessen Topmodell "A8L". Stolze 5,27 Meter misst die Langversion - ein Zuwachs von 13 Zentimetern, für den eine anspruchsvolle Kundschaft, vor allem in China, den USA, Russland oder den Golf-Staaten die Gegenleistung in deutlich gewachsener Beinfreiheit im Fond finden wird. Der Clou: Auf Wunsch lässt sich der rechte Sitz per Knopfdruck in eine ebene Schlaffläche verwandeln. Feinster Business-Komfort, der allerdings 11.020 Euro extra kostet.

Audi hat für den gestreckten A8 aufwändige Neukonstruktionen betrieben: Bodengruppe, hintere Türen, Seitenwände und eine höhere Dachlinie unterscheiden sich von der Normalversion. Doch auch beim "L" sind der Fantasie bei der Aufwertung allenfalls Budget-Grenzen gesetzt. Von den fünf Motoren ist der W12 mit 6,3Liter Hubraum und 500 PS/ 368kW der anspruchsvollste. In puncto Fahrer-Assistenz-Systemen steht der A8 an der Spitze des Fortschritts, von der Zahlen- und Zifferneingabe über ein berührungsempfindliches Feld (MMI-Touch), die Kamera-Erkennung von Tempolimits bis zum Internet-Zugang, der die Google-Earth-Nutzung einschließt.

VW Phaeton Zehn Zentimeter kürzer: Der VW Phaeton.

Foto: VW

Von 79.900 bis 137.000 Euro reicht die Preisspanne für den A8L. Kühl kalkulierende Luxus-Liebhaber mögen daher ein Auge auf den Phaeton werfen, der in der Langversion (5,17 Meter) mit dem hierzulande gefragtesten Motor, dem 240 PS starken V6TDI, mit 74.200 Euro zu Buche steht. Spätestens mit der aufwändig inszenierten Frischzellenkur hat Volkswagen Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Vorstoßes in die Premium-Klasse ausgeräumt. Bis 2013, wenn der Nachfolger des Phaeton erwartet wird, soll das aktuelle Modell seinen Kundenstamm ausbauen.

Wie beim Golf soll auch beim Dresdner Edel-Volkswagen Kontinuität das Erfolgsmotto sein. Die Frontpartie trägt nun das VW-Markengesicht, das Heck erhielt neue Rückleuchten in LED-Design, die Flanken zeichnen sich durch schärfere Konturen aus. Unterm Strich wirkt der Auftritt dynamischer, ohne jedoch "Aha-Effekte" auszulösen. Phaeton-Käufer wissen eher die Laufruhe, die Vorteile der serienmäßigen Luftfederung, die gediegene Verarbeitung und die zugluftfreie Klima-Automatik zu schätzen. Auch der Phaeton verwöhnt seinen Fahrer mit einer ganzen Palette nützlicher und verzichtbarer technischer Hilfsmittel. Zu den sinnvollsten zählt das blendfreie "dynamische" Fernlicht, das für 550 Euro Aufpreis einen wertvollen Sicherheitsgewinn bietet.

Rund die Hälfte der Phaeton-Produktion wird dieses Jahr übrigens nach China verkauft - obwohl die Luxussteuer das Auto nahezu doppelt so teuer macht wie hierzulande.

 
erschienen am 27.08.2010 ( Von Hubert Kemper )
 
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