Karl Röhners Elite-Diamant-Leichtkraftrad kündet von der einstigen Vielfalt im sächsischen Zweiradbau.

Foto: Jens Kraus

Leichtes Erbe schon seit siebzig Jahren im Familienbesitz

Auf sein Elite-Diamant-Rad lässt Karl Röhner aus Oelsnitz im Erzgebirge nichts kommen - 1955 hat er darauf die Fahrerlaubnis absolviert

Chemnitz. Das Rädchen wirkt klein und unscheinbar: ein Sachs-Motor mit 98 Kubikzentimetern Hubraum liefert 2,25 PS (2 kW). Ein Leichtkraftrad eben, leicht zu übersehen. Es gab viele dieser Art. Erst der Schriftzug am Tank macht stutzig: Elite-Diamant.

1918 hatte der Brand-Erbisdorfer Automobilhersteller Elite den Chemnitzer Zweiradhersteller Diamant übernommen. Diamant-Fahrräder und - nach mehrjähriger Unterbrechung - ab dem Jahr 1926 auch wieder Motorräder erfreuten sich eines guten Rufs. Die Motorradkonstruktion der 350er und 500er mit Kühne-Einbaumotoren oblag Franz Gnädig. Dieser hatte bereits in Suhl die erste deutsche Maschine mit Kardan-Antrieb gebaut und war ein Garant für Qualität.

Doch mit der Weltwirtschaftskrise verschwand Elite in Brand-Erbisdorf als Fahrzeughersteller. Die Chemnitzer Elite-Diamant AG in Siegmar-Schönau konnte sich dagegen mit Fahrrädern und Leichtkrafträdern wieder etablieren. Die Fliegengewichte mit lediglich 75 oder 98 Kubikzentimetern Hubraum bildeten eine Art Vorläufer der späteren Mopeds.

Dennoch: Ein Elite-Diamant-Rad besaß und besitzt nicht jeder. Bei dem 1939 gebauten Fahrzeug von Karl Röhner aus Oelsnitz im Erzgebirge kommt hinzu, dass es sich von Beginn an im Familienbesitz befindet. "Mein Schwiegervater hat es seinerzeit gekauft, dann ist mein Schwager damit gefahren", sagt der 76-Jährige. Vertraut mit dem kleinen Flitzer ist Karl Röhner seit eh und je. 1955 absolvierte er darauf die Fahrerlaubnis.

Ursprünglich galt sein Interesse schwererer Technik. Als Traktorist erlernte er den Umgang mit Ackerschleppern, später nahm er hinter dem Lenkrad eines Kras-Tiefladers Platz. Mehr als zwei Jahrzehnte lang belieferte er mit dem russischen Schwerlaster die Baustellen der Region mit Fertigbauteilen aus dem Plattenwerk Oelsnitz. Erst im Vorruhestand fand er die Muße, sich wieder auf das Leichtkraftrad zu besinnen. "Es war inzwischen zerlegt worden. Vor einigen Jahren habe ich mich drübergemacht und es wieder zusammengebaut. Es ist nun ein richtiger Oldtimer." Damit zu fahren, erfordert Fingerspitzengefühl wegen der Handschaltung und wegen der großen Räder. Aber wenn man das wie Karl Röhner gelernt hat, ist es ein unbeschwerter Freizeitspaß, mit dem kleinen Flitzer unterwegs zu sein.

Von Jens Kraus

 
erschienen am 01.01.2010
 
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