Für Martina Rellin brachen Männer ihr Schweigen.
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Männer sind einfach entspannter als Frauen
Für Martina Rellins neues Buch ließen "Göttergatten" tief in ihre Seele blicken
Leipzig. Rund 2100 Aussteller präsentieren vom 18. bis 21. März auf der Leipziger Buchmesse ihre Neuerscheinungen. Eine davon ist "Göttergatten" von Martina Rellin. 2008 ließ die Autorin 16 Frauen "Die Wahrheit über meine Ehe" erzählen. Und es ist nur gerecht, dass jetzt die Männer dran sind. Martina Rellin fragte diese nun für ihr neues Buch, was ihnen lieb und teuer ist im Zusammenleben mit ihrer Ehefrau oder auch, was sie auf die Palme bringt. Mit der Bestsellerautorin ("Klar bin ich eine Ost-Frau!"), die von 1994 bis 2001 Chefredakteurin der Zeitschrift "Das Magazin" war, sprach Uta Trinks.
Freie Presse: Hatten Sie von Anfang an die Idee, zum Thema Ehe Frauen und Männer zu befragen, oder ist das neue Buch das Ergebnis der Reaktionen auf den Frauen-Band?
Martina Rellin: Als das Buch mit den Frauen-Berichten gerade erschienen war, forderten insbesondere die Leserinnen: Jetzt sollen auch die Männer. Ich dachte: Was sollen die erzählen? Haben Männer denn geheime Wahrheiten, die sie verschweigen? Wohl kaum, die reden doch gar nicht. Dann reagierten Männer aber merkwürdig auf das Frauenbuch, so mit: "Also bei uns ist alles in Ordnung." Diesen Bären darf man mir natürlich nicht ungestraft aufbinden, da wurde ich neugierig, da hab ich das Männer-Buch in Angriff genommen...
Freie Presse: In dem Frauen-Buch "Die Wahrheit über meine Ehe" wurde vor allem beklagt, dass es in der Zweisamkeit zu wenig Kommunikation gäbe. Womit das alte Vorurteil von der Schweigsamkeit der Männer bestätigt schien. Wie aber ist es Ihnen gelungen, dass Ihre Gesprächspartner sich so freimütig in die Seele blicken ließen?
Rellin: Ehrlich gesagt, ist das ganz einfach: Ich bin mit den Männern, die so offen mit mir gesprochen haben, nicht verheiratet. Sie mussten nicht fürchten, dass das Gespräch mit mir so abläuft wie mit der eigenen Frau: Schwuppdiwupp ist man wieder drin im normalen Ablauf, sie redet ohne Unterlass, er fährt die Wand hoch und lässt abperlen... Ich habe einfach zugehört und nicht mit Vorwürfen reagiert. Das ist wirklich kein Kunststück - wenn's nicht der eigene Mann ist.
Freie Presse: Was ist den Männern am Wichtigsten in ihrer Beziehung, und was sind die häufigsten Gründe, dass sie diese in Frage stellen?
Rellin: Die meisten Ehemänner schätzen und achten ihre Frau auch nach vielen Ehejahren noch, selbst und gerade, wenn sie das nicht zeigen können. Männer finden ihre Frauen auch durch die Bank noch attraktiv. Was sehr viele Männer nervt: die Forderungen von uns Frauen. Also keine materiellen Forderungen, sondern: Wir Frauen erwarten sehr viel. Unsere Ansprüche an uns selbst sind hoch, wir wollen eine gute Ehefrau, Geliebte, Mutter, Tochter, Freundin, Kollegin, Nachbarin sein... Und unser Mann soll perfekt sein in seiner Rolle als unser Ehemann...
Freie Presse: Gab es in den Gesprächen auch Aussagen, die Sie total verblüfft haben?
Was Männer zu wenig reden, reden Frauen oft zu viel.
Martina Rellin
Rellin: Mich hat generell verblüfft, wie feinfühlig Männer sein können, wie sehr sie auch leiden können. Männer weinen eben lieber heimlich. Und sie haben generell große Angst, bei einer möglichen Trennung könnte ihnen der Kontakt zu den Kindern entzogen werden. Für viele überraschend, weil es so gar nicht dem Klischee entspricht: Männer denken wirklich nicht immer nur an das Eine.
Freie Presse: Sie haben nun mit beiden Seiten gesprochen. Wie ähnlich fanden Sie die weiblichen und männlichen Erwartungen an die Ehe?
Rellin: Ähnlich ist sicherlich, dass beide Partner eine harmonische Partnerschaft erwarten. Aber wie die aussieht, wie man die erreicht, das sehen Männer und Frauen unterschiedlich. Frauen arbeiten an der Beziehung, fordern, bauen Druck auf, Männer lehnen sich zurück und sagen: Lass doch mal fünfe gerade sein, ist doch alles in Ordnung.
Freie Presse: Und wie sah das bei den Gesprächen selbst aus - war die Atmosphäre und Freimütigkeit sehr verschieden?
Rellin: Frauen sind geübt darin, über ihre Gefühle zu sprechen. Männer, gerade die, die wunderbar über ihre Arbeit erzählen können, haben oft geradezu nach Worten gerungen im Gespräch. Aber es war toll zu erleben, wie sozusagen wildfremde Männer Vertrauen fassen, sozusagen mir stellvertretend für all die anderen Frauen mal erzählen wollten, wie das Eheleben aus Männersicht aussieht. Das war schon klasse.
Freie Presse: Wenn Sie die allgemeinen Geschlechterklischees mit Ihren Erfahrungen aus den Gesprächen zusammenbringen, was bleibt da übrig?
Rellin: Soll ich ehrlich sein? Allen Frauen seien außer der Lektüre der Männergeschichten auch mal wiedie Brüder Grimm empfohlen - das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Diese Ilsebill ist ja eine sehr fordernde Person, und ich erinnere mich, dass ich ihre Ansprüche schon als kleines Mädchen überzogen fand, mir tat ihr Mann leid...
Freie Presse: Sicher war für die Offenheit der Auskünfte von Vorteil, dass Sie für die Gesprächspartner eine Fremde waren. Wenn man beide Bücher gelesen hat, möchte man meinen, viele Missverständnisse im Ehe-Alltag müssten wahrscheinlich nicht sein, wenn Frau und Mann untereinander so offen sprechen würden. Warum tun sie das nicht?
Rellin: Es geht schlicht nicht. Sie können noch so viele Ratgeber zum Thema lesen - die Realität sieht anders aus. Wir wissen doch auch alle, wie wir uns gesund ernähren müssten, wie wichtig Sport ist. Und, sind wir nun alle rank und schlank? Nein. Was Männer zu wenig reden, reden Frauen oft zu viel. Wenn wir Frauen gelassener sind, Männern nicht so zusetzen, dann leben wir von jetzt auf gleich wesentlich entspannter. Da kann man sich wirklich als Frau vom Verhalten der Männer ein Scheibchen abschneiden... Männer sind nämlich nicht desinteressiert, was ihnen ja manchmal vorgeworfen wird, nein, Männer sind einfach entspannter als Frauen. Messe-Infos