Mittelschulen im Porträt

Lernen für die Praxis - so charakterisiert das sächsische Kultusministerium das Wesen der Mittelschulen. Wie Lutz Steinert, Pressesprecher der Sächsischen Bildungsagentur Chemnitz, sagt, habe sich diese Schulform in Sachsen sehr gut bewährt. Empfohlen werde dieser Weg Schülern, die eher konkret, handlungsorientiert und weniger theoriebezogen lernen. Aber auch sogenannte Spätzünder, deren Leistungsfähigkeit sich erst später im Leben richtig entfaltet, könnten in der Mittelschule gute Grundlagen für einen Bildungsweg bis hin zum Abitur legen. Zumal die Schulform stets weiter entwickelt werde.

Möglich sind zwei verschiedene Abschlussarten: der Realschulabschluss nach Klasse 10 sowie der Hauptschulabschluss und der qualifizierende Hauptschulabschluss nach Klasse 9. Die Entscheidung darüber fällt in der sechsten Klasse. Ab der siebten Klasse werden die Kinder in den Fächern Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache, Physik und Chemie getrennt unterrichtet. Allerdings sind später - je nach Leistungen - immer Wechsel zwischen den Bildungsgängen möglich.

Neu: Empfehlung in Klasse sechs

Auch aufs Gymnasium kann man später wechseln, theoretisch nach Abschluss jeder Klassenstufe. Zugangsvoraussetzung für Mittelschüler sei ein Notendurchschnitt von 2,0 und besser in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, heißt es von der Bildungsagentur. Dabei dürfe man in keiner der drei Disziplinen auf vier oder noch schlechter stehen, und der Zensurendurchschnitt in allen anderen Fächern müsse besser als 2,5 sein.

Neu ab diesem Schuljahr ist nach Auskunft von Agentur-Sprecher Lutz Steinert eine weitere Bildungsempfehlung für alle Mittelschüler nach der Klassenstufe sechs. Auf
deren Grundlage würden Beratungsgespräche zur weiteren Schullaufbahn, zu Stärken und Schwächen der Schüler und entsprechende Fördermaßnahmen geführt. Für besonders leistungsbereite Schüler gebe es Angebote, die in den höheren Klassen auch in Zusammenarbeit mit Beruflichen Schulzentren gestaltet werden können. Steinert: "Schüler erhalten noch konkretere Vorstellungen über Berufsfelder und berufliche Bildungswege."

Je nach Leistungsniveau kann man sich nach Abschluss der Mittelschule für eine Berufsausbildung oder die Fortsetzung der schulischen Laufbahn entscheiden. Dabei stehen die Fachoberschule zur Erlangung der Fachhochschulreife oder das Berufliche Gymnasium zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife zur Auswahl. Oder man wechselt ans reguläre Gymnasium.

Chancen auch ohne Abschluss

Wer die Mittelschule ohne Abschluss verlassen hat - oder trotz Abschluss keinen Ausbildungsvertrag bekommen hat - kann ein Berufsvorbereitungs- oder ein Berufsgrundbildungsjahr (BVJ oder BGJ) absolvieren. Mit beiden Wegen wird die Berufsschulpflicht erfüllt, erfolgreichen Absolventen wird der Hauptschulabschluss zuerkannt.

Im BVJ werden Jugendliche in zwei Berufsfelder eingeführt. Dabei sollen sie Stärken und Interessen kennen lernen, um bei der Berufswahl unterstützt und zur Aufnahme einer Ausbildung motiviert zu werden. Das BGJ bietet eine berufliche Grundbildung für mehrere verwandte Berufe. Danach kann man ins Berufsleben einsteigen oder eine duale Ausbildung beginnen.
Diese Übersicht finden Sie auch im Internet unter www.freiepresse.de/schulen.

 

 
erschienen am 08.02.2012
 
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