Bedruckt, gestanzt, zusammengefügt: Produktionsassistent Norbert Richter sorgt für die fernöstliche Ausstattung des Opernballs.
Foto: Andreas Seidel
Opernhaus wird zur Drachenwelt mit Satin und Lampions
Hergestellt werden die Kulissen in den Theater-Werkstätten
Die tragende Idee des Opernballs ist eine Reise nach Fernost. Doch wie stellt man sich Fernost dekorativ vor? Produktionsassistent Norbert Richter von den Werkstätten der Theater hat Ideen zu Papier gebracht, die jetzt von rund 20 Beschäftigten, die mit Stahl, Holz, Stoff und Farbe arbeiten, in die Tat umgesetzt werden.
"Wir waren uns schnell einig, dass wir das Thema nicht zu eng fassen sollten, sondern den fernöstlichen Raum - China, Japan, Korea - kulturell zusammenfassen wollen", sagt der Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Innenarchitektur. Niemand müsse befürchten, den Abend im Lotossitz, der klassischen Sitzhaltung des Yoga, zubringen zu müssen. Das Gesamtkonzept schließe ein, dass alles aufeinander abgestimmt ist: von der Einladung über die Serviette, die Bühnendekoration, die Blumenarrangements bis hin zu Tempeldächern, einem Fischbassin mit lebenden Karpfen und dem 200 Quadratmeter großen Pflaumenholzparkett als Tanzfläche auf der Drehbühne.
Und letztere wird sich beim Tanzen wieder - nach einer zweijährigen Pause - sanft drehen. Zum Opernball begegnen sich das alte und das moderne Asien im Spannungsfeld zwischen klassischen Drachen und modernem Manga-Kult. Mit dem ersten Schritt raus aus dem Auto, rauf auf den roten Teppich, rein in die Oper soll für die Gäste der hohe Anspruch des Abends deutlich werden, denn so hat noch niemand das Haus gesehen.
Seit vier Jahren ist Norbert Richter am Haus. "Der künstlerische Produktionsassistent ist die Schnittstelle zwischen Bühnenbildner und Handwerker", sagt er über seine Arbeit. Das heißt bei normaler Theaterproduktion: "Der Bühnenbildner kommt mit einer Vision, die bei uns in den Werkstätten umgesetzt wird."
Seit ihrem Umzug vor ein paar Jahren von der Straße der Nationen nach Harthau sind die Werkstätten unter einem Dach vereint. Hier entsteht alles, was in Chemnitz auf die Bühne kommt. Hier wurden die Kulissen für "Tosca", die nächste Premiere, gebaut, zuletzt erhielt das Figurentheater seine Bühnenbauten für "Sechse kommen durch die ganze Welt" und das Theater der englischen Stadt Leeds dank einer Kooperation mit den Theatern Chemnitz die Kulissen für "Norma" von Bellini. Im Hintergrund der Produktionshalle warten die schweren Eichenstämme der Märchenoper-Kulisse von "Hänsel und Gretel" nach 20 Jahren Präsenz auf der Bühne auf eine professionelle Reparatur.
Der Opernball bekommt feurige Drachen, eine sechs Meter hohe Pagode und sagenhaft viele schneeweiße Lampions. "Wir haben das Thema Vase völlig neu interpretiert", sagt Norbert Richter. Die Adaption eines japanischen Lampions - zum Opernball mit Blüten, Zweigen, Ranken frisch dekoriert von einem Gartenfachmarkt - soll nicht nur ein Hingucker werden. Zuvor müssen sie in Handarbeit aus Plastik ausgestanzt, bedruckt und zusammengefügt werden: 120 Stück allein für die kleinen Tische in den Foyers.
Was der Gast des Abends nicht sieht: Die Kirschblütenzweige müssen ihre frische Blüte zeigen - was sie nur tun, wenn sie zeitig genug Frost hatten. Und die Karpfen im Fischbassin sollen auch nicht gerade in Winterstarre verharren.