Nach einer Polit-Karriere mit vielen Tiefschlägen erfüllte sich der 52-jährige Olaf Scholz einen Traum. Am Sonntag brachte er die SPD nach zehn Jahren CDU-Regentschaft in der Hansestadt wieder an die Macht.

Foto: Marcus Brandt

PORTRÄT: Olaf Scholz triumphiert bei Wahl in Hamburg

Vom ungeliebten "Scholzomat" zum strahlenden Sieger

Olaf Scholz genoss den grandiosen Erfolg auf seine Art: schmunzelnd ließ er sich eine Weile von seinen Anhängern feiern, um gleich danach wieder mit ernster Miene vor die Fernsehkameras zu treten. Nach einer Polit-Karriere mit vielen Tiefschlägen erfüllte sich der 52-Jährige einen Traum. Am Sonntag brachte er die SPD nach zehn Jahren CDU-Regentschaft in der Hansestadt wieder an die Macht. Sein glänzender SPD-Sieg an der Elbe soll die gesamte Partei wieder aufrichten, die sich noch immer nicht von dem Absturz bei der Bundestagswahl 2009 erholt hat.

Als Ende 2010 die schwarz-grüne Koalition in Hamburg zerbrach, nutzte Scholz die Gunst der Stunde und meldete seine Kandidatur an. Da war er bereits seit gut einem Jahr SPD-Chef in Hamburg und hatte begonnen, Ordnung in den von Streit und Intrigen zerrütteten Landesverband zu bringen. Von Anfang an machte Scholz klar, dass er als Chef im Rathaus auch Repräsentant des einflussreichen Bürgertums sein will. Dass er mit dem parteilosen Frank Horch den langjährigen Handelskammerchef als künftigen Wirtschaftssenator präsentierte, dürfte in der Kaufmanns- und Bürgerschicht gut angekommen sein.

Scholz sieht sich selbst als typischen Hanseaten: ruhig und besonnen, pragmatisch und bodenständig. Geboren wurde er am 14. Juni 1958 in Osnabrück, doch seit Kindertagen wuchs er in Hamburg auf. Dort studierte er und wurde Rechtsanwalt. Mit seiner Frau Britta Ernst, SPD-Fraktionsgeschäftsführerin in der Hamburger Bürgerschaft, lebt er in Hamburg-Altona.

Sein Weg nach oben führte über viele Stationen: Mit 17 Jahren trat er in die Partei ein, war einige Jahre stellvertretender Juso-Vorsitzender und zählte lange zum linken Flügel der SPD. Seit 1998 sitzt Scholz mit einer kurzen Unterbrechung im Bundestag, im Herbst 2009 wurde er als Direktkandidat in seinem Wahlkreis Hamburg-Altona zum vierten Mal gewählt.

Von 2000 bis 2004 führte er bereits einmal die Hamburger SPD. In dieser Zeit war Scholz ein halbes Jahr lang Innensenator der Hansestadt und versuchte sich als harter "Law-and-Order-Mann". Die Niederlage der SPD im Herbst 2001 nach jahrzehntelanger Regierung in Hamburg konnte er aber nicht verhindern.

Alles andere als glatt verlief auch sein Weg in der Bundes-SPD. Als Verkörperung des modernen Sozialdemokraten wurde er Ende 2002 Generalsekretär. Doch schon bald folgten Wahlniederlagen in Serie. Scholz gelang es nicht, die SPD-Klientel für die Reformen der Schröder-Regierung zu gewinnen. Ende 2003 wurde er mit mageren 52,6 Prozent als Generalsekretär bestätigt. Da war er bereits sichtbar angezählt. Als "Scholzomat" wurde er wegen seiner monotonen Sprache verspottet, als hölzerner Redner ohne Gefühl für die Sorgen der Basis. Sein Rücktritt als Generalsekretär 2004 markierte den Tiefpunkt seiner Karriere.

Doch Scholz startete ein leises Comeback. 2005 wurde er SPD-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Ende 2007 gelang ihm der Sprung ins Bundeskabinett: Als Franz Müntefering auf sein Regierungsamt verzichtete, übernahm Scholz mit dem Arbeitsministerium ein Schlüsselressort der großen Koalition. Unauffällig, aber erfolgreich engagierte sich der Fachanwalt für Arbeitsrecht für den Mindestlohn und andere arbeits- und sozialpolitische Gesetze. Im November 2009 rückte er als SPD-Vize in die enge Führungsriege um den neuen Parteichef Sigmar Gabriel auf.

Jetzt gelang dem Comeback-Spezialisten sein bislang größter Coup. Mit dem Amt des Ersten Bürgermeisters in Hamburg krönt Scholz seine wechselvolle Karriere - vorerst zumindest, bis er vielleicht zu noch Höherem aufbricht. Denn das Wahlergebnis war noch nicht einmal fünf Minuten alt, als schon die ersten Fragen nach einer möglichen Kanzlerkandidatur gestellt wurden.

 
erschienen am 20.02.2011
 
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