Ausnahmezustand in Penig. Viele Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Foto: Schwarze

Rochlitz: Katastrophenalarm im Muldental

Einsatzkräfte im Stress - Knappe: Vergleiche mit 1954

Rochlitz/Mittweida. Seit dem 12. August, 20.18 Uhr herrscht auch im Kreis Mittweida Katastrophenalarm. Nicht nur die Mulde ist wegen der Regenfälle und aus dem Gebirge heranstürzenden Fluten außer Rand und Band, auch bislang dahinplätschernde Bäche. Rettungskräfte mussten Bürger zum Teil mit Hubschraubern und Rettungsbooten aus den umfluteten Gebieten holen. Besonders schlimm wüteten die Wassermassen in Penig, Rochlitz und Lunzenau, aber auch in Wechselburg, Frankenberg, Hainichen, Böhrigen und Ottendorf.

Wie Landrat Andreas Schramm (CDU) am 13. August früh - in Jeans und hochgekrempelten Ärmeln - mitteilte, gab es bereits am Montagmittag erste Lagebesprechungen. "Doch da war von der Sprengkraft der später eintretenden Ereignisse noch nichts zu ahnen", sagte er. Bis zum Abend hatten sich jedoch die schlimmen Meldungen derart verdichtet, dass der Katastrophenalarm ausgelöst werden musste.

Doch davon bekamen zunächst die Bewohner des Gebietes Zaßnitz/ Fischheim sowie des Rochlitzer Brückenplatzes nichts mit: Stromausfall. Dem Sprecher der Energieversorgung zufolge soll dieser Zustand spätestens am 14. August behoben sein. Während noch Mutige am Montagabend versuchten, mit dem Auto in die Rochlitzer Innenstadt zu kommen, wurde die Muldenbrücke gegen 23 Uhr endgültig dicht gemacht - ratlose Fahrzeugführer. Sie quetschten bis in den Vormittag des 13. August hinein die dortigen Beamten nach günstigen Verbindungen auf die andere Seite des Flusses aus. Wer unbedingt auf Arbeit wollte, musste einen Umweg von 50 Kilometern über Claußnitz und Burgständt in Kauf nehmen.

Unterdessen hat das Straßenbauamt auf Bitte der Stadtverwaltung eine Prüfung der Muldenbrücke in Auftrag gegeben, betonte Oberbürgermeister Joachim Knappe (FDP). Er hält eine Freigabe des Bauwerkes erst dann für richtig, wenn sich der bauliche Zustand als sicher erweist. In seinem Bereich haben bis zum Abend des 13. August rund 60 Feuerwehrleute mehr als 70 Personen evakuiert. Seinen Darstellungen zufolge hätten nicht wenige Rochlitzer das jetzige Hochwasser mit dem von 1954 verglichen. Schon deshalb rechnet Knappe mit hohen Sachschäden an den öffentlichen Einrichtungen.

Auch in Penig zeigte sich ein Bild des Schreckens: 35 Personen wurden evakuiert, die in der Turnhalle, im Haus "Hoffnung" und bei Verwandten vorläufig eine Bleibe fanden. Damit die neue Muldenbrücke nicht Opfer von Beschädigungen wird, montierten Handwerker noch vor dem Anmarsch der gewaltigen Fluten das Geländer ab. "Dadurch kann größerer Unrat besser die Brücke ungehindert passieren", erklärte Ordnungsamtsleiter Gert Benndorf. Dafür sei die Hängebrücke in Zinnberg/Thierbach offenbar auseinandergebrochen.

In der Gemeinde Wechselburg ist die Auflistung der Schäden ebenso noch nicht abgeschlossen. Dort waren rund 50 Kameraden und Helfer im Einsatz, sechs Personen wurden "umgesiedelt". Außerdem verbauten die Einsatzkräfte im Gemeindegebiet 500 Sandsäcke, so Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU).

Auch in Lunzenau wurde die Alarmstufe 4 ausgerufen. Halbstündlich erfolgten das Messen der Pegelstände und Brückenkontrolle. 2000 Sandsäcke standen zur Sicherung bestimmter Objekte (Apotheke, Papierfabrik) zur Verfügung. 70 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren waren rund um die im Einsatz. Das Vereinshaus in Göritzhain sowie die Turnhalle in der Altenburger Straßen standen als Quartiere für eine eventuelle Evakuierung bereit. "Gott sei Dank, das machte sich nicht erforderlich", so Janett Lindner, Mitarbeiterin im Ordnungsamt. Leichtes Aufatmen am späten Nachmittag: Wasserstand leicht fallend.

Diese Nachricht nahm ebenfalls der Seelitzer Bürgermeister Horst Bemmann (ptl.) wohlwollend auf, denn die Ortsteile Sörnzig und Fischheim waren vom Hochwasser besonders betroffen. Alle Ortswehren waren im Einsatz. In Döhlen begannen bereits am 13. August Kameraden und ABM-Kräften mit den Aufräumungsarbeiten. (JWA/CH/ALU)

 
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