Konstruktionsleiter Lutz Josefcak hält eine Platine für ein Karosserieteil über dem Ausroller.
Foto: Andreas Seidel
Schnelle Rollen fürs Auto-Blechkleid
Firma Anchor Lamina mit ihrem neuartigen Platinenausroller für Karosserieteil-Pressen.
Platinenausroller mit Servoantrieb heißt die Neuentwicklung, mit der sich die Chemnitzer Firma Anchor Lamina um den diesjährigen Innovationspreis bewirbt, den das Sächsische Wirtschaftsministerium vergibt. Platinenausroller? "Platinen nennt man die noch zweidimensionalen Grundformen von Karosserieteilen, die von Pressen aus Blechrollen, so genannten Coils, ausgestanzt werden. Das ist so ähnlich wie das Ausstanzen von Plätzchen auf dem Kuchenblech", erklärt Anchor-Lamina-Geschäftsführer Wolfgang Neubert dem Laien. Aus den Platinen werden später in weiteren Arbeitsschritten Tür- oder Dachholme, Schweller oder Kotflügel für Autos.
Aber wozu Platinenausroller? "Die haben nichts mit dem Ausrollen von Plätzchenteig zu tun, sondern dienen dazu, die ausgestanzten Platinen aus der Presse auf ein Förderband zu befördern, das sie zum Stapelplatz abtransportiert", erläutert Lutz Josefcak, Konstruktionsleiter bei Anchor Lamina. Solche Platinenausroller sind schon lange Bestandteil großer Platinenschneidwerkzeuge, die mit bis zu 800 Tonnen Druck Formteile aus 0,7 bis 2,5 Millimeter dicken Blechen herausschneiden.
Bisher drehen sich die Ausroller, angetrieben von kleinen so genannten Druckluftmotoren, permanent. Die Platinen werden von ihnen mittels magnetischer Walzen aufs Förderband gerollt, an dessen Ende sie herabfallen und mit Hilfe von Führungen exakt auf einem Stapel ausgerichtet werden.
Doch die Autohersteller möchten, um Kosten zu sparen, gern aus dem immer teureren Blech möglichst viele Karosserieteile formen. "Auf dem Kuchenblech würden kaum noch Teigreste übrig bleiben", vergleicht Neubert erneut. Hinzu kommt, dass sich die Werkzeuge der Pressen bei dünnerem Blech anstatt 20 Mal pro Minute neuerdings mit einer Hubzahl von bis zu 50 auf und nieder bewegen können. Das heißt: Aus der Presse kommen in gleicher Zeit wesentlich mehr Platinen und herkömmliche Platinenausroller stoßen an ihre Grenzen, weil sie für das Tempo der Pressen zu langsam rotieren, erklärt Josefcak.
Die Anchor-Lamina-Konstrukteure haben deshalb einen Platinenausroller entwickelt, der über eine Welle von einem Servo-Schrittmotor angetrieben wird. Mit jedem Schritt des Motors wird eine Platine - schneller als bisher - aufs Förderband befördert. Das bewegt sich ebenso wie der Motor Schritt für Schritt. Und wenn das Ende des Förderbandes erreicht ist, fällt die Platine ohne Extra-Führungen exakt auf den Stapel. Das spart den Karosseriebauern und damit den Autoherstellern Zeit und damit Geld, nennt der Geschäftsführer den Sinn der Entwicklung.
Anchor Lamina mit Standorten in Grüna und Siegmar ist seit 1994 ein Unternehmen der kanadischen Anchor-Danly-Gruppe. Der Chemnitzer Betrieb wurde 1991 gegründet und beschäftigt heute nach eigenen Angaben mehr als 100 Mitarbeiter. Anchor Lamina ist ein Dienstleister im Bereich des Werkzeug- und Formenbaus, des Maschinenbaus sowie der Automobilindustrie.