Foto: dapd
Schwaches starkes Geschlecht
Vorsorgeuntersuchungen werden von vielen Männern nicht wahrgenommen - Ärzte raten zum Check-up ab 35
Köln (dapd). Das "starke Geschlecht" tut sich mit der Gesundheitsvorsorge schwer: Viele Männer gehen erst zum Arzt, wenn ihnen "etwas fehlt" und ignorieren die Angebote von Ärzten und Krankenkassen, solange sie weitgehend symptomfrei leben. Statistiken belegen, dass nur etwa 20 Prozent der Männer die Gesundheitsvorsorge in Anspruch nehmen. Im Vergleich dazu gehen rund 70 Prozent der Frauen regelmäßig zum medizinischen Check-up. Doch bei vielen Krankheiten gilt die Devise: Je früher die Diagnose, desto größer die Heilungschancen. Und: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für viele Erkrankungen, eine zielgerichtete Gesundheitsvorsorge wird immer wichtiger. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, entsprechend zu behandeln oder wenigstens zu beobachten.
"Generell sollte man ab dem Alter von 35 Jahren zur Vorsorgeuntersuchung gehen", erklärt Katrin Kallenberg, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Köln. "Es kommt aber auch darauf an, ob jemand durch andere Krankheiten vorbelastet ist - dann sollte man eventuell schon viel früher nachhaken." Dabei geht es vor allem um Herz-Kreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen wie Diabetes. Immer größer wird auch das Problem Übergewicht. Katrin Kallenberg erläutert: "Mehr als 50 Prozent der deutschen Männer sind übergewichtig. Vor allem in Verbindung mit Rauchen führt das zu einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt und auch für Nierenprobleme und Durchblutungsstörungen."
Der Kölner Facharzt für Innere Medizin Nikolaus Adler rät sogar dazu, sich schon ab 30 Jahren regelmäßig vom Arzt untersuchen zu lassen: "Ich erlebe immer wieder, dass sich ein Patient gesund fühlt, und nach eingehender Untersuchung stellt sich dann heraus, dass beispielsweise der Blutdruck erhöht oder die Blutzuckerregulation gestört ist."
Bei Männern steht die Früherkennung von Krebserkrankungen im Fokus einer umfassenden Gesundheitsvorsorge. "Ab einem Alter von 45 Jahren wird Männern eine regelmäßige Krebsvorsorge empfohlen", sagt Allgemeinmedizinerin Kallenberg. Im Vordergrund steht dabei die Prostatauntersuchung. Jährlich erkranken rund 65.000 Männer in Deutschland an einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse und etwa 12.100 sterben daran. Auch andere Krebsarten treten mit zunehmendem Alter verstärkt auf. Das Erkennen der Krankheit in einem sehr frühen, oft noch harmlosen Stadium kann gerade bei Krebsleiden das Leben retten. Nicht immer ist der Gang zum Spezialisten nötig. "Für die normale Gesundheitsvorsorge ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner", betont Kallenberg.
Ein überzeugendes Beispiel dafür, was erfolgreiche Gesundheitsvorsorge zu leisten vermag, ist die Behandlung von Darmkrebs. "Ab dem Alter von 50 Jahren sollte alle zehn Jahre eine Darmspiegelung durchgeführt werden", empfiehlt Internist Adler. "Bei Menschen mit familiär erhöhtem Darmkrebsrisiko sollte die Vorsorge noch sehr viel früher einsetzen. Fast alle bösartigen Tumore im Darm gehen aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Polypen, hervor. Durch das rechtzeitige Erkennen und Entfernen solcher Polypen bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) kann verhindert werden, dass ein Karzinom entsteht. Diese Vorsorgeuntersuchung ist meist schmerzfrei und wird ambulant durchgeführt. Die Kosten werden von jeder Krankenkasse übernommen.
Nicht zuletzt sollten im fortgeschrittenen Alter Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus oder Keuchhusten regelmäßig aufgefrischt werden. Spätestens ab dem 60. Lebensjahr ist auch eine Impfung gegen Grippe sinnvoll. Denn mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nach und eine Infektion mit dem Influenza-Virus nimmt häufiger einen schweren Verlauf mit zum Teil lebensgefährlichen Folgen.
Doch die Resonanz auf die allgemeinmedizinischen Check-ups ist eher mäßig. Noch immer nehmen viel weniger Männer als Frauen die Angebote der Ärzte und Krankenkassen wahr. Adler sieht dabei nicht nur die Patienten in der Verantwortung: "Die Ärzte müssen ihre Patienten dazu motivieren, sich regelmäßig untersuchen zu lassen."
dapd