Das Jahnsdorfer Bad - ein Binnensee.Foto: Andreas Tannert
Stollberg: Wasserfluten und kein Ende
Würschnitz und Zwönitz verwandeln sich in reißende Sturzbäche
Stollberg. Nein, der bittere Kelch ist nicht an den Menschen vorbeigegangen, die entlang der Würschnitz und der Zwönitz wohnen. Das hundertfache Plätschern im Keller, im Wohn- und Schlafzimmer, in der Garage erwies sich nicht als geträumtes Wasserspiel, sondern als Hochwasserflut. "Wie 1954", so erinnerten sich besonders die älteren Bewohner, die zum Niederwürschnitzer Fußweg am Feuerwehrgerätehaus gekommen waren, um sich selbst zu überzeugen, ob das Wasser auf der Lichtensteiner Straße abgezogen ist, und wie lange umgestürzte Weidenbäume den Wassermassen standhalten. Auf der Chemnitzer Straße hatte sich zudem ein mächtiges Stammteil an der Fußgängerbrücke verhakt, die nun nicht mehr zu betreten ist. Die Gärten dahinter gleichen einer Schlammwüste, wie auch das Brünloser Bad etliche Kilometer entfernt.
Die Neuwürschnitzer, die vor und hinter ihren Häusern Kerzenlicht in einem See sahen, mussten das Auspumpen und Ausräumen der Zimmer und Eigenheime größtenteils ohne Strom verrichten. Pumpen anzuwerfen war nur von Erfolg beschieden, wenn ein Notstromaggregat zur Stelle war. Doch über solche Gerätschaften verfügen meist nur die Feuerwehren oder der Hilfsdienst. Und diese waren seit 11. August schon pausenlos im Einsatz, aber eben nicht an allen Land-unter-Stellen. Die Flutwelle bahnte sich, ein Meer der Verwüstung hinterlassend, ihren Weg, Wiesen und Felder und eben die Anwesen bis nach Jahnsdorf unter Wasser setzend. Das Bad in Jahnsdorf "gleicht ja dem Balaton", so beschrieben Schaulustige das sich ihnen zeigende Bild von schäumenden und gichtenden, braun gefärbten Urmassen.
Nicht anders das Naturszenario in Zwönitz und seinen Ortsteilen, Thalheim und Burkhardtsdorf oder Gornsdorf. Die dortigen kommunalen Räte versuchten gemeinsam mit den Wehren und vor allem vielen Helfern, das Gröbste rasch zu beseituigeen, am Telefon Fragen nach Wiederinbetriebnahme des Stromes oder nach Versicherungen zu beantworten. In Thalheim rund um das Rathaus wurde im Holzhandel Löser nicht weggeschwemmtes Holz eingesammelt.
In Zwönitz war der Hammerteich-Damm gebrochen, das Sägewerk unter Wasser setzend. Und überall sprudelte die Zwönitz unaufhörlich dahin, die Ahnung vertiefend, dass in Burkhardtsdorf das Ausmaß der Katastrophe eher zunimmt. Und genau das traf ein. Ab Canzlerstraße ging in Richtuung B 95 nichts mehr. Nur Mutige bahnten sich einen Weg durch das Wasser, immer nach einem festen Halt suchend.
Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Hochwasserlage im Landkreis war am 13. August, 1.57 Uhr Katastrophenalarm ausgelöst worden. Der Katastrophenschutzstab unter Federführung des Landrates Udo Hertwich setzt sich aus Mitarbeitern der technischen Einsatzleitung und Führungskräften der Feuerwehren zusammen und koordiniert alle Einsätze. Stefan Zierold, Leiter des Amts für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz, bestätigt, dass alle 30 Feuerwehren des Landkreises bei zirka 304 Einsätzen pausenlos unterwegs waren, um Keller auszupumpen, umgestürzte Bäume zu bergen oder schlichtweg Sandsäcke zu verteilen. Außerdem mussten die Brücken von heranströmendem Geröll befreit werden, damit sich das Wasser nicht noch weiter staute. Seit 13. August werden in den Rathäusern die Schadenssummen erfasst. Doch das Hochwasser hat die Bürger trotz Entwarnung weiter im Griff. (EG/ih)