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Viele Hürden beim Berufsstart

Im Berufsleben gelten teils andere Benimm-Regeln als im Privatleben

Chemnitz. Klaus Karst dachte: Mich trifft der Schlag. Beim Öffnen der Bürotür hörte der Inhaber einer Versicherungsagentur, wie sein neuer Azubi am Telefon sagte: "Herrn Karst können Sie nicht sprechen. Der ist gerade auf dem Klo." Eine zutreffende Aussage! Doch leider tabu im Business-Bereich. Dort lautet die Standardinformation in solchen Situationen: Herr Müller oder Frau Mayer ist gerade nicht im Raum.

Ähnliche Fauxpas begehen Absolventen in der Startphase oft. Auch Rainer Flake hätte ein solcher Lapsus fast einen Großauftrag gekostet. Der Geschäftsführer der WSFB Beratergruppe Wiesbaden hatte zu einer Präsentation bei einem Neukunden einen Praktikanten mitgenommen. Dabei verlief sie spitze - so gut sogar, dass der Firmeninhaber sagte: "Wir haben einen Imbiss vorbereitet. Ich lade Sie dazu ein." Die Einladung zeigte Flake: Den Auftrag haben wir vermutlich in der Tasche. Doch der Praktikant erwiderte: "Ich würde lieber nach Hause fahren."

Erst einmal die Krawatte binden

Ähnliche Erfahrungen sammeln gerade Dienstleistungsunternehmen oft. Ihre Personalverantwortlichen registrieren immer wieder: Selbst bei Berufseinsteigern mit einer guten Kinderstube ist man vor Überraschungen nicht gefeit - weil im Geschäftsleben teils andere Kommunikations- und Verhaltensregeln als im Privatleben gelten. Manches, was früher selbstverständlich war, kann man zudem nicht mehr voraussetzen. "Ich höre von Führungskräften oft, dass sie jungen Mitarbeitern vor Kundenbesuchen erst mal die Krawatte binden müssen. Oder ihnen sagen müssen: Nehmt was zu schreiben mit und macht euch im Gespräch Notizen - allein schon, um dem Kunden zu signalisieren: Ich nehme Sie ernst", sagt Dress-Code-Berater Dirk Pfister.

Weil solche Dinge nicht mehr selbstverständlich sind, haben viele Betriebe in ihre Aus- und Weiterbildung das Thema Benimm integriert. So gehören zum Beispiel beim Finanzdienstleister Schwäbisch Hall Benimm-Seminare und entsprechende Infoveranstaltungen inzwischen zum normalen Ausbildungsprogramm - "um Fauxpas möglichst von Anfang zu vermeiden", wie Daniela Apel von Schwäbisch Hall betont.

In diesen Seminaren geht es nicht darum, wie man einen Hummer seziert. Auf der Agenda stehen grundlegende Fragen - zum Beispiel das Thema, sich "angemessen" kleiden. Ein Thema, das in Unternehmen oft zu Irritationen führt, die ihren Mitarbeitern keine starre Kleiderordnung vorgeben. Pfister: "Wenn die unumstößliche Regel lautet, alle Männer müssen einen blauen Anzug und alle Frauen ein graues Kostüm tragen, ist das Thema schnell abgehakt. Anders ist es, wenn die Vorgabe lautet: 'Kleiden Sie sich angemessen'. Dann können heute beim Besuch einer Werbeagentur Jeans und Sakko okay sein, und morgen beim Besuch einer Bank ist der Anzug Pflicht." Den richtigen Griff in den Kleiderschrank müssen viele Berufseinsteiger erst lernen. Ein weiteres Kernthema vieler Benimm-Seminare ist das Verhalten am Telefon. Dem Nachwuchs wird etwa vermittelt, dass es nicht kundenorientiert wirkt, wenn man am Telefon zu Kunden sagt: "Dafür bin ich nicht zuständig." Kundenorientierter ist: "Das weiß ich zwar nicht. Ich kümmere mich aber darum."

Auch Ältere mit Nachholbedarf

Auch im alltäglichen Umgang mit Kollegen gilt es viele Kleinigkeiten zu beachten, zum Beispiel das Grüßen von Kollegen. Dafür nennen selbst die Etikette-Bücher unterschiedliche Regeln - auch weil in einer Behörde andere Benimm-Regeln als in einer Werbeagentur und dort wiederum andere als in einer Bank gelten. Einige Etikette-Ratgeber schreiben: Es grüßt stets derjenige, der den anderen als Erstes sieht. Andere Ratgeber beharren auf der klassischen Benimm-Regel: Der Rangniedrigere grüßt den Ranghöheren beziehungsweise der jüngere Mitarbeiter den älteren. Diese unausgesprochene Regel gilt noch in den meisten Betrieben - wogegen die Jungen zuweilen rebellieren. Unter anderem, weil sie im Alltag oft registrieren: Auch manch älterem Kollegen würde der Besuch eines Benimm-Kurses nicht schaden. (BK)

 
erschienen am 26.08.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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