Armin Schwabe erntet mit seinem restaurierten Stock-Schlepper auf Traktorentreffen viel Anerkennung.Foto: Kraus
"Viele sagen ganz begeistert: Mensch, dieser Traktor - das wäre etwas"
Der Rodewischer Armin Schwabe hat sich mit der Restaurierung eines seltenen Stock-Treckers ein Stück seiner Jugendzeit zurückgeholt
Chemnitz. Wie in der Autobranche gab es auch unter den Traktorherstellern eine Vielzahl von Marken, die heute kaum noch bekannt sind. Zu ihnen zählt einer der ersten deutschen Traktorenhersteller, die Stock Motorpflug GmbH in Berlin. Bereits um 1909 stellte die von Namensgeber Robert Stock gegründete Firma motorisierte Pflüge in verschiedenen Größen her. Einen Meilenstein verkörperte in den 1920er- Jahren der markante Stock-Raupenschlepper. Seine Ketten liefen vorn über größere Räder als hinten.
Im nächsten Schritt folgten Radtraktoren mit Deutz-Motoren, zu denen auch Armin Schwabes 1941 hergestellter Trecker gehört. Für Schwabe, der den seltenen Traktor per Zufall entdeckte und nach mehreren Anläufen erwarb, brachte er ein Stück Jugendzeit zurück. Der 59-Jährige, der in Rodewisch ein Sägewerk betreibt, erlernte einst den Beruf des Agrotechnikers. Er sagt: "Ich bin auf dem Famulus groß geworden und hatte schon zu DDR-Zeiten einen. Einige Jahre nach der Wende habe ich angefangen, mich hobbymäßig wieder für die Traktoren von damals zu interessieren."
Der Stock passt perfekt ins Bild. Er ähnelt den ersten DDR-Traktoren, technisch übertrifft er sie sogar, wie Armin Schwabe erläutert: "Er war hochmodern mit seiner Blockbauweise, dem Dreiganggetriebe und bereits zwei Schaltgruppen. Außerdem hat er eine gefederte Vorderachse und für die Anbaugeräte gab es schon zwei Zapfwellen und eine zusätzliche Riemenscheibe. Die ,Brockenhexe', zum Beispiel, hatte das noch nicht." Dieser Traktor wurde als RS02 von 1949 bis 1952 im Schlepperwerk Nordhausen hergestellt.
Zurück zum Stock: Der Hubraum des wassergekühlten Zweizylinder-Dieselmotors beträgt 2199 Ku- bikzentimeter und seine Leistung 22 PS/16 kW. Eine Besonderheit ist das schwere gusseiserne Gehäuse des Kühlers. Es verringert die Gefahr des Aufbäumens, wenn der Traktor hinten unter Last steht.
Bis der Schlepper wieder lief, gab es für Armin Schwabe viel zu tun. "Der Traktor war am Ende. Im Kühlerstutzen steckte ein Badewannenstöpsel, und aus dem Motor guckten die Zinken von einem Holzrechen heraus. Als ich ihn holte, war an Starten nicht zu denken. Ich musste ihn Zentimeter für Zentimeter auf den Hänger kurbeln."
Für seinen sauber restaurierten Stock erntete Armin Schwabe auf Traktorentreffen große Anerkennung. "Viele, die ihn das erste Mal sehen, sind ganz begeistert und sagen: Mensch, das wäre etwas."