Harmonie im Arbeitszimmer: Friedhelm Wachs mit seinem zweijährigen Sohn.  Harmonie im Arbeitszimmer: Friedhelm Wachs mit seinem zweijährigen Sohn.

Foto: Ramona Nagel

Visionär mit Bodenhaftung

Friedhelm Wachs gilt als einer der besten Verhandlungsexperten in Deutschland

Leipzig. Das Arbeitszimmer beeindruckt. Neben Schreibtisch und Sessel sowie einer Bauhaus-Kommode besteht es von unten nach oben aus Büchern. Es sind Bildbände, Biografien, Sach- und Fachbücher. Ein Band über die Villa Esche sticht hervor, verschiedene Kunstbücher, ein Handbuch für Journalisten. Die gesamte Bibliothek umfasst 9000 Bücher, die Hälfte davon dominiert das Arbeitszimmer. Bücher sind für Friedhelm Wachs etwas substanzielles. Trotz Google und Wikipedia: "Vieles kann man im Buch schneller erfassen." Oft sitzt hier auch sein kleiner Sohn auf dem Schoß seines Vaters. Bald hat der Zweijährige dieses Privileg aber nicht mehr, sondern muss sich diesen Platz mit seiner kleinen, derzeit sechs Wochen alten Schwester teilen.

Friedhelm Wachs strahlt Ruhe aus. Seine Gestik und Mimik lassen aber sehr viel Energie, Strategie und Durchsetzungskraft vermuten. "Ich bin ein Visionär mit Bodenhaftung, habe einen starken Gestaltungswillen und kann Prozesse in Gang bringen", sagt er über sich. Er will bewegen, Lösungen entwickeln. Das macht ihm Spaß.

Den ersten Kontakt mit Leipzig gab es beruflich 1993. Seit 1996 lebt und arbeitet der gebürtige Berliner in der Pleißestadt. Mittlerweile ist das Haus im Waldstraßenviertel für ihn und seine Frau Meike Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Es ist ruhig hier, nur wenige Minuten ins Zentrum, und ein ebensolch kurzer Weg ist es bis in den Zoo. Familie und Arbeit so herrlich zu verbinden, das ist für ihn eine perfekte Welt. Er weiß, dass es in dieser Art ein Privileg ist - und genießt es.

Ursprünglich sieht sich Friedhelm Wachs als gestandener Politiker im In- und Ausland unterwegs und studiert deshalb an der Freien Universität Berlin Politische Wissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Später kommt noch ein englischsprachiges Studium in International Management an der Handelshochschule in Leipzig dazu. Doch die Berliner Studienzeit zeigt ihm, dass Politik wohl nicht der richtige Weg für ihn ist.

Denn nach Hospitationen im Bundestag steht für ihn fest: in der Politik sind zwar Visionen gefragt, aber es gibt dabei viel zu oft faule Kompromisse - und das ist nichts für ihn. Für seine berufliche Zukunft sieht er deshalb drei Wege: beratend zu arbeiten, als Journalist, als Unternehmer. Und ihm gelingt es tatsächlich, diese Wünsche und Fähigkeiten zu vereinen.

Eines seiner größten Talente ist Verhandlungsgeschick. "Schon als Schulsprecher habe ich die Schulleitung zur Weißglut gebracht", sagt Wachs. Was viele Menschen abschreckt, das fasziniert ihn: sein Gegenüber zu analysieren, sich in diese Person hineinzuversetzen, deren Strategie zu ergründen, um damit seine eigene festzulegen und durchzusetzen. Verhandeln, das ist für ihn auch Lust am Spielen - und natürlich Lust auf den Erfolg, wie ein Leistungssportler in entspannter Konzentration zum Sieg.

Für viele Menschen ist das anders. Ob bei der Bank ein Kredit, als Bewerber für einen Job oder als Unternehmer für einen Auftrag - die meisten gehen solche Termine mit einem unguten Gefühl an. "Man sieht meistens schon zu Beginn, wer gewinnt", sagt Wachs und verweist auf Haltung und Körpersprache, die eindeutige Signale senden.

Doch erfolgreich verhandeln ist nach Ansicht des Experten für jeden möglich. Nötig sei eine exakte Vorbereitung - "aber gerade hier wird fundamental geschlampt". Einer seiner Lieblingssätze in den Seminaren ist deshalb: "Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung!" Das heißt auch, von Beginn an den Gesamtwert im Auge haben und nicht nur kleine Etappen.

Der Spaß am Verhandeln und am Netzwerken hat ihm bereits viele prägende Erlebnisse und Bekanntschaften gebracht. So war er Mitglied von Bundesvorständen in der Jugend- und Sportpolitik, hat mit Egon Krenz über den Eisernen Vorhang hinweg verhandelt. 1984/85 war er für liberale Jugendverbände im obersten Vorbereitungskomitee der Weltjugendspiele.

 
erschienen am 26.07.2011 ( Von Ramona Nagel)
 
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