Wärme kann man auch essen

Traditionelle chinesische Medizin nutzt seit Jahrhunderten die thermische Wirkung von Lebensmitteln

Chemnitz. Matschwetter, nasse Füße, kalte Hände... An solchen Tagen kann man anziehen, was man will, der Kälteschauer bleibt. Die meisten tun dann instinktiv das Richtige, sie trinken heißen Tee oder nehmen ein warmes Bad. Doch was viele nicht wissen: Bereits durch eine kluge Lebensmittelauswahl kann man das Dauerfrösteln, wenn es nicht krankheitsbedingt ist, in Schach halten. So ist zum Beispiel nicht jedes Heißgetränk geeignet, wohlige Wärme in den Körper zu bringen. Pfefferminz- und Kamillentee wirken kühlend, gleich wenn sie warm getrunken werden.

Wer häufig fröstelt, kalte Hände und Füße hat, auch sonst lieber die Wärme sucht, ist offenbar ein Yin-Typ, sagt Jun Zhao. Der Arzt für Traditionelle chinesische Medizin (TCM) in Chemnitz legt sich dabei jedoch nicht genau fest. Denn die Körpertemperatur ist es nicht allein, was den Konstitutionstyp ausmacht. Auch Appetit, Pulsschlag Temperament und vieles andere gehören dazu. "Die westliche Schulmedizin behandelt jeden Menschen bzw. jede Krankheit gleich. Die TCM schaut sich den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele an, ehe sie eine Therapie empfiehlt", erklärt er die Grundsätze seiner jahrhundertealten Behandlungsrichtung.

Der Yang-Typ ist energiegeladen, schwitzt schnell, hat meist warme Hände und Füße. Er leidet eher im Sommer unter der Hitze, verträgt kühle Temperaturen aber recht gut. Yin und Yang sind die zwei Grundrichtungen, die nach fernöstlicher Auffassung das Leben bestimmen. Ihre Ausgeglichenheit bedeutet Harmonie und damit Wohlbefinden, auch Gesundheit. Jeder Mensch hat Yin- und Yang-Anteile in sich, eines von beiden dominiert jedoch in den allermeisten Fällen. Das kann zum Beispiel der Grund für häufiges Frösteln sein.

Yin-Typen, dazu zählen viele Frauen im jüngeren Alter, haben häufig ein großes Wärmebedürfnis. "Wenn sie sich von Joghurt und Rohkostsalaten ernähren, was aus Gründen der schlanken Linie vielfach praktiziert wird, kühlen sie ihren Körper innerlich noch mehr herunter", so der Mediziner. Sie können durch eine Umstellung ihrer Ernährung sehr zu ihrem Wohlbefinden beitragen. Scharfe Gewürze und gekochte Speisen sollten stattdessen auf dem Plan stehen. Nun sind aber Ingwer oder chinesische Kräuter nicht jedermanns Sache, zumal man sie oft nur in speziellen Läden bekommt. Die TCM-Empfehlungen lassen sich aber auch auf westliche Ernährungsgewohnheiten anwenden.

Jun Zhao empfiehlt an kalten Tagen möglichst nichts Kaltes zu sich zu nehmen. "Beginnen Sie Ihren Tag mit einer schönen warmen Suppe. In China essen wir Reisbrei, hierzulande wäre eine Milchsuppe ideal, beispielsweise als Pudding-, Grieß- oder Haferflockensuppe." Viele ältere Menschen kennen diese Essgewohnheit noch aus früheren Zeiten. Man schätzte die Morgensuppe in erster Linie wegen ihrer Nahrhaftigkeit, aber auch wegen ihrer wärmenden Wirkung.

Gemüse müsse man deshalb aber nicht "totkochen", es damit vieler Vitamine berauben. Bereits das kurze Schwenken und Erwärmen im Wok gebe dem Gemüse eine andere thermische Wirkung. Wer es mag, solle ruhig großzügig mit feurigen Gewürzen sein. Auch bei der Auswahl des Fleisches, könne man viel falsch machen. Schwein sei neutral, Lamm und Wild hingegen wärmebildend. Obst gehört bei Jan Zhao unbedingt frisch auf den Tisch. Nur eben zur richtigen Zeit. Er empfiehlt für Obstmahlzeiten die Zeit nach dem Frühstück oder nach dem Mittagessen. Am Abend solle man Rohkost generell nicht mehr verzehren. Es liege vielen schwer im Magen und behindere den Schlaf.

Doch sein wichtigster Tipp hat nichts mit dem Essen zu tun: "Ärgern Sie sich nicht über schlechtes Wetter, gehen Sie hinaus und freuen sich anschließend über das warme Zimmer oder den wohltuenden Tee." Ein straffer Spaziergang ist auch sein Mittel gegen Streit. "Wenn Missstimmung herrscht, an die Luft gehen, der Zorn verraucht meist im wahrsten Wortsinne."

 
erschienen am 02.02.2010 (Von Stephanie Wesely)
 
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