Wenn schlimme Träume wahr werden

Claudia Puhlfürst mit neuem Ermittlerpärchen

Wenn ein Mensch einen anderen erst jagt, dann tötet und schließlich ausweidet, und wenn er bei alledem auch noch sexuelle Lust empfindet - dann könnte er aus einem Thriller von Claudia Puhlfürst stammen. Und genau so ist es auch: Der Täter im sechsten Krimi der Zwickauer Autorin ist ein Wahnsinniger, der sein kriminelles Handeln mit einer irren, mythologisch anmutenden Ästhetik begründet, im bürgerlichen Teil seines Lebens aber als ganz normaler Vertreter für medizinische Artikel auftritt.

Wo Böses wütet, ist das Gute nicht fern. Allerdings hat die Autorin sich von den positiven Helden früherer Romane getrennt. Es ist jetzt nicht das sympathische Detektivpaar, sondern eine gleichfalls sympathische Journalistin, die eng mit einem - ebenfalls sympathischen - Psychologen zusammenarbeitet. Lara Birkenfeld, so der Name der Journalistin, wird von Tagträumen verfolgt, in denen sie böse Dinge sieht, die dann auch tatsächlich passieren. Im Verlauf der Geschichte kommt es, wie es kommen muss - die Heldin gerät selbst ins Visier des Sadisten. Der Mörder ist ein typischer Puhlfürst-Täter, der als Typ auch schon in früheren Romanen beklemmende Lesegefühle weckte.

Man merkt es dem Krimi an, dass es kein Erstlingswerk ist - und zwar im positiven Sinne. Die eigentliche Geschichte wird umrahmt und verwoben mit allerlei Nebengeschichten. Zudem hält der Roman eine Reihe von Erzählebenen und -perspektiven bereit. Dennoch verliert der Leser zu keiner Zeit die Orientierung. Bei aller Klarheit - übrigens auch im Stil - kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. Im Gegenteil: Die Erzählung ist vielschichtig, spannend bis zum Schluss und - da bleibt sich die Autorin treu - ziemlich gruselig. Für Zartbesaitete vielleicht sogar eine Spur zu gruselig.

Claudia Puhlfürst: Ungeheuer. Blanvalet. 352 Seiten. 8,95 Euro. ISBN 9783442373543.

 
erschienen am 12.03.2010 ( Von Johannes Fischer )
 
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