Ein mit Kerzen dekoriertes Badezimmer lädt zum Entspannen ein.Foto: Günter Menzl/fotolia.de
Zwei Tage nur für mich - Wellness am Wochenende
Fokussierung auf einzelne Tätigkeiten wirkt ausgleichend
Düsseldorf. Endlich ist der Freitagabend da. Der letzte Satz ist geschrieben, die letzte Rechnung beglichen, und ein Blick in den Kalender verrät: Dieses Wochenende gehört nur mir! Eine wunderbare Gelegenheit, die eigenen Kraftreserven aufzutanken und mit einem ganz persönlichen Wellnessprogramm Körper und Seele wohlverdiente Streicheleinheiten zu gönnen. "Die Entspannung am Wochenende funktioniert am besten, wenn man sie bewusst reduziert. Das heißt, dass man sowohl die Erwartungen an die Wellness-Pause als auch das Wellness-Programm schmal hält und sich lediglich einzelne Highlights herauspickt", sagt Lutz Hertel, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wellness Verbandes in Düsseldorf.
Man sollte sich im Vorfeld darauf besinnen, in welchen Lebensbereichen man sich unausgeglichen fühlt, und bei der Wahl der Wellness-Aktivitäten diesem Bedürfnis nach Balance folgen. Schon allein die Vorfreude auf eine Sache aktiviere den Dopaminstoffwechsel und sorge so für Glücksgefühle. "Ob man sich dem Garten widmet, Partnerschaft genießt oder sich mit viel Muße der Körperpflege hingibt, ist also letztendlich nicht entscheidend. Man kann auch zur eigenen Entspannung beitragen, in dem man etwas erledigt, was einen schon lange verfolgt, beispielsweise einen Brief schreibt oder das Auto repariert", sagt der Diplom-Psychologe.
Als Gegenpol zum alltäglichen Multitasking wirkt vor allem die Fokussierung auf eine einzelne Tätigkeit beruhigend und ausgleichend. "Wenn man meditativ in einer Aufgabe versinkt, verlangsamen sich Atmung und Herzschlag, und der gesamte Organismus wird entlastet", sagt Hertel. Vielen Leuten tue es daher beispielsweise gut, sich künstlerisch zu betätigen. "Malen, Töpfern, Basteln oder auch Nähen sind Aktivitäten, bei denen man voll und ganz abschalten kann", sagt Hertel.
Er empfiehlt außerdem, das Wellness-Wochenende mit etwas Bewegung zu garnieren. Gerade dann, wenn man sich besonders schlapp fühle und eigentlich nur auf dem Sofa liegen wolle, wirke ein bisschen Aktivität Wunder. "Durch Bewegung hält man beispielsweise seine Blutgefäße gesund, normalisiert den Blutdruck und erzielt eine verbesserte Tiefenatmung. Außerdem wird das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet - man fühlt sich einfach besser", sagt Hertel. Wer ansonsten eher unsportlich ist, sollte sich aber nun nicht gleich athletische Höchstleistungen abverlangen. "Es ist wichtig, dass man die Bewegung mit Leichtigkeit ausführen kann und dass sie Spaß macht", sagt Hertel. Der Körper profitiere auch schon von einem kleinen Spaziergang oder einer gemäßigten Fahrradtour.
Wohltuend und entspannend kann auch eine ausgiebige Körperpflege sein. An seinem persönlichen Wellness-Wochenende kann man sich für Haarkuren, Gesichtsmasken oder Pediküre die nötige Zeit und Ruhe gönnen. "Besonders effektiv wird diese Wellnessphase, wenn man sie richtig zelebriert. Man kann das Badezimmer beispielsweise mit Kerzen und Duftlampen dekorieren, schöne Handtücher bereitlegen und seine Lieblingsmusik einschalten", schlägt Hertel vor. Zudem sollte man dafür sorgen, dass man einige Zeit lang nicht von den anderen Hausbewohnern gestört wird.
Auch an einem Wellness-Wochenende sollte man jedoch seinen gewohnten Rhythmus nicht vernachlässigen. "Das körperliche und seelische Wohlbefinden hängt zu einem bedeutenden Teil von einer konstanten Ordnung in der Lebensführung ab. Fundament dieser Ordnung ist der Schlaf-Wach-Rhythmus", erklärt Hertel. Langes Ausschlafen könne diverse Abläufe im Körper wie beispielsweise die Verdauung empfindlich stören. Es sei daher wichtig, die gewohnten Zeiten für das Aufstehen und das Zubettgehen beizubehalten. Auch die Mahlzeiten sind wichtige Taktgeber für den inneren Rhythmus und sollten daher auch am Wochenende einer gewissen Regelmäßigkeit folgen.
"Man kann an einem Wochenende durch bewusste Wellness die Anspannung der Woche etwas reduzieren. Aber eine ständige starke Überlastung des Nervensystems wird man in diesen zwei Tagen nicht effektiv regulieren können", sagt Hertel. Daher sei es wichtig, kleinere Entspannungsmomente so oft wie möglich in den Alltag zu integrieren
(ddp/mhi/esc)