Gilt als die besterhaltene romanische Wehranlage Sachsens: Burg Gnandstein.
Gilt als die besterhaltene romanische Wehranlage Sachsens: Burg Gnandstein.

Foto: Burgverwaltung/Archiv

Burg Gnandstein zeigt ihre Schätze

Museum der größten Sehenswürdigkeit des Kohrener Landes wieder für Besucher geöffnet

Gnandstein. Die Poltergeister auf Burg Gnandstein hatten drei Monate sturmfreie Bude. Ab Mittwoch müssen sie sich wieder auf neugierige Besucher gefasst machen. Nach der Winterruhe öffnet Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage, die trutzig auf einem Porphyrit-Felsen über dem Tal der Wyhra im Kohrener Land thront, wieder regulär ihre Tore für Besucher. Wegen knapper Finanzmittel konnte Peter Knierriem, seit einem Jahr Burgherr in Gnandstein und zudem Leiter der Schlösser in Rochlitz und Colditz, in den letzten drei Monaten nur angemeldete Besuchergruppen empfangen. Dennoch verzeichnete das Museum der Burg einen neuen Besucherrekord. Mit 26.243 Besuchern kamen 2011 über 2000 Besucher mehr als noch im Vorjahr.

Knierriem macht die neuen Sehenswürdigkeiten für den Anstieg der Besucherzahlen verantwortlich: "Seit Ostern des vergangenen Jahres können die historischen Wohnräume des Barock und Klassizismus im Nordflügel bestaunt werden. Außerdem ist auch die spätgotische Kapelle wieder zugänglich." Zudem sei die Burg nach Abschluss der Bauarbeiten auf der B 95 auch wieder besser zu erreichen gewesen.

Seit diesem Jahr kann Knierriem vor allem Heiratswillige mit einer Neuerung locken: In der spätgotischen Kapelle sind nun erstmals auch kirchliche Trauungen möglich. Die Kapelle mit ihrem sternförmigen Zellengewölbe bietet nicht nur eine besondere Akkustik. Die drei um 1501-1503 unter Mitwirkung Peter Breuers geschaffenen Flügelaltäre sind ein wahres Kleinod. Das mit plastischen Schnitzereien versehene Gestühl stammt, genau wie die Fußbodenfliesen aus Kohrener Keramik, vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Für standesamtliche Trauungen dient der nicht minder prächtige Palas aus dem 13. Jahrhundert. Der Festsaal gehört zu den ältesten Räumen der Burganlage. Die gekoppelten Rundbogenfenster bieten einen atemberaubenden Blick auf das verträumte Kohrener Land und verleihen dem Raum ein märchenhaftes Flair. 18 Brautpaare haben sich im vergangen Jahr hier stilvoll das Ja-Wort gegeben.

Bereits 1929 ist vom damaligen Besitzer, Hanns von Einsiedel, ein Heimatmuseum in den Räumen der Burg gegründet worden. Die Familie Einsiedel war seit dem frühen 15. Jahrhundert bis 1945 in ununterbrochener Generationenfolge im Besitz der Burg. Erst die Bodenreform 1945 machte ihrem Wirken auf Gnandstein ein Ende. Das Museum blieb jedoch erhalten. 1992 kam die Burg in den Besitz des Freistaates Sachsen. Umfassende bauarchäologische Untersuchungen und Rekonstruktionsmaßnahmen brachten neue Erkenntnisse zur Baugeschichte, die im Museum dargestellt sind.

Heute präsentiert die Burg ein vielfältiges Ausstellungsangebot. Es reicht von der original erhaltenen romanischen Wehranlage inklusive Palas und spätgotischer Kapelle bis hin zu Interieurausstellungen vom Barock bis zum Klassizismus.

Eine Waffenkammer, bestückt mit historischen Hieb- und Stichwaffen, ist ebenso zu besichtigen wie die Ausstellung "Begegnung mit dem Schönen - die Sammlung Groß". Hierbei handelt es sich um die Schenkung einer bürgerlichen Sammlung aus dem 18. Jahrhundert. Mehrere hundert Kunstgegenstände wie Gemälde, Porzellan, Möbel, sakrale Plastik werden dort gezeigt.

Service: Das Museum der Burg Gnandstein, Burgstraße 3 in Kohren-Sahlis, Ortsteil Gnandstein, ist von Februar bis April dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr (Mai bis Oktober von 10 bis 18 Uhr) geöffnet. Telefon 034344 61309.

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Christian Gesellmann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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