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Das Ruhrgebiet - Eine Landschaft im Wandel
Zwischen Industrie- und Kunststätten bietet der Pott auch Natur für Wanderer und Wassersportler
Essen (dapd). Nach der Fahrt durch einen 30 Fußballfelder großen Park taucht sie plötzlich vor dem Besucher auf: die "Villa Hügel" in Essen. Ein Palast mit knapp 270 Räumen auf über 8.000 Quadratmetern Wohnfläche. Der Unternehmerwohnsitz ist Symbol der Industrialisierung Deutschlands. Hier empfing einst die Familie Krupp Regierungschefs und Politiker vieler Nationen, Kaiser, Könige und natürlich andere Firmenchefs aus aller Welt. Die "Villa Hügel" ist einer der vielen Höhepunkte des Ruhrgebiets - neben 3.500 Industriedenkmälern, 250 Festivals und Festen in diesem Jahr, 200 Museen, über 120 Theatern, 100 Kulturzentren und 100 Konzertsälen.
Allein in Essen kommen zur "Villa Hügel" noch das UNESCO-Welterbe "Zollverein" und das "Folkwang-Museum" als absolute Pflichtbesuche hinzu. Während der zweistündigen Führung "Über Kohle und Kumpel" im Gelände der ehemaligen Zeche "Zollverein" erfahren die Besucher Interessantes über die Bergbaugeschichte. Dabei wird ihnen im Schatten des bekannten roten Förderturms nicht nur der Arbeitsalltag von einst vor Augen geführt. Die Anlage bietet auch Einblicke in den tiefen Strukturwandel, den das Ruhrgebiet inzwischen durchlaufen hat und weiter durchläuft. Vertieft werden diese Impressionen während eines Gangs durch das dreistöckige "Ruhr Museum".
Die Zeche "Zollverein" ist ein wichtiger Ankerpunkt der "Route Industriekultur", die ähnlich wie bekannte Wein- oder Burgenstraßen konzipiert ist. An 52 Stationen wird die Vergangenheit des Ruhrgebiets lebendig. Die Route ist ein Projekt des Regionalverbandes Ruhrgebiet und entstand zwischen 1989 und 1999. Die alten Wunden der Industrialisierung sollten damals nutzbar gemacht werden.
Zu den Industriedenkmälern gehört auch der "Gasometer" in Oberhausen. Dort wird die Ausstellung "Magische Orte - Natur und Kulturmonumente der Welt" wegen des großen Erfolges noch bis zum 21. Oktober verlängert. Sie präsentiert Wunder der Natur und Kultur als gleichermaßen bedeutende Schöpfungen unseres Planeten. Zu sehen sind Fotografien, erdgeschichtliche Fundstücke und Kunstwerke.
Um Kunst geht es auch im Museum "Folkwang", das zu den bedeutendsten Häusern der Klassischen Moderne gehört. Das Museum bietet eine große Sammlung moderner Kunst in den Bereichen Malerei, Skulpturen, Grafik, Fotografie und deutsche Plakate. Die Ausstellungen sind in einem von David Chipperfield entworfenen Neubau zu finden, der 2010 eingeweiht wurde.
Ähnlich vielfältig ist die Theaterlandschaft des Ruhrgebiets. Neben dem renommierten Schauspielhaus in Bochum und dem Grillo-Theater in Essen gibt es zahlreiche Konzerthäuser und eine hohe Konzentration von Musical-Bühnen. "Starlight Express" läuft in Bochum seit 24 Jahren, und "Dirty Dancing", die Show im Metronom-Theater Oberhausen, wird aufgrund des großen Erfolgs bis Januar 2013 verlängert. Vom 5. Mai bis zum 14. Juli findet zum 24. Mal das Klavier-Festival Ruhr statt: An 25 Spielstätten des Ruhrgebiets kann man die internationale Pianisten-Elite erleben.
Zwei Großveranstaltungen werden auch 2012 wieder angeboten: In Herne findet die "Cranger Kirmes" statt (2. bis 12. August) - 500 Schausteller füllen das 111.000 Quadratmeter große Kirmesareal, das viele High-Tech-Fahrgeschäfte bietet. Vom 17. August bis 2. September folgt das Zeltfestival Ruhr am Kemnader See bei Bochum. Zu den angekündigten Künstlern gehören Status Quo, Rea Garvey, Runrig und Tim Bendzko.
Wem nach Architektur, Kultur und Kunst noch der Sinn nach Shopping steht, findet im Ruhrgebiet viele Gelegenheiten, Geld auszugeben: im Einkaufszentrum "Limbecker Platz" in Essen-City zum Beispiel mit seinen 200 Shops, in der Thier-Galerie in Dortmund, die zu den schönsten Einkaufszentren in NRW gehört oder im Einkaufs- und Freizeitzentrum "CentrO" in Oberhausen.
Das Ruhrgebiet hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verändert: Es gibt zwar noch die Ballungsräume, in denen der Ortsunkundige den Übergang von einer Stadt zur nächsten lediglich an den Nummernschildern der Autos erkennt. Doch es gibt auch erstaunlich viele Grünflächen. Insbesondere das Tal der Ruhr gleicht an mehreren Stellen eher einem englischen Landschaftspark als einer Industrieregion.
Die Stadt Datteln etwa grenzt an die Haard, das größte zusammenhängende Waldgebiet des Ruhrpotts. Außerdem liegt Datteln direkt am Knotenpunkt von vier Kanälen und ist damit ein idealer Ort für Wassersportler, Radfahrer und Wanderbegeisterte. Auch Herdecke hat einen hohen Erholungs- und Freizeitwert: Drei Viertel des Stadtgebietes bestehen aus Wasser- und Waldflächen.
Der strukturelle Wandlungsprozess durch die Industrialisierung in den vergangenen 150 Jahren überdeckt manchmal, dass es sich beim Ruhrgebiet um ein traditionsreiches Kulturland handelt, dessen Besiedlung unter anderem durch mittelalterliche Klöster vorangetrieben wurde. Noch heute sind aus der vorindustriellen Zeit zahlreiche Kirchen, Burgen, Schlössern und Herrenhäusern erhalten.
So lässt das mittelalterliche Dorf Westerholt seine Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Der Ort gruppiert sich malerisch um das Schloss und die Dorfkirche. Wegen der vielen gut restaurierten Fachwerkhäuser wird das Westerholt auch als "Westfälisches Rothenburg" bezeichnet. Im Jahr 1991 wurde das Dorf unter Denkmalschutz gestellt.
dapd