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Hongkong, Schanghai, Taipeh
Drei Gesichter chinesischen Lebens
Hongkong/Schanghai/Taipeh (dapd). Neun Tage, drei chinesische Städte mit einem jeweils anderen Gesicht. Hongkong, Schanghai und Taipeh in etwas mehr als einer Woche - ein anspruchsvolles, aber lohnenswertes Programm. Hongkong erfindet sich ständig neu. Unübersehbar ist das in Central, nahe dem Starferry-Pier. Hunderte von Hektar neuen Lands haben die Bauarbeiter dem Meer abgetrotzt. Jetzt arbeiten sie rund um die Uhr an neuen Straßen und Gebäuden.
Anpassung, ständiger Wandel, Streben nach Erfolg, nach Höchstleistungen, nach Konsum - diese Mischung hat Hongkong erfolgreich gemacht. Die vielen, schnell durch das Zentrum hastenden Männer und Frauen verkörpern diese Mentalität ebenso wie das Motto der Stadt: "Shop until you drop". Einkaufen zwischen fliegenden Händlern und Mega-Malls wie dem Pacific Place oder dem ständig überfüllten Times Square ist ein Markenzeichen der Stadt.
Nach den ersten Erkundungen lohnt sich die Fahrt mit der Peak Tram von der Garden Road in Central auf den Victoria Peak. Von der höchsten Erhebung Hongkongs hat man einen fantastischen Blick über die Stadt und auf Kowloon. Auf dem Rückweg bietet sich ein Bummel durch Hollywood-Road und deren Nebenstraßen an, in denen sich Souvenir-Shops mit Vogel- und Antikhändlern oder Apotheken mit chinesischer Medizin abwechseln. Nach dem Übersetzen mit der Starferry nach Kowloon bietet sich die Fahrt mit der Metro zur atmosphäregeladenen Temple Street (Station Jordan) an. Hier verkaufen Händler Taschen, Uhren und jede Menge Kleinkram - Vorsicht, viele der Waren sind gefälscht. Am Nordende der Straße beginnt ein faszinierendes Karree aus Straßen, in denen in schummerigem Licht Wahrsager, Handleser und Musiker ihre Künste anbieten.
Ebenso interessant ist am Tag ein Ausflug zum 23 Meter großen Buddha am Po Lin Kloster auf der Insel Lantau. Abgesehen von dem Riesen-Buddha lohnt sich der Weg auch wegen der Klosteranlagen und wegen des von den Mönchen betriebenen, sehr einfachen Restaurants, in dem mittags vegetarische, chinesische Gerichte serviert werden.
Zwei Flugstunden weiter nordöstlich: Schanghai, Chinas stolze Wirtschaftsmetropole. Am Bund, der Prachtpromenade, zeigt sich in einzigartiger Weise das Nebeneinander von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Kolonialbauten stammen teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert, als Staaten China militärisch zur Öffnung etlicher Häfen, darunter Schanghai, für den Handel zwangen - und die Engländer sich Hongkong für 99 Jahre sicherten. Heute wehen über allen Gebäuden rote chinesische Nationalflaggen. Über den Huangpu-Fluss, auf dem Passagierdampfer und Frachtkähne gemächlich schippern, geht der Blick auf die Skyline Pudongs am anderen Ufer, die den Aufstieg der Volksrepublik zu einer Weltmacht verkörpert. Der Weg nach Pudong lohnt sich schon wegen des World Financial Centers, von dem aus sich ein fantastischer Überblick über die Stadt bietet. Auch hier drängt sich der Vergleich mit Hongkong auf und die Frage: Bleiben diese beiden Metropolen auf gleicher Augenhöhe, oder wird Schanghai mit seinem riesigen Umland den Glanz der Konkurrentin langsam aber sicher überstrahlen?
Auch wenn die Betriebsamkeit hier nicht so auffällig ist wie in Hongkong: Schanghai holt nach und nach auf. In der ganzen Stadt werden und wurden Straßen und Häuser modernisiert. Die Promenade am Bund ist verbreitert worden, sie führt vorbei am Peace Hotel mit seiner legendären Old Jazz Band. Das Gebäude steht direkt am Beginn der Nanjing Donglu, der glänzenden Einkaufsmeile Schanghais, in der wohlhabender gewordene Chinesen exklusive Mode kaufen.
Die Stadt hat etliche Sehenswürdigkeiten - etwa den Hafen, das Gelände der Expo, den wunderschönen Longhua-Tempel im Südwesten, den Yu-Garten mit seinen Pavillons, Teichen und Hallen oder das Schanghai-Museum am People's Square. Und wer in der Umgebung des Museums der jüdischen Flüchtlinge (Jewisch Refugees Museum) an der Changyang Straße durch die Gassen schlendert, erlebt den Gegensatz zwischen der Schanghaier Moderne und Resten des früheren, ärmeren Stadtlebens. Die Schönheit des Hinterlands erschließt sich beim Besuch einer der Wasserstädte. Hier ist der Ort Jinxi kaum von Touristen überlaufen. Besucher können sich über Kanäle schippern lassen oder in den Gassen einen Hauch des alten Chinas erahnen.
Der Flug über die Taiwanstraße nachTaipeh ist mehr als der Wechsel von einem autoritären zu einem demokratischen System. Taiwan ist (ethnisch) chinesisch, und doch ganz anders als Schanghai oder Hongkong. Deren Hektik und Eile gibt es hier nicht. Taipeh ist keine Diva wie ihre Konkurrentinnen, sie kennt keinen Größenwahn. Zwar ist der Wolkenkratzer Taipei 101 mit 509 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt. Aber er sticht einsam und gewaltig hervor aus der Masse der eher normalhohen Büro- und Wohntürme der Stadt. Von hier oben bekommen Besucher einen eindrucksvollen Blick geboten über die Stadt mit ihren Hügeln und den Flüssen Danshui und Keelung.
Ein Besuch der Chiang Kai-Shek Memorial Hall, erbaut zum Gedenken des Landesvaters, gehört zu jedem Besuch. Das Gebäude steht in einem kleinen Park, umrahmt vom National Theatre und von der National Concert Hall. Doch erschließen wird sich Taipeh dem Besucher erst woanders, etwa am Longshan-Tempel (Metro-Station gleichen Namens). Dort vibriert das religiöse Leben Tag und Nacht. Die Menschen verbrennen Räucherstäbchen, ziehen Glücksstäbchen, opfern den Göttern Leckereien. In den angrenzenden kleinen Gassen gibt es Nachtmärkte, Verkaufsstände und Imbissbuden. Dieses Treiben ist im Gegensatz zu jenem in Hongkong oder Schanghai ruhig, gelassen, wohltuend entspannt. Die Taiwanesen sind aufmerksam, alles andere als oberflächlich. Für Asien-Neulinge ist die Stadt ein idealer Ausgangspunkt für ihre Reisen.
Nicht entgehen lassen sollten Besucher sich die Fahrt zum Zhinangong-Tempel im Wenshan-Distrikt. Die Fahrt mit der Metro führt unter anderem über die Station Muzha. Dort bietet sich ein Besuch auf dem öffentlichen Fude-Friedhof an. Die Gedenk-Kultur mit den häufig gebäudegroßen Ruhestätten erzählt viel über die Vorstellung der Taiwanesen von einer Welt nach dem Tod. Eine Metrostation weiter (Taipei Zoo) startet eine Seilbahn, die durch ein atemberaubendes Panorama zum Tempel führt. Hier verehrt man die Vertreter von Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus. Auf dem weitläufigen Gelände stehen unzählige Hallen und Pagoden mit prächtigen Darstellungen verschiedener Gottheiten. Wer dann noch über den Shihlin-Nachtmarkt bummelt und eine Rindfleisch-Nudelsuppe isst, hat einen guten ersten Eindruck von Taipeh bekommen - und von dem, was chinesisches Leben auch sein kann.
dapd