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Ein Zug der Baureihe 642. Die Erzgebirgsbahn hat 16 davon, 13 sollen umgerüstet werden. Ein Zug der Baureihe 642. Die Erzgebirgsbahn hat 16 davon, 13 sollen umgerüstet werden.

Foto: Imago/Hanke

Erzgebirgsbahn schickt bald ersten Hybridzug auf Testfahrt

Das erste serientaugliche Fahrzeug ist in Kürze fertig. Bis 2018 sollen weitere Züge umgerüstet werden. Die könnten künftig ohne Abgase in den Bahnhof rollen. Doch ob die Erzgebirgsbahn dann noch das Streckennetz betreibt, ist im Moment ungewiss.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 03.11.2015

Chemnitz. Weil große Teile des Streckennetzes nicht elektrifiziert sind, setzt die Erzgebirgsbahn ausschließlich Dieseltriebzüge ein. Wenn alles gut geht, könnte die Zukunft aber schon bald "grüner" werden - und zwar ohne dass die Strecken mit Fahrdraht ausgerüstet werden müssen. Die Lösung lautet: Hybridfahrzeuge. Bei diesen Zügen wird die beim Bremsen und Anfahren erzeugte kinetische Energie über einen Generator in elektrische Energie umgewandelt und in Batterien gespeichert. Diese kann bei Bedarf - etwa bei Einfahrten in Bahnhöfen oder auf innerstädtischen Abschnitten  - genutzt werden.

Knapp zwei Jahre nachdem die Erzgebirgsbahn das Projekt mit dem Titel "Eco Train" vorgestellt hat, ist nun die sogenannte Nullserie fertig. Bis Januar soll der erste serientaugliche Zug umgerüstet sein, wie Wolfgang Leibiger, Mitglied der Geschäftsleitung, erklärt. Danach sollen die Testfahrten beginnen. Leibiger hofft, dass das Fahrzeug der Baureihe 642 bis 2017 die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt erhält. Bis 2018 könnten dann zwölf weitere Züge umgebaut werden. Die Erzgebirgsbahn wäre Leibiger zufolge das erste Unternehmen europaweit, das eine solche Technik im Personenverkehr auf die Schiene bringt.

Die Hybridzüge könnten künftig nicht nur leise und abgasfrei durch innerstädtische Zonen rollen - und zwar laut Unternehmen bis zu fünf Kilometer am Stück. Auch der Dieselverbrauch lässt sich so um gut ein Drittel senken. Bei einem Halt im Bahnhof lassen sich die Fahrzeuge zudem ohne laufenden Motor klimatisieren. Für das "Eco Train"-Projekt spricht auch: Die vor 15 Jahren mit Fördermitteln des Freistaates angeschafften Züge erhalten ein "zweites Leben" für nochmals mindestens 15 Jahre. Die Umrüstung wird in den Werkstätten der Erzgebirgsbahn erfolgen. Der Chemnitzer Standort der Deutschen-Bahn-Tochter soll dafür zu einem Hybrid-Kompetenzzentrum ausgebaut werden. Volkmar Vogel vom Fahrzeugentwickler Voith Engineering Services sieht darin eine "Riesenchance" für Chemnitz. Schließlich werden die Triebfahrzeuge der Baureihe bundesweit im Nahverkehr genutzt. "In Chemnitz könnte ein Zentrum für die Hybridisierung der Bahn entstehen", glaubt Vogel, dessen Firma Entwicklungspartner für den Antriebsstrang ist.

Doch ob am Ende alle 13 Züge mit der Hybridtechnik ausgestattet werden, ist keineswegs sicher. Der gesamte Umbau würde schätzungsweise 20 bis 25 Millionen Euro verschlingen. Bei der Erzgebirgsbahn hofft man daher auf eine Förderung durch das Land Sachsen. Es gab dazu bereits mehrere Gespräche im Wirtschaftsministerium, bei denen auch der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) mit am Tisch saß. "Der VMS steht hinter dem Projekt", ist Erzgebirgsbahnmanager Leibiger überzeugt. "Der Ball liegt nun beim Wirtschaftsministerium", fügt er hinzu. Dort heißt es, das Vorhaben sei grundsätzlich förderfähig. Die für das EFRE-Förderprogramm erforderliche Richtlinie befinde sich aber noch in der Abstimmung und werde erst im ersten Quartal 2016 verabschiedet. Daher könne man noch keine endgültigen Aussagen treffen.

Es gibt aber auch noch eine andere Hürde: Ende 2017 läuft der Betreibervertrag ab, den der VMS, der den Nahverkehr in der Region bestellt, mit der Erzgebirgsbahn abgeschlossen hat. VMS-Sprecherin Silke Dinger erklärt, dass die betreffenden Strecken (siehe Kasten) EU-weit ausgeschrieben werden. Ob die Erzgebirgsbahn dann zum Zuge kommt, ist also offen. Dennoch stehe der VMS den "Eco Trains" grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, heißt es.

 

Triebfahrzeuge sollen auf drei von vier Linien zum Einsatz kommen

Die Erzgebirgsbahn fährt auf vier Linien: Chemnitz-Thalheim-Aue, Zwickau-Johanngeorgenstadt, Flöha-Olbernhau-Grünthal, Flöha-Annaberg-Buchholz-Cranzahl. Das Streckennetz ist 217 Kilometer lang. Im Einsatz sind 16 Züge der Baureihe VT 642. Geplant ist die Umrüstung von 13 Zügen, die auf drei Linien fahren sollen. Die Verbindung Chemnitz-Thalheim bleibt außen vor, denn diese ist Teil des "Chemnitzer Modells" des Verkehrsverbundes Mittelsachsen. Dabei werden Straßen- und Eisenbahnnetz durch Zweisystemfahrzeuge miteinander verknüpft, Reisende können ohne Umsteigen von Chemnitz ins Umland fahren. Der Baustart für die Ausbaustufe nach Thalheim ist offen.

Das Projekt "Eco Train" basiert auf einer Entwicklung, die die Deutsche Bahn mit dem Triebwerkshersteller MTU angeschoben hatte. Dafür war ein Fahrzeug der DB-Tochter Westfrankenbahn mit Hybridtechnik ausgerüstet worden. Der Zug war 2012 erstmals auf der Branchenschau "Innotrans" gezeigt worden und hatte dort für Furore gesorgt.

Der Zug sei zulassungsfähig gewesen, aber letztlich nie zugelassen worden. Er ist heute im Besitz der Erzgebirgsbahn, die Hybridtechnik wurde wieder zurückgebaut. Für die Belange der Erzgebirgsbahn sei diese Technik nicht alltagstauglich gewesen, sagt Manager Wolfgang Leibiger. Ein Grund: Um die schwere Technik unterzubringen und trotzdem das Gesamtgewicht nicht steigen zu lassen, mussten 30 Sitze ausgebaut werden. Bei der heutigen Lösung sei das nicht mehr notwendig. Die 120 Sitzplätze je Zug blieben erhalten. (jdf)

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
2
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 05.11.2015
    18:36 Uhr

    Cougar: Mir stellen sich da ein paar Fragen:
    Wenn der Hybrid-Umbau 25 Mio. Euro kostet, warum gibt man dann 300 Mio. für eine Straßenbahn aus? Auch die Erzgebirgsbahn ist Barrierefrei, hat eine Toilette und ein Mehrzweckabteil. Wo ist da die Verbesserung? Nicht zuletzt frage ich mich, was aus dem Teilstück Thalheim - Aue wird. Da haben wohl die Leute den Zonk gezogen?

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  • 04.11.2015
    11:02 Uhr

    schlossbewohner: Deutsche Bahn...
    Sie das nicht die, welche
    die Hauptstrecke nach Leipzig immer noch unelektrifiziert und eingleisig lassen,
    bereits 2004 die ICE-Zusage zurückgezogen und Chemnitz komplett vom Fernverkehr abgekoppelt haben,
    in Leipzig und Dresden "Kulturbahnhöfe" gebaut und den Chemnitzer Hauptbahnhof nur notdürftig saniert haben,
    vor der Vernichtung von Denkmalen der Industriegeschichte (Reichsbahnbogen) nicht halt machen,
    Reisende zwischen Leipzig und Chemnitz nacht wegen unzureichendem Schienenerzatzverkehrs im Nirvana abkippen (persönlich so erlebt)???
    &&&

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