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André Heyde ist Orthopädie-Schuhmachermeister. In der Manufaktur-Werkstatt fertigt er Maßschuhe für Herren, egal, ob aus edlem Leder für den großen Auftritt oder den Sportschuh für die Bowlingbahn oder den Golfplatz.

Foto: Lars Rosenkranz Bild 1 / 4

Handarbeit auf Schritt und Tritt

In Schwarzenberg gibt es eine Schuh-Manufaktur, wo Herrenschuhe wieder maßgefertigt werden. Ob Froschhaut, Rochen oder Straußenfuß - allein das dazu verwendete Leder verspricht exquisite Optik.

Von Beate Kindt-Matuschek
erschienen am 20.03.2017

Schwarzenberg. Wer den Geruch von Leder liebt, der wird zunächst tief Luft holen, wenn er die Räume der kleinen Schuhmanufaktur in Schwarzenberg betritt. Im edlen Ambiente empfängt Geschäftsinhaberin Ulrike Schröder-Schubert hier ihre Kundschaft, die nur eines wollen: Maßgefertigte Herrenschuhe.

"Eigentlich ist die Orthopädie-Schuhtechnik unser Hauptmetier", sagt die 39-jährige Schwarzenbergerin, die erst vor wenigen Tagen den sächsischen Gründerinnenpreis erhielt. Sie führt das mittelständische Unternehmen weiter, das ihr Vater nach der Wende von einer PGH in eine GmbH umgewandelt hat. 34 Mitarbeiter zählt die Firma heute.

Das größte Plus der Erzgebirger ist der reiche Erfahrungsschatz ihrer langjährigen Mitarbeiter. Denn die können Schuhe noch in Handarbeit fertigen. Damit dieses Können nicht verloren geht, hat sie 2014 zunächst als Nieschenprodukt das Maßschuhdesign gegründet. Mit André Heyde und Bernd Werner hat sie zwei Könner dieses Handwerks.

"Bei uns in der Ausbildung war die Maßschuhfertigung noch prüfungsrelevant", sagt André Heyde. Sein Gesellenstück hat er 1989 gefertigt. Danach noch den Meisterbrief abgelegt. Seither arbeitet der heute 46-Jährige als Orthopädie-Schuhmachermeister im Unternehmen. Auch Bernd Werner hat hier schon gelernt. Heute entwirft und designt er die Maßanfertigungen, bei denen der Kundenwunsch und vor allem dessen Füße im Mittelpunkt stehen.

Etwa drei Monate braucht es, ehe ein solches passgenaues Paar Schuhe gefertigt ist. Es beginnt wie beim Maßschneider mit dem Vermessen der Füße, der Modellabsprache von Form und Absatzhöhe bis hin zur Lederauswahl. Und die lässt buchstäblich keine Wünsche offen - von Rochen über Pferde-, Kalb- und Rindsleder in Schlangenoptik, weiches Straußenleder, aber auch Echse und Straußenfuß für aparte Einsätze. Auch farblich gibt es da kaum etwas, was es nicht gibt. "Alles, was wir an Leder anbieten und verarbeiten, ist allerdings zertifiziertes Material, wo Artenschutz und die Aufzucht der Tiere strengstens kontrolliert werden", versichert die Chefin, deren Unternehmen in seiner Gesamtheit das Umweltsiegel trägt.

Die Kunst einen passgenauen Schuh zu fertigen, liegt im Aufbau des Schuhs begründet. Hier unterscheidet der Fachmann zwischen Schaft- und Bodenbau. Doch zunächst muss der Leisten geformt werden. Dazu verwendet der Meister die Maße des Kunden und formt entsprechend dieser den Grundleisten auf die individuellen Maße des Kunden. Dazu wird Kork verwendet, um auszugleichen, anzusetzen oder es wird Holz vom Leisten abgetragen. "Dazu bedarf es meisterlichen Geschicks", sagt Seniorchef Dietmar Schröder. Dieser individuell geformte Leisten wird nun mit Heißfolie überzogen und es entsteht ein durchsichtiger Probeschuh. Jetzt erfolgt die Anprobe durch den Kunden. Der Meister sieht, wo der "Rohling" noch drückt. "So ist jeder Leisten einzigartig", sagt die junge Chefin. Auf dem Boden der Firma hängen Tausende der hölzernen "Spuren" dieser Handwerkskunst.

Während Bernd Werner das Modell entwirft und dazu wie beim Maßschneider Papierschablonen zuschneidet, obliegt den Stepperinnen die Aufgabe des Nähens. Hier muss jeder Stich sitzen. "Wird die Naht schief, ist der Schuh hin", so die Chefin. Bei Leder, das im Einkauf mehrere hundert Euro kostet, wäre das ein enormer Verlust. Ist der Schaft geformt und mit Futterleder vernäht, geht es zum Bodenbau. Die Verstärkung der Kappen und Spitzen erfolgt im Maßschuhdesign mit Kappen aus hauchfeinem Leder. Beim Schuh aus der Konfektion wird dies heute zumeist durch Pappe ersetzt. "Bei uns nicht", betont André Heyde.

Unzählige Handgriffe sind erforderlich, bevor die erste Naht sitzt. Die Fäden werden zuvor mit Pech überzogen. "Wir haben zum Glück noch Pech aus alten Beständen", sagt Heyde. Die schwarze Masse versiegelt die Fäden und verschließt zugleich die Löcher der Nähte. Dazu werden diese später mit einer Glasscherbe auf der Sohle ausgestrichen.

Ob als Budapester, was als klassisches Muster für den Herrenschuh gilt, oder als Bowlingschuh mit individueller Glückszahl versehen, als edler Ausgehschuh oder extravaganter Tanzschuh - die Wünsche, Muster und Modelle sind facettenreich. Gut 3000 Euro muss man für ein Paar Maßschuhe berappen, je nach Wahl des gewünschten Leders auch noch mehr. Doch mit einem Maßschuh, das zumindest sagen jene, die solche Schuhe tragen, "hat dein Fuß ein Zuhause." Und da ein Zuhause gut gepflegt sein will, werden in Schwarzenberg auch spezielle Schuhputzkurse angeboten und in kleinem Kreis regelrecht zelebriert.

 
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