Mit der Hitze steigen die Darminfektionen in Sachsen

Die Ursache ist meist keimbelastetes Hähnchenfleisch. Es wird jetzt verstärkt kontrolliert. Doch jede dritte Erkrankung ist hausgemacht.

Dresden.

Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber - durch die anhaltende Hitze steigt die Zahl der Darmerkrankungen. Denn die Wärme begünstigt die Vermehrung von Keimen auf Lebensmitteln. Die größten Probleme bereiten in Sachsen die Campylobacter-Bakterien. Sie sind seit Jahresanfang für mehr als 2800 Krankheitsfälle verantwortlich - davon fast 550 allein im Juli. Wöchentlich werden derzeit rund 130 neue Fälle gemeldet. "Doch das ist nur etwa ein Zehntel der tatsächlich Infizierten", sagt Dr. Gerlinde Schneider, Präsidentin der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA). Denn im ambulanten Bereich erfolge meist keine mikrobiologische Diagnostik von akuten Durchfallerkrankungen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich die Zahl der gemeldeten Campylobacter-Infektionen bereits um 300 erhöht, informiert das sächsische Sozialministerium. Deutschlandweit waren laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr rund 70.000 Menschen betroffen.

Die Ursache der Erkrankung ist in den meisten Fällen keimbelastetes Hähnchenfleisch. Europaweit sind etwa 76 Prozent aller Masthähnchen mit Campylobacter kontaminiert, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ermittelt.

Um die Gesundheitsgefahr zu reduzieren, gilt seit Januar eine neue EU-Verordnung, die Grenzwerte für die Keimbelastung mit Campylobacter festlegt. In Sachsen wurden diese Werte nur bei fünf von 20 Proben erreicht, meldet die Landesuntersuchungsanstalt. Wöchentlich würden Proben in Schlachtbetrieben untersucht. Auch die Kontrolle von Reinigung und Desinfektion sei verschärft worden. Laut EFSA könnten durch diese Maßnahmen mindestens 50 Prozent der Erkrankungen vermieden werden. Eine Impfung der Tiere, wie sie seit 2009 gegen Salmonellen erfolgt, gibt es für Campylobacter noch nicht.

Doch nicht nur Geflügel, auch Hackfleisch, vorgeschnittene Salate, Eis oder Sahneprodukte können Erkrankungen auslösen, wenn sie unsachgemäß gelagert werden. Sie haben eine große Oberfläche, was die Keimvermehrung begünstigt. Innerhalb von Stunden können bedrohliche Konzentrationen erreicht werden. "Wir achten bei unseren Kontrollen im Einzelhandel, in Gaststätten oder an Marktständen deshalb verstärkt darauf, dass die Lebensmittel gut gekühlt sind", sagt Anja Mieth, Lebensmittelchemikerin beim Veterinäramt Chemnitz. Hygieneverstöße gab es ihr zufolge bis jetzt noch nicht. "Viele Restaurants nehmen derzeit Speisen mit rohem Fleisch eigenständig von der Karte, um kein Risiko einzugehen."

Neben Handel, Industrie und Behörden hat es auch jeder selbst in der Hand, sein Ansteckungsrisiko zu senken. Laut Sozialministerium sei fast jede dritte Erkrankung auf mangelhafte Küchenhygiene im Haushalt zurückzuführen. Die Behörde rät, Fleisch für den Grill erst unmittelbar vor dem Braten aus dem Kühlschrank zu nehmen. Messer und Bretter, die zur Fleischzubereitung genutzt wurden, sollten nicht zum Salatschneiden verwendet werden. Auch Auftauwasser von Fleisch sei ein Risiko. Es ist besonders keimbelastet. Der Kontakt mit Salat oder fertigen Speisen müsse deshalb verhindert werden.

 

Ein Interview mit Deutschlands führendem Forscher auf dem Gebiet der Haushaltshygiene, Professor Markus Egert, lesen Sie am Dienstag auf der Seite Rat & Leben.

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