Autor Rainer Klis völlig unerwartet gestorben

Er trieb den Aufbruch in der DDR mit voran und liebte die Geschichten der Indianer: Am Samstag ist der Autor Rainer Klis gestorben.

Hohenstein-Ernstthal. Vielleicht war es diese Zeit, da er für Max Müllers Evangelische Buchhandlung in Karl-Marx-Stadt als Transporteur mit dem alten Trabant Bücher durch die Stadt fuhr, da er eine besondere Nähe zum Buch gewann. Aber vielleicht war es überhaupt die Zeit, da die DDR ihrem Ende entgegen ging, als er sich in diesen Auflösungsprozess einbrachte: Rainer Klis, geboren am 7. August 1955 in Karl-Marx-Stadt. Der Autor und Buchhändler ist Angaben seiner Familie zufolge am Samstag völlig unerwartet gestorben.

"Aufstand der Leser" (1983) hieß Rainer Klis' literarischer Erstling - freilich verursachte er keinen Aufstand der Leser, aber Aufmerksamkeit auf ein erzählerisches Talent, das sich in diesen bewegten Zeiten zeigte. Klis gehörte zu der jungen Generation, die in den 1980er-Jahren den Aufstand probte, wenn man das so sagen darf. Austritt aus der FDJ, Wehrdienstverweigerer, zudem bot sich, wie er immer wieder betonte, die Möglichkeit, zwischen 1979 und 1982 ein Studium am Literaturinstitut in Leipzig zu absolvieren. Dort fand er Freunde, Gesinnungsfreunde, kultivierte sein Schreiben. Kam damit - grob gesagt - aus der Provinz zur öffentlichen Protestbewegung. 1989 war er einer in der friedlichen Revolution, war Mitbegründer des Neuen Forums und der SPD in Karl-Marx-Stadt.

Aber schon zwei Jahre später gab er die direkte politische Tätigkeit auf, er wollte schreiben. Und da er wusste, dass dieses Geschäft in den Zeiten der Marktwirtschaft nicht einfach sein würde, wurde er Buchhändler, schrieb er nicht nur Bücher, sondern übte sich in der ebenso schwierigen Aufgabe, Bücher zu verkaufen. Vor allem aber half er seinen Kollegen, in diesen neuen Zeiten zu leben, wurde Vorsitzender des Sächsischen Schriftstellervereins. 2005 wurde er zum Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland gewählt, der deutschlandweiten Schriftstellervereinigung. Dann wollte er ganz in das Autorendasein zurückkehren.

Er - der in Hohenstein-Ernstthal lebte - reiste ja auch kreuz und quer durch die Welt, vor allem in die Indianerreservationen Amerikas, aber auch nach Kuba, Sibirien, Lappland und nach Afrika. Wenn man seine amerikanischen Reisebücher liest - von denen mehrere im Chemnitzer Verlag erschienen sind, darunter "Streifzüge durchs Indianerland" (2000) und "Im Land der Crowe" (2002) - oder auch seine Aufzeichnungen aus Lappland und Sibirien, weiß man manchmal nicht, was da erfunden und was erlebt wurde. Aber das ist ja das Geheimnis von Literatur, dass sie Wirklichkeit und Fantasie verknüpft. Freilich, das wiesen auch seine Prosatexte aus. Und so werden einige seiner Kurzgeschichten nicht vergessen sein, sie werden ihn überleben. Seine Freunde trauern um den Freund und Kollegen. Seine Leser werden den Aufstand nicht proben, aber sie werden seine Texte in den Bestand ihrer Lebensbücher aufnehmen.

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