Designpreise 2015: Schlicht und elegant

Am Freitag wurden in Annaberg-Buchholz die Sieger im diesjährigen Wettbewerb "Tradition & Form" geehrt. Gelungene Beispiele für modernes Design.

Annaberg-Buchholz.

Spielideen kommen bei Simone Küffner immer wieder durch. Auch heute denkt die 50-Jährige oft in Kategorien, die sie bereits während ihrer Ausbildung zur Spielzeugdesignerin in Sonneberg in Thüringen geprägt haben. Und so war es auch, als sie gemeinsam mit Frank Kuhnert, Geschäftsführer der gleichnamigen Drechslerei im vogtländischen Rothenkirchen, über eine neue räuchernde Tierserie grübelte. In den Jahren davor waren Bücherwürmer echte Renner geworden, "die das ganze Jahr über eine witzige Geschenkidee sind", sagt der Firmenchef. Nun schwebten ihm Schnecken vor. Und die freischaffende Gestalterin Küffner, die seit 22 Jahren für die Firma arbeitet, sollte sich Gedanken machen. "Mich haben Schnecken schon immer fasziniert, vor allem die Konstruktion der Schneckenhäuser", erzählt die Vogtländerin. "Deshalb hat mich der Auftrag von Beginn an gereizt."

Auf Papier legte sie etliche Entwürfe vor. Dann entschieden die drei Kuhnert-Geschwister, denen die Firma gehört, welche sechs Figuren sich technologisch umsetzen ließen, darunter eine Post-, eine Radio- und eine Feuerwehrschnecke (siehe Foto auf der heutigen Titelseite). Auch wenn sich zunächst nicht erschließt, was das sprichwörtliche Schneckentempo mit Postbeförderung und Feuerwehreinsätzen zu tun hat, ist es für Frank Kuhnert genau dieser Widerspruch, der gereizt habe. Offenbar hat er damit auch den Nerv der Kunden - und den der "Freie Presse"-Leser getroffen.

Beim diesjährigen Wettbewerb "Tradition & Form" des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller heimste die 1986 gegründete Firma bereits zum zweiten Mal den von der Zeitung ausgelobten Publikumspreis ein. Von 2231 abgegebenen Stimmen konnten die Schnecken ein Viertel auf sich vereinen. Das war Platz eins.

Dabei standen die Leser auch in diesem Jahr vor der Qual der Wahl: Es galt, unter zwölf für die Endrunde nominierten Wettbewerbsbeiträgen einen Favoriten zu bestimmen.

Frank Kuhnert, der wie alle anderen Preisträger des 21. Wettbewerbs die Ehrung gestern Abend in Annaberg-Buchholz entgegennahm, strahlt: "Das zeigt, dass man den Geschmack der Kunden getroffen hat." Insofern betrübe es ihn auch nicht, dass es für einen Hauptpreis des Wettbewerbs nicht gereicht habe. "Unsere Zahlen sprechen eine eigene Sprache: 5000 Rauchschnecken wurden seit dem Frühsommer verkauft. Wir sind mit der Produktion sogar im Rückstand."

4000 Stück sollen noch 2015 das Werk verlassen. Und das bei einem Sortiment von rund 800 verschiedenen Artikeln, die von 80 Beschäftigten gefertigt werden. Jedes Jahr kommen 15 bis 20 Neuentwicklungen hinzu. Eine Erweiterung der Rauchschneckenserie ist geplant: um ein bis zwei Exemplare pro Jahr. "Man kann Kunden auf Dauer nicht mit immer dem gleichen Sortiment bei der Stange halten. Sie erwarten zu Recht Neues", weiß der Geschäftsführer.

Genau darauf zielt seit 1995 auch der Wettbewerb "Tradition & Form" ab. Er soll den Innovationsgeist der Hersteller beflügeln. Hohe ästhetische Ansprüche, perfekte handwerkliche Qualität und die Umsetzung in die Serienproduktion sind die Prämissen. Seit 2009 engagiert sich auch die "Freie Presse" für diesen Wettbewerb. Doch über den von der Heimatzeitung ausgelobten Publikumspreis entscheiden eben nicht die zwölf Mitglieder der Jury, sondern ausschließlich die Leser.

2015 war dennoch einiges anders. Denn nachdem in den vergangenen Jahren Masse statt Klasse dominierte, wurden Satzung und Bewertungskriterien überarbeitet. Als Folge gab es 2015 zum ersten Mal eine zweistufige Beurteilung der eingereichten Arbeiten durch die Jury. Es erfolgte zunächst eine Nominierungsrunde. Ähnlich wie beim Filmpreis "Oscar", wurde entschieden, welche Produkte in die Endwertung kommen. Immerhin waren es letztlich zwölf der abgegebenen 15 Wettbewerbsbeiträge.

Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, glaubt, dass sich das neue System bewährt hat, obwohl zunächst umstritten war, ob sich Holzkunst durch ein Punktesystem quasi mathematisch beurteilen lässt. "Die Qualität der Arbeiten war deutlich besser als in den Vorjahren. Wir hätten problemlos auch mehr als drei Hauptpreise vergeben können." Noch nicht zufrieden sei er mit der Beteiligung. "Ich hatte gehofft, dass mehr Firmen mitmachen."

Über die maximal drei zu vergebenden Hauptpreise waren sich die Jurymitglieder in geheimer Abstimmung überraschend einig. Sie gingen an die im Auftrag der Galerie Näumann in Seiffen von Andreas Fleischer gestaltete Krippe "Kavex", an die Pyramidenleuchter "Harmonie" von Gunnar Horatzscheck in Thermalbad Wiesenbad sowie an die "Stereotypen/Armleuchter" - ein Steckspielzeug, das gemeinsam von der Cultform-Design Glauchau und der Holzdrechslerei Spiegelhauer in Hallbach entwickelt wurde.

Gunnar Horatzscheck, der bereits 2014 einen Hauptpreis für die Replikation einer Arbeit des Design-Professors Friedrich Saalborn erhielt, verriet gestern, wofür er die Preisgelder einsetzt: Sie fließen in ein Buch über Leben und Werk des 1924 in Cranzahl geborenen Saalborn, ein Projekt, das weitere Partner fördern.

Alle für den diesjährigen Wettbewerb nominierten Arbeiten sind bis 13. November in der Schalterhalle der Erzgebirgssparkasse in Annaberg-Buchholz zu sehen.

Diese Leser haben gewonnen

2231 Leser haben über den Publikumspreis der "Freien Presse" abgestimmt. Fünf von ihnen wurden für das Mitmachen mit Preisen belohnt.

Neben Lieselotte Glaß wurden folgende Gewinner ermittelt: Rosalinde Seidel, Stollberg; Brigitte Hillig, Brand-Erbisdorf; Christine Balg, Zwickau; Gisela Brummack, Plauen. (gt)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...